Posts mit dem Label Staffeln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Staffeln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24.6.18

Mädchenetappe bei der Rennsteigstaffel

Beim Rennsteigstaffellauf bleiben von den 10 Etappen üblicherweise die kürzeren Etappen  den Frauen und langsameren männlichen Läufern. Ich bekam bisher meist eine der langen Etappen über den Beerberg oder den Inselsberg. Da die Staffelpartnerin aus der Nachbarschaft aber 24 Jahr jünger und eine halbe Minute auf dem Kilometer schneller ist, darf ich mal die Mädchenetappe ab der Neuen Ausspanne laufen und sie muß über den Inselsberg .

Am Vormittag steigern die einlaufenden Nachrichten mit den  Wechselzeiten  die Aufregung. Die Wartezeit an der Wechselstelle ist immer schön und steigert die Anspannung. Man trifft allerhand Bekannte und beobachtet die Wechsel der schnelleren Staffeln.

Beim Warmlaufen erkundete ich schon mal die ersten 1,5 Kilometer der Strecke. Zwar bin ich sie schon neunmal beim Supermarathon gelaufen, aber in anderer Richtung. Wie steil werden die Berge sein, die man sonst zwischen Kleinem Inselsberg und Neuer Ausspanne runter gerollt ist?

Dann ging es wie immer schnell. Angela, die viel besser als in den Vorjahren ist, übergibt den Chip und es geht sofort in den Berg hinein. Ich bin überrascht, denn es läuft sich viel besser als beim Warmlaufen - 5:10 Minuten für den ersten Kilometer. Die folgenden Kilometer gehen deutlich unter 5 Minuten weg. Damit entsteht das Ziel, mal wieder einen profilierten Wettkampf im Schnitt unter 5 min/km zu laufen. Dass ich etwa auf jedem Kilometer einen Läufer überhole motiviert.

Unterschätzt habe ich jedoch die Steigung ab dem Heuberghaus. Auf 2,5 Kilometer geht es 120 Meter gleichmäßig nach oben. Inzwischen recht erschöpft sinken die Kilometerschnitte auf 5:30 min/km. Dann noch einge hundert Meter bergab und schon übergebe ich. Die Uhr bleibt bei 1:09:13 Stunden für 13,7 Kilometer stehen. Schnitt 5:05 min/km bei 240 Höhenmeter.

Nach einer kurzen Pause geht es mit dem Auto zur letzten Wechselstelle und dann zum gemeinsamen Zieleinlauf nach Hörschel. Ein schöner Tag mit Lauffreunden geht dort zu Ende - und die offizielle Zeitmessung behauptete einen Schnitt von 5:00 min/km. Das akzeptiere ich mal so.

26.5.16

Alteburg-Staffellauf

Irgendwie gibt es eine Empfehlung, nach einem Wettkampf die Anzahl der Meilen in Tagen zu regenerieren.  Nach dem Rennsteiglauf-SM hätte ich damit 6 Wochen Laufpause - ach vergessen wir das mal schnell.

Der Alteburg-Staffellauf hatte mich nie interessiert, auch wenn er vor der Haustür stattfindet. Ich habe schlicht keine Vorstellung, wie ich 1.200 m als einer von 5 Läufern absolvieren sollte. Dabei ist das Ankommen im Gegensatz zum Supermarathon kein Problem. Aber wenn die Liberalen wieder mal Sorgen mit der 5 haben, muß man halt mal helfen.

Die zwei Kilometer warm laufen, fielen schon schwer und die kurzen Beschleunigungen trieben meinen Puls hoch. Zumindest hatte ich dann das Gefühl, was mich als vierten Staffelläufer erwartet.


Der Lauf ist schnell erzählt:
Losrennen, keuchen, überholen, keuchen, überholt werden, keuchen, Staffelstab übergeben.

Insgesamt wurden wir Siebenter. Meine Zeit war 5:58 Minuten, was 4:59 min / km entsprach. Ob die Strecke genau vermessen war, blieb unklar.
Das Bier danach hatte nur 4,9 %, was die Liberalen sehr betrübte..

29.8.15

Schillerstaffel: die Zweite zum Zweiten

Die Schillerstaffel um Rudolstadt, Jena und Weimar bin ich nun schon zum dritten Mal gelaufen. Als ich mich wiederum für die zweite Etappe bereit erklärte - laut Veranstalter die " vielleicht urigste der Etappen mit einer Mischung aus Härte und Schönheit" - ahnte ich noch nichts von meinen Knieproblemen. Nun gut, kurzfristig kann man ja was dagegen tun und so stand ich im Frühnebel an der Burgruine Schauenforst.

Schon beim Warten an der Wechselstelle fiel auf, dass die Teilnehmer bei dieser Staffel deutlich jünger und leistungsorientierter sind als bei den üblichen Volksläufen.

Kevin war noch schneller als im letzten Jahr und kam schon als Zweiter. Damit wurde mir klar, dass ich einfach nur nach hinten druchgereicht werde, ohne einen Läufer überholen zu können.  Schon am ersten Berg kam ein Läufer in einem Tempo vorbei, dass ich kaum auf ebener Strecke laufen kann.

So schnell blieb es nicht
Von der Schönheit der Strecke bekam ich anfangs nichts mit, sie versteckte sich im Nebel. In der zweiten Hälfte des Laufes bekam ich dann nichts mit, weil ich mit mir zu tun hatte. 530 Höhenmeter auf 22,5 km wollen erst mal überwunden sein. Doch zumindestens hatte ich in diesem Jahr schon eine Vorstellung, was kommt. Jedenfalls, war ich nach 2:08 h in Meura und damit 5 Minuten langsamer als im Vorjahr. Da das Training der letzten Wochen nur aus lockeren Läufen besteht, ist es schon ok. Da mußten halt die anderen Staffelläufer ran.

So schnell, dass die Bilder unscharf wurden, sah ich übrigens nur am Start aus.

25.8.14

Schillerstaffel: Von Rödelwitz nach Maua

Rödelwitz muss man eigentlich nicht kennen, obwohl es schon im Jahr 1084 urkundlich erwähnt wurde. Heute sollen etwa 80 Menschen in diesem Flecken bei Rudolstadt wohnen. Bedeutendste Sehenswürdigkeit ist die Burgruine Schauenforst. Dafür, dass sie nie irgendeine größere Bedeutung hatte, ist von der Ruine noch recht viel zu sehen.


Wahrscheinlich wird in den Annalen der Burg vermerkt, dass im August 2014 hier der Wechsel zur zweiten Etappe des Schiller-Staffel-Laufes stattfand. Dies ist ja durchaus von Bedeutung. Um zu der Wechselstelle zu gelangen, muss der erste Läufer einen schmalen Pfad hoch klettern, während die Wechselläufer 1,5 km vom Parkplatz hoch wandern. Kevin, der erste Läufer unserer Staffel, kam als Achter nach 17,4 km angerannt und setzte mich damit irgendwie mächtig unter Druck. Der Junge ist aber auch 30 Jahre jünger als ich.

Schnell Kevin abgeschlagen, renne ich los. Nach einem kurzen gerade Stück führt der Weg im Buchenwald steil nach oben. Bei einer Steigung über 10 % gebe ich das Laufen wieder auf und wandere. Dabei werde ich schon vom ersten Läufer überholt. Geht ja gut los.

Die Veranstalter haben eine schöne Beschreibung der Etappe durch die Muschelkalkberge an der Saale in das Netz gestellt. Diese Etappe ist deutlich schöner als die 6. Etappe, die ich letztes Jahr lief. Von den schönen Aussichten bekomme ich jedoch nur wenig mit, denn ich versuche das optimale Keuchtempo zu finden. Allerdings komme ich selbst auf gut zu laufenden Waldwegen leicht bergab nicht unter 4:30 min/km. Vielleicht wäre gelegentliches Tempotraining gar nicht so verkehrt gewesen. Doch gut zu laufen sind auf dieser Etappe nur wenige Abschnitte. Wiesenwege mit etwas höherem Gras, ausgewaschene Bergabpassagen, steile Anstiege und ähnliches Ungemach bremsen den Lauf. Man sollte die Hinweise der Veranstalter ernst nehmen:  
"Die längste und vielleicht urigste der Etappen mit einer Mischung aus Härte und Schönheit". 


Ich werde im Laufe der Etappe von etwa 10 Läufern überholt. Motivierend ist das nicht, war aber zu erwarten. Hinter Kilometer 18 geht es noch einmal fast 150 Meter auf einem Kilometer bergan. Der Puls schlägt schon beim Wandern am Hals. Mit 11 Minuten wird es mein langsamter Kilometer. Die letzten beiden Kilometer gehen bergab. Die 4:15 min/km sind aber eigentlich immer noch zu lahm dafür.
Maua muss man eigentlich auch nicht kennen, wenn auch in diesem Dorf immerhin 750 Menschen wohnen. Andererseits war es auch nicht schlecht, Maua zu kennen. Hier wartete Rocco, der mich nach 2:03:47 h mich ablöste. Er und die anderen Jungs haben dann meine Bummelei wieder wett gemacht und zum Schluss belegten wir noch den 18. Platz, nachdem ich auf meiner Etappe nur 26. war.

25.6.14

Rennsteigstaffel 2014

Es gibt Dinge, die schöne Routinen sind. Der Rennsteigstaffellauf, bei dem sich 10 Läufer die 171 km des Rennsteigs teilen gehört dazu. Als Organisator unserer Staffel gönnte ich mir in diesem Jahr, den letzten Abschnitt von der Hohen Sonne nach Eisenach zu laufen. Es ist der einzige Abschnitt, den ich überhaupt nicht kannte. Da der geplante Start nach 20 Uhr war, konnte ich den ganzen Tag mit nützlichen Tätigkeiten im Haus verbringen und per Handy von Manfred erfahren, dass die anderen auf die Minute pünktlich waren oder jedenfalls ein Läufer die Differenzen des anderen ausglich. Da nächste mal will ich aber doch wieder mehr an der Strecke dabei sein.
Zumindestens am Inselsberg war ich dabei, erwartete Jens und unsere Läuferin und Radbegleiterin Angela und verabschiedete Heike. Am meisten Schiß hatte ich, Heikes Hund Willy anschließend bei mir zu halten. Aber Willy war friedlich und leckte mir nur bei der Autofahrt zur Hohen Sonne den Arm ab.
Mit Willy, Heike und Rainer
Heike war schneller am Wechsel als berechnet. Sie ist auch den ganzen Inselsberg hoch gelaufen – wow. Rainer begleitet mich nun mit dem Rad auf dem letzten Abschnitt. Wie immer brauchte ich 2-3 km um meinen Rhythmus zu finden. Ich bin die Hetzerei auf den Kurzstrecken einfach nicht gewöhnt.

Die Strecke erwies sich schwieriger als gedacht, denn immer wieder ging es auf schmalen Pfaden irgendwelche Hügel herauf, während der Fahrweg sanft um sie herum führte. Die 250 Meter negativ Höhendifferenz setzen sich schließlich aus 150 Meter An- und 400 Meter Abstiegen zusammen.  Landschaftlich war die Strecke mit Buchenwäldern und Ausblicken ausgesprochen schön. Die 12 Läufer, die ich überholen konnte, wirkten darüber hinaus auch motivierend. Allein für den Zieleinlauf hätte sich die Etappe gelohnt. Ein Schnitt von 4:42 min/km klingt auch gut für die Etappe über 15 km.
Nur Schade, dass ich bei der Party nicht lange bleiben konnte, nachdem ich die erstmalig installierten Duschen benutzt hatte.  

25.8.13

Geheimnisse der deutschen Klassik

Die literaturwissenschaftliche und sportgeschichtliche Forschung steht knapp vor einem Durchbruch. Bald wird es verkündet werden - Friedrich Schiller war ein begnadeter Läufer! Zusammen mit seinen Lauffreunden Johann Wolfgang, Martin und anderen liebte er vor allem den Staffellauf und war regelmäßig zwischen Rudolstadt, Weimar und Jena unterwegs. Zu Ehren dieser noch wenig bekannten Seite der deutschen Klassik fand nun schon der 5. Schiller-Staffel-Lauf in seinem Laufrevier statt.


Heiko brauchte mich nicht lange zu überzeugen, lockte mich dieser Lauf in unbekannter aber netter Gegend ohne lange Anfahrt doch schon immer.  Heiko hatte für mich die 6. Etappe über 15,8 km vorgesehen. Am Golfplatz bei Blankenhain sollte ich meinen Vorläufer ablösen. Der Golfplatz ist schön gelegen, aber bei fast 1800 € Jahresbeitrag bleibe ich erst mal doch lieber beim Laufen. Ich fahre auch nicht so ein schönes Auto wie die Golfer.


 Mein Vorläufer Roy lag ein kleines Stück vor einer Läufergruppe, doch vor ihm hatte länger niemand gewechselt. Also war mein erstes Ziel, nicht überholt zu werden. Die Strecke führte über Radwege und schottrige Feldwege. Sie war landschaftlich nicht übel, aber weniger schön, als mich die Internetseite des Veranstalters glauben lassen wollte. Nach einigen Kilometern konnte ich weit zurück schauen - niemand folgte. Ziel 1 war also zu erreichen.

Schwieriger war schon mein zweites Ziel, einen Schnitt unter 5 min zu erzielen. Letztlich bescherten 160 Hm Anstieg auf den Kilometern 12 und 13 jeweils Kilometerschnitts von über 6:40 min/km, die nicht herauszulaufen waren. Dazu kamen Temperaturen von über 25°, insgesamt 260 Hm Anstiege bei nur 90 Hm Abstiegen und was einem sonst noch so an Ausreden einfällt.
Am Luisenturm bei Kleinkochberg konnte ich nach 1:27:14 an Heiko übergeben. Das waren dann 5:12 min/km gewesen. Friedrich Schiller war bestimmt schneller, aber so weit ist die Forschung noch nicht. Am Luisenturm hätte er jedenfalls eine schöne Aussicht gehabt, doch den gab es damals noch nicht.

In Rudolstadt auf dem Marktplatz erwartete ich dann Heiko im Ziel, der sogar mit einem Endspurt  unseren Platz verteidigen musste.
.

23.6.13

Einen ganzen Tag Rennsteigstaffel

Der Rennsteigstaffellauf ist immer wieder etwas Besonderes, vor allem wenn man nicht nur läuft, sondern versucht die Strippen einer Staffel in der Hand zu halten.

5.00 Uhr
Angela läuft in Blankenstein los. Sie ist die Größte in der Staffel und wird uns nach ihrem Lauf auf dem Rad begleiten.
Ich ziehe unbewußt meine Bettdecke höher.



6.55 Uhr
Elke schickt eine SMS. Angela war 5 Minuten schneller in Grumbach als geplant und hat an Jens übergeben.
Ich drehe mich im Bett auf die andere Seite.

7.30 Uhr
Jens geht es schlecht - eine verschleppte Erkältung bremst ihne gewaltig.
Ich wache auf und lese die SMS von Elke.

9.00 Uhr
Elke hat an der Schildwiese mit 20 Minuten Abstand übernommen und läuft zuverlässig wie immer.
Ich überlege, was ich den Vormittag noch machen will.

10.38 Uhr
Vroni schickt mir eine SMS, sie sei jetzt in Neuhaus losgelaufen - die hat Nerven und soll lieber laufen. (Vielleicht hat auch Karsten geschrieben oder Axel oder wer auch immer).
Ich suche Teile für die Dachrinne im Baumarkt.

12.48 Uhr
Vroni hat den Plan eingehalten und an Nora übergeben, die diesmal den Hohlweg hinter Masserberg runterbrettern wollte.
Ich fummele an der Dachrinne und stelle fest, dass ich noch mal in den Baumarkt muß.

14.32 Uhr
Manfred ist in Allzunah los. Selbst bei dem von mir unwidersprochen vorgeschlagenen Schnitt von 4:40 min/km ist der Notstart kaum zu vermeiden.
Die Dachrinne ist fertig und gegessen habe ich auch, werde hektisch muß losfahren.


16.00 Uhr
Notstart für die blonde Petra am Grenzadler.
Ich habe Holger, Rotkäppchen Petra und andere Freunde und Bekannte getroffen. Rainer ist noch nicht da. Mein Plan für ihn war auch nicht zu schaffen.



17.27 Uhr
Petra hat tiefestapelt und ist 9 Minuten vor dem Plan da.
Ich bin mit Holger im Auto zur Neuen Ausspanne gefahren. Wir kennen uns irgendwie schon lange, sind etwas laufwesensverwand und hatten bisher doch noch nie länger gequatscht.



18.52 Uhr
Ich übernehme Chip und Stein von unserem Rotkäppchen.
Keinen Kilometer kann ich laufen, dann muß ich auf dem steilen Stück zum Inselsberg gehen - ich keuche.


Dreiherrenstein
Seit dem Inselsberg laufe ich ca. 150 m hinter einem Läufer im roten Shirt her. Plötzlich kommt ein Läufer mit grünem Shirt und Startnummer entgegen. Er hatte den Abzweig verpasst und biegt nun richtig mit Rotshirt ab. Ich will die beiden kriegen.

Glasbachwiese
Nachdem wir einige langsame Läufer überflogen hatten, habe ich kurz vor der Verpflegung auch Rotshirt eingesammelt und mich Grünshirt genähert.

Bergwachthütte
Ich habe Grünshirt überholt, er wünscht mir nach wenigen Worten über sein Verlaufen viel Glück. Ich bekomme ihn aber nicht von meinen Fersen. Dann überholt er mich wieder, setzt sich 30 m vor mich, kommt aber auch nicht weiter fort.
Nun habe ich gar kein Auge mehr für die wunderschöne Strecke mit tollen Ausblicken im Abendlicht.

20.28 Uhr
Ich wechsele auf Holger und bin verwirrt, als er mir den Autoschlüssel gibt, was doch abgesprochen war.
Dann sitzt ich japsend einige Minuten im Ziel, glücklich über den schnellen Lauf und ein wenig enttäuscht nicht unter 5 min/ km gekommen zu sein. Daheim werde ich feststellen, dass ich die Strecke vor 2 Jahren noch drei Minuten schneller gelaufen bin.

Warten auf den gemeinsamen Einlauf ;-)

21.59 Uhr
Alle zusammen warten wir auf Holger. Wir begleiten ihn die letzten Meter zum Ziel, das heißt ich hechele hinterher. Es gibt Medaillen, der Stein fliegt in die Werra.


23.30 Uhr
Hans im Glück singt die Rennsteighymnen. Ist es schön mit Freunden hier zu feiern.


Nächstes Jahr im Mai sind die Haare grün wie das Shirt!
0.30 Uhr
Durch die laue Sommernacht rollt das Auto nach Hause. Ein toller Tag geht zu Ende.

17.6.12

Rennsteigstaffellauf: Wie schnell werden 171,1 km gelaufen?

Der Rennsteigstaffellauf ist immer wieder einfach ein tolles Ereignis. 10 Läufer teilen sich die Strecke von 171,1 km über den gesamten Rennsteig von Blankenstein nach Hörschel. Die 230 Startplätze sind etwa 5 Minuten nach dem Meldebeginn Neujahr um 0 Uhr ausgebucht.
Die letzten Jahre hat sich Petra nicht nur um den Startplatz sondern auch um die gesamte Organisation gekümmert und ich brauchte immer nur etwa 20 km schnell durch den Wald rennen - das war schön einfach. Da Petra in diesem Jahr als Organisatorin ausfiel, sprangen Angela und ich ein.


Als nach dem Rennsteiglauf die heiße Phase der Vorbereitung begann, stellte sich heraus, dass wir nur fünf Läufer waren. Stammläufer hatten ehepaarweise gleich frühzeitig abgesagt und viele "Vielleicht" waren inzwischen zu einem "Leider doch nicht" geworden. Zum Glück fand Angela mit Alexandra, Julian und Max richtig gute Ersatzläufer. Ich konnte unter Zuhilfenahme von Alkohol Uwe und Stan überreden. Etappen über 13 km, von denen ich ihnen erzählte, gibt es wirklich. Nur sollten sie die nie laufen. Außerdem habe ich einen schönen Plan gemacht, wie schnell jeder so laufen könnte und dabei einfach Optimismus walten lassen. Besser es wartet die Ablösung als der angekommene Läufer auf seinen Nachfolger.

Entweder hat sich jemand vermessen oder der Lauf ist länger


Am Vorabend in Blankenstein hatten wir nicht nur schönes Abendlicht sondern im Gasthauses Rennsteig auch eine Bewirtung in klassisch brummiger Retroart. Zumindestens die Lage des Gasthofes  direkt am Start war optimal. Die Mixstaffel starten 5 Uhr und damit eine Stunde vor den Männern. Angela hatte sich die erste Etappe vorgenommen, um dann die restlichen 153 km die Staffel auf dem Fahrrad zu begleiten - es gibt noch wahre Heldinnen.



In Grumbach nach 17,5 km wollte ich Angela ablösen und meine 20 km angehen.Das Warten an der Wechselstelle zehrt an den Nerven. Noch vor ihr kamen die ersten Männerstaffeln in einem irren Tempo vorbei. Dann war Angela da und ich war vor allem froh, dass ihr Knie gehalten hatte.


Ich bin die zweiten Staffelstrecke schon einmal vor sechs Jahren gelaufen. Inzwischen hat man sie über weite Abschnitte von der Straße weg auf Wurzelwege gelegt - auch schön. Ich wurde häufig von den sehr schnellen Männerstaffeln überholt, ohne selbst allzu viele Staffeln zu überholen. Das war weniger schön. Die letzten Kilometer zog es sich ewig aufwärts. So hatte ich es nicht in der Erinnerung. Doch dann kam die Zollwiese ich und konnte die nun schon ziemlich schweißgetränkte Armtasche mit dem Chip an Vroni weitergeben.

Von nun an brauchte ich nur noch anfeuern und fuhr nach Neuhaus zum nächsten Wechsel. Hier traf ich Uwe und Stan, die aufgeregt auf ihren Einsatz warteten.

Das hübsche Mädel neben ihm hat er nicht mal bemerkt
Auch bei Vroni war meine Einschätzung etwas zu optimistisch gewesen, aber sie hat einen guten Lauf bei teilweisen schwülen Temperaturen gehabt. Mißlich war nur, dass es für die hinteren Läufer an den Wechselstellen keine Getränke mehr gab.


Für Uwe und Stan waren ihre Etappen wohl recht hart wegen den für sie ungewohnt langen Strecken und der drückenden Schwüle im Wald. Aber das Glück es geschafft zu haben, stand ihnen hinterher im Gesicht.


In Allzunah wurde klar, dass es in Oberhof einen Notstart für uns geben würde. 16 Uhr werden in Oberhof die Läufer auch dann gestartet, wenn ich Staffel noch nicht da ist. Man muß ja bei Licht ins Ziel kommen.


Sabine konnte über meine Tipps, einfach unter 5 min/km zu laufen, nicht so recht lachen. Sie hatte die schwerste Etappe von Allzunah über den Großen Beerberg nach Oberhof. Wir begleiteten sie mit dem Auto und reichten ihr an den Straßenquerungen Getränke, sprachen ihr Mut zu und lichteten sie ab, während Angela voran radelte um in Oberhof unsere Läuferin zu erreichen. Nora stiftet dieses Bild vom Notstart.



Leider war ich den Rest der Staffel dann nicht mehr dabei. Nora, Alexandra, Julian und Max sind auch ein tolles Rennen gelaufen. Leider hat sich Max dann noch kurz vor dem Ziel verlaufen. Richtig weit vorn lagen wir in der Wertung der Staffel nicht und eigentlich auch nicht in der Mitte oder der hintern Mitte des Feldes. Spaß gemacht hat es aber allen.

Bilder gibt es hier und da.

17.8.11

Bin ich Goethe?

Ich gebe zu, ich bin etwas eitel. Im Feuilleton der FAZ fand sich ein Artikel, der berichtete, wie man im Internet seinen Schreibstil mit dem bekannter Schriftsteller vergleichen kann. Sofort stellte ich mir die Frage, ob ich, was ich schon lange vermutete, ein noch unentdeckter Goethe bin.
Beim googlen stieß ich gleich auf mehre Seiten, die mich mittels Stilanalyse dazu erklären könnten. Als Text wählte ich den Bericht aus meinem Blog zum Thüringenultra aus. Das Thema schien mir eines neuen Goethes würdig.
Die FAZ-Seite klärt mich schnell auf: Ich schreibe wie Friedericke Mayröcker! Das ist ja toll, nur leider habe ich noch nie etwas von ihr gehört. Wikipedia gibt Auskunft  und lehrt mich gleich ein neues Wort "karenzieren". Kann man als neuer Goethe bestimmt mal gebrauchen.
Vielleicht erklärt mich aber eine der anderen Seiten gleich zum Goethe. Bei Scribando benutze ich natürlich die erweiterte Beta-Version, die erkennt, dass ich wie Daniel Glattauer schreibe. Schon wieder ein österreichischer Schriftsteller, den ich nicht kenne. Immerhin war er schon mal für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Auf der Seite mit dem schönen Titel "Ich schreibe wie..." erfolgt der dritte Versuch. Von Frank Schätzing habe ich nicht nur schon etwas gehört, ich habe auch sein Buch "Der Schwarm" gelesen. Mit diesem teils spannenden teils langatmigen Schinken hat er wahrscheinlich mehr Geld als die anderen beiden zusammen verdient, aber Goethe ist er auch nicht.
Das Ergebnis war doch ernüchternd - ich bin wohl schreibstilmäßig eine mehrfach gespaltene Persönlichkeit.

Ach so und dieser Text ist übrigens geschrieben wie von Charles Dickens. Den kenne ich auch.

22.6.09

Rennsteigstaffellauf - Kiestransport über die Berge

.

Der Rennsteigstaffellauf von 10 Läufern über 171 km Rennsteig ist mittlerweile eine Kultveranstaltung in Thüringen, die höchste Anforderungen stellt. Da die 200 Startplätze ca. 10 Minuten nach Meldebeginn vergeben sind, ist die erste Anforderung, Neujahr um 0.00 Uhr am Rechner zu sitzen und ihn noch bedienen zu können. Dann müssen die 10 Läufer bis Juni bei der Stange gehalten und die durch Grippe, Verletzung oder zänkische Ehepartner ausfallenden ersetzt werden. Auf diese Weise fand ich einen Platz in der Staffel vom Rennsteiglauf Forumsteam.

Schließlich muss organisiert werden, dass jeder Läufer zur rechten Zeit irgendwo im Thüringer Wald an seinem Wechsel steht. Neben dem Zeitchip bekommt er dort von seinem Vorläufer einen Kieselstein aus der Saale am Start. Am Ziel wird der Stein dann in die Werra geworfen. Um all das hat sich Staffelchefin Petra in ganz toller Weise gekümmert und in ihrem Blog auch noch einen wunderschönen Bericht geschrieben.


Für mich war die Etappe von Masserberg nach Allzunah vorgesehen, eine Strecke die ich vom Rennsteigmarathon gut kannte. In Masserberg trafen wir auf unsere Läufer der ersten Strecken, machten ein Bild und dann ging es schon los.


Der erste Kilometer war Lauffreude pur, bis das Bewusstsein einsetzte, dass man bei knapp 18 km vielleicht doch ein wenig die Kräfte einteilen sollte. Ungewohnt war, die bekannte Strecke in einem deutlich höheren Tempo als beim Rennsteiglauf zu bewältigen und ohne Stau den Hohlweg zur Schwalbenhauptwiese zu passieren. Auch ansonsten war es eher einsam. Zwei mal wurde ich überholt und vier oder fünf Läufer überholte ich. Schön war immer wieder auf das parallel mitfahrende Team zu treffen, die mich anfeuerten und ablichteten.


Bedenken hatte ich bei bei den Wurzelstrecken, doch da ich gefühlsmäßig flog, waren sie letztendlich kein Problem. Nach 1:27:40 konnte ich das Steinchen weiterreichen und fand den Schnitt von 4:54 min/km für meine Verhältnisse eigentlich recht gut. Das ist natürlich kein Vergleich zu Frank, der anschließend im Schnitt von 4:30 min/km über den Beerberg nach Oberhof lief, wo wir den anderen Teil der Staffel trafen.


Einen richtig objektiven Bericht gibt es dazu noch bei Laufszene Thüringen.

7.7.08

thüringenULTRA-Staffel 2 x 50 km

.
Das Tun der Eltern dürfte prägend für das Weltbild von Kindern sein. Antjes Bild ist davon geprägt, dass Mütter regelmäßig in Laufsachen durch die Welt rennen und sie regelmäßig im Babyjogger mitdarf. Oft fährt man dann am Wochenende weiter weg und wenn Mama Steffi sich eine Startnummer umbindet, fällt die Babyjoggerfahrt aus. So ein Wochenende stand wieder an. Antjes Mami wollte mit mir die 2 x 50km Staffel beim Thüringenultra in Fröttstädt laufen.

Irgendwann zu nachtschlafender Zeit fuhr Steffi los, um pünktlich um 5:00 Uhr am Start zu sein. Da wir zu lange beim Frühstück brauchten und Steffi deutlich schneller als erwartet war, trafen wir sie nur bei km 40. Von dort ging es zum Wechsel. In Seligenthal wo ich den chipförmigen Staffelstab von ihr übernehmen sollte, stieg meine Aufregung. Wir jubelten noch einigen Bekannten zu, dann ging es schnell, ich hatte den Chip und war auf dem Weg bergan.

Ich kannte die Strecke aus dem letzten Jahr und wusste, dass auf den folgenden 5 km etwa 400 HM zu überwinden sind. Noch frisch überholte ich viele kräftesparend gehende 100 km Läufer. Kurz vor dem Gipfel erreichte ich die erste Getränkestelle. Als ich mir einen Becher gutes Mineralwasser über den Kopf schüttete, kam der klare Hinweis: Do hinnen is eh Wasserschlooch. Den nutze ich dann auch, um Kopf und Mütze anzukühlen.

Die folgenden 7 km ging es durch den schönen Splittergrund nach Tambach – ich versuchte, nicht zu schnell zu werden, der Weg war noch weit. Die Splitter plätscherte fröhlich und hielt das Tal unter den hohen Bäumen kühl.In Tambach bei km 14 scannte ich die Verpflegungsstelle genau nach eventuellen Wasserschläuchen bevor ich mir einen Becher über den Kopf groß.
Kurz vor dem Neuen Haus, wo man mich in Zeiten des Sozialismus vormilitärisch zu ertüchtigen suchte, näherte ich mich Sinchen, die auf 100 km – Kurs war. Wieder bewunderte ich ihren gar nicht ultraschlurfenden Joggingschritt. Sie klagte wenig und war noch gut drauf. Am Neuen Haus gab es an der Verpflegung auch keinen Wasserschlauch aber selbstgebackene Waffeln. „Du musst essen, Junge“, hatte meine Oma immer gesagt. Die Waffel ließ sich gut kauen – Waffeln sollte Standardnahrung an Verpflegungsstellen werden.
Wieder ging es drei Kilometer mäßig bergab, ich ließ es mit schlechtem Gewissen rollen. Kann das gut gehen auf den immer noch 30 km?
Bei der nächsten Verpflegung gab weder einen Wasserschlauch noch Waffeln. Ich hatte „nur“ die Wahl zwischen Bananen, Äpfeln, Riegeln, Brezeln und weichem Toastbrot mit fingerdicker Butter. „Du musst essen... “ Bergauf laufend verirrte sich ein Toastbrotkrümel in die Luftröhre. Als der Hustenreiz verflogen war, konnte ich einige Hunderter mit dem Hinweis trösten, dass es der letzte richtige Berg (mit 100 Hm am Stück) sei.Nach einem steilen Abstieg ging es auf die Waldpromenaden um Friedrichroda. Diese Wege sind etwas besonderes, hier bin ich aufgewachsen und mein Vater ging hier oft mir mit spazieren.
Fast verpasste ich meine Staffelpartnerin mit Familie – ich war etwa 20’ vor meinem Zeitplan aus dem letzten Jahr, wo ich 5:22 lief. Die Laufgruppe Friedrichroda, die die Verpflegungsstelle an der Marienglashöhle betreute, wusste, was Läufer wünschen. Statt einem Schlauch gab es eine Gießkanne und frische Waffeln lagen auf dem Buffett. Noch besser war es an der nächsten Verpflegung bei Tabarz, die vor einem Kneippbecken stand. Zwar lehnte ich Steffis Idee meine Füße im Becken zu kühlen ab, aber ich tauchte Shirt und Mütze ins Becken um für die letzten 15 km über Felder und Wiesen gewappnet zu sein. Zuvor ging es noch durch Tabarz, wo viele Leute vor ihren Häusern private Getränke- und Wasserstellen errichtet hatten. Artig bedankte ich mich überall, wo jemand dabei saß und sagte ihnen, wie toll ich das finde, was mit Thüringer Zurückhaltung entgegen genommen wurde.

Nun wurde es hart, inzwischen waren es 25° und die Sonne knallte auf die schattenlose Strecke. Dennoch lief ich alle Hügel hoch, die ich vor einem Jahr noch gegangen bin. Noch zweimal traf ich mein Betreuerteam, das mir immer wieder Kraft gab. Ich näherte mich auch dem Staffelläufer im orangen Höschen, der mich als einziger auf der Strecke überholt hatte. Die letzten 5 km durch das Gewerbegebiet liefen richtig gut. Im geschätzten 5er Schnitt strebte ich dem Ziel entgegen. Da mein Forerunner in Reparatur ist, hatte nur eine normale Armbanduhr um und überlegte, ob ich die 5 h schaffe. Bei km 98 nahm ich an der letzten Verpflegungsstelle (wieder ohne Schlauch) noch zwei Becher Wasser. Orangehöschen gehörte zu einer Männerstaffel, also kein echter Grund zur Eile. Unmittelbar vor dem Ziel war ich hinter einem anderen vermuteten Hunderter. Die Feuerwehr gab schon per Funk unsere Startnummern für den Zielsprecher durch. Ich beschloss, ihn nicht zu überholen und ihm seinen persönlichen Zielbeifall zu lassen. Also den Schritt kurz verzögernd, Steffi an die Seite genommen und gemeinsamer Zieleinlauf mit ihr.

Der Zieleinlaufzettel veranlasste mich zu einem „Ooh“ – 5:00:28 h. Ein weiteres Ooh gab es bei der Siegerehrung. Wir waren Dritte (von vier Mixstaffeln) geworden – 3 Sekunden hinter den Zweiten. Es war der Läufer, den ich den Vortritt ließ.
Fazit: Es war wieder eine tolle Veranstaltung, bestens organisiert auf herrlichen Wegen über knapp 1000 Hm.

(Das mittlere Bild hat Torsten aufgenommen - Danke)

7.7.07

Thüringenultra 2007


In Fröttstädt startete der erste Thüringenultra, der neben der Hauptstrecke über 100 km auch die Möglichkeit für für Staffeln über 4 x 25 km und 2 x 50 km bot.
Gemeinsam mit Katrin nahmen wir die 2 x50 km in Angriff. Es war für uns beide der erste Ultra und ein tolles Erlebnis.

Hier ist der Bericht von Katrin und viele Bilder sind da.

Meinen Bericht für  http://www.laufen-aktuell.de/ könnt ihr hier auch nachlesen.





Es ist Sonnabendnachmittag. Schnatterinchen Kathrin und ich sitzen in Fröttstädt auf der Terrasse. Wir sind glücklich und haben beide unseren ersten Ultra geschafft. Und doch sind wir etwas kleinlaut und bescheiden in Anbetracht der ins Ziel kleckernden 100 km – Ultras, die alle noch unverschämt gut aussehen. Ein Ultra – Duathlon aus 50 km Laufen und 50 km Groupen wirkt dagegen gar nicht so groß.


Irgendwie ist mein Traum der SM auf dem Rennsteig. Auch nach dem fünften Marathon ist mir der Sprung dahin noch zu groß und ich hielt Ausschau nach einem kleinen Ultra. Da fand ich in den Tiefen des Internets die Informationen zum Thüringenultra, der auch ein 2x50 km Staffel anbietet. Das wäre es, der erste Ultra durch den Ort meiner Kindheit (Friedrichroda).

Kathrin ist leicht rumzukriegen !!!– zumindest was die Teilnahme an tollen Landschaftsläufen betrifft. (Hinsichtlich der landläufigen Bedeutung des Begriffes kann ich nichts über Sie sagen). Mit ihr wird die 2x50 km Staffel komplett. Zu meiner Erleichterung will sie die erste Hälfte laufen, was eine Startzeit von 5:00 Uhr, einen Kilometer und 200 HM mehr bedeutet. Fräse bietet an, uns auf dem Rad zu begleiten, was mich sehr freut, kann ich doch nun einen anderen Titel als „Jörg allein im Wald“ für meinen Bericht wählen.

Freitagabend treffen wir uns mit unserer 4x25 km Staffel, den Endorphin-Junkies SarahBoo und Mattin, Gast Roland, dem Organisator Guntero und XXX, der sich ganz heimlich angemeldet hatte.

Disziplin 1 – Groupen

Als am Sonnabend mein Wecker klingelt, ist Kathrin schon eine Stunde unterwegs. Ich frühstücke in Ruhe und fahre mit meinem Pa los. Bei km 29 ist die Verpflegungsstelle am Gehege (was heute ein Hundeplatz ist), wollen wir Kathrin das erste mal treffen.

Wir sind zeitig (ca 7:30) da und können ein bisschen das Treiben beobachten. Noch kommen viele 100 km –Läufer, die schon 4:00 gestartet sind und die ca. 700 HM sicher kräftesparend teilweise gegangen sind. An der Verpflegung bleiben sie ruhig stehen, wählen aus, schwatzen ein bisschen bevor sie weiter traben. Zuerst kommen in Folge Fori XXX zusammen mit Gast Roland, der sich über die kalorienreduzierten Fruchtsäfte beklagt. Aubry von der 4x25 km Staffel muss mich ansprechen, da ich ihn nicht gleich erkenne, dann kommt Guntero lächelnd und schließlich SarahBoo. Kathrin und Fräse kommen etwas später als erwartet – sie sieht noch gut aus, beklagt sich aber über Krämpfe und die Temperaturen – es sind 13 Grad und der Wind ist kalt.


Fünf Kilometer weiter am Kleinen Inselsberg ist es mit 11° noch kälter. Wir kennen die Abfolge und treffen außerdem auf Aubrys nette Frau Conni. Katrin überlegt, ob sie nach ihren 51 km mit mir noch eine Etappe mitlaufen will!



Wir müssen uns beeilen, denn nach 5 km, bei km 39 ist die nächste Verpflegungsstelle wieder an einer Straße. Die Abfolge ist gleich. Aubry überrennt fast den Verpflegungsstand, die Eingeweihten kommentieren, dass es nur ein Staffelläufer sein kann. Kathrins entspanntes Gesicht steht im Widerspruch zur Klage über Krämpfe. Ich laufe ein Stück mit ihr bis zur Verpflegung, dann verschwindet sie auf der anderen Straßenseite auf einen Trampelpfad in den Wald



Beim Wechsel in Floh ist ein kleinen Treffen. Man kann ein bisschen in der Sonne schwatzen – hier im Tal ist es angenehm. Dann geht es schnell – Kathrin kommt die Serpentinen den Berg herunter und übergibt mir den Chip.



Disziplin 2 – Laufen

Eine Lauffreundinn hatte mir ein paar Tage vorher Glück gewünscht und mich gewarnt: "Gestern habe ich mir die ersten 6,5 km bis zum Rennsteig angeschaut - sprich langsam hochgejoggt bzw. gegangen - ist ganz fies !! 370 Höhenmeter auf 6,5 km."
Dem ist nichts hinzuzufügen, so war es. Allerdings waren die Steigung natürlich nicht gleichmäßig, sondern es wechselten sich immer wieder flache Passagen mit steileren ab. An den steilen ging ich, um Kraft zu sparen. Entschädigt wurden wir mit kitschigen Bildern von weidenden Kühen auf Bergwiesen. Ich überholte einige 100 km – Läufer und hatte ein schlechtes Gewissen- sie hatten über 50 km in den Beinen. Irgendwann waren wir auf dem Rennsteig an der Ebertswiese. Hier war ich das einzige mal unsicher wegen des Weges, sah ich doch lange keine Markierung. Hatte ich einen Abzweig übersehen. Wanderer bestätigten mir, dass auch vor mir Läufer waren. Bald hatte mich Fräse auch wieder mit dem Fahrrad eingeholt – bei den vorherigen langen steilen Anstiegen auf losem Boden war man als Läufer im Vorteil.

Auch bergab konnten Läufer im Vorteil sein, so an den steilen Begrabpassagen mit losem Schotter. Dafür überholte ich Gunter und konnte eine Weile mit einem alten Mitschüler schwatzen, der ihn ein Stück begleitet. Hier ist mal ein Einschub fällig:

Was ist anders beim Ultra?

Überholen:
Kaum ein Überholmanöver läuft ohne kurzes Gespräch. Bereitwillig passt man das Tempo an, um mal eine Weile zusammen zu laufen.


Verpflegungsstellen:
Kein Gedränge und schnelles Greifen. Man schwatzt mit den hier total freundlichen Helfern. Es gibt Brote, Salzstangen und auch loses Salz


Frauen:
Läuft man beim HM meist hinter schlanken Frauen hinterher, sind die Marthoninnen, von denen man überholt wird, meist schon dünn. Beim Ultra werden die Figuren wieder kräftiger. (OK, 5 € in die Machokasse)


Männer:
Der Anteil der Zausel ist überproportional. – gestylte Läufer fehlen völlig. Körperbau ähnlich wie bei Frauen, wenn auch nicht so auffällig.


Durch das schöne Spitteltal an Felsen vorbei verloren wir auf den nächsten 5 km wieder 300 HM. In Tambach wurde ich vom Sprecher als Kathrin begrüßt – ich hätte die Staffelmeldung, wohl doch in richtiger Reihenfolge machen sollen. An der Verpflegungsstelle griff ich zu Salzstangen, die kulinarische Laufentdeckung. Schon vor Tambach wurden die Wege besser und die nächsten 10 km hatte ich ausgiebig Gelegenheit mir Fräse zu schwatzen. Dadurch vergingen Zeit und Weg wie im Fluge. Überhaupt war er einfach ein toller und fürsorglicher Fahrradbegleiter, ohne den ich es sicher nicht so gut geschafft hätte.



Die Wechselstelle für die 4x25 km in Finsterbergen lag auf halber Höhen des letzten der kilometerlangen Anstiege. Ich freute mich, meinen Pa und Kathrin wieder zu sehen. Oben auf dem Berg angekommen, führt der Weg steil bergab nach Friedrichroda. Hier begann das schönste Stück der Strecke auf breiten Waldpromenaden unter hohen Bäumen ohne große Höhenunterschiede nach Tabarz. Es waren Wege auf denen ich als kleines Kind mit meinen Eltern schon spazieren ging.

Kurz vor der Verpflegungsstelle bei km 85 hatte ich einen Hänger. Es fiel schwer, wenn ich auch nicht ins Zweifeln kam. Die Verpflegungsstelle hatte dann aber zwei Überraschungen. Hier warteten meine Frau und meine Mutter - also Lächeln und wenigstens die letzten Schritte des Berges laufen. Außerdem stand hier unser 100 km – Fori XXX. Er sah noch gut aus, wenn er auch etwas jammerte, er sei platt – na ja bei km 85 für ihn. Wir beschlossen gemeinsam weiter zu laufen. Ob das für mich neue Gel oder die neue Begleitung die Ursache waren, mir ging es wieder gut. In Tabarz hatten viele Einwohner Tische mit Getränken rausgestellt – ich nahm einen kleinen Jungen dankbar ein Becher Wasser ab. XXX redete nur noch soviel wie andere Läufer im Normalfall, ganz frisch war er wirklich nicht mehr. Auch wenn wir die Berge lange hinter uns gelassen hatten und der Inselsberg zu uns hinunterschaute blieb das Gelände recht hüglig.

 Kurz vor der Verpflegungsstelle bei km 95 kam uns XXX seine Freundin entgegen, die mit ihm ins Ziel laufen wollte. Als sie zur ausgiebigen Brotzeit an der Verpflegungsstelle ansetzten, lief ich mit Fräses Radbegleitung langsam weiter – bei dem jungen Glück ist jeder andere überflüssig. Schon nach 6 min kam als Überraschung das Schild „km 97“. Jetzt auf ebener Strecke durch ein Gewerbegebiet und über lange Dorfstraßen näherten wir uns dem Ziel. Fräse trieb mich an, als ich noch mal kurz ins Gehen verfiel. Da war Kathrin, der Zieleinlauf – geschafft.


Es ist Sonnabendnachmittag. Kathrin und ich sitzen in Fröttstädt auf der Terrasse. Wir haben beide einen schweren und tollen Lauf in herrlicher Landschaft und bei bester Organisation gehabt. Beide sind wir im 6:30 Schnitt gelaufen. Sie hat auf 50,4 km 1147 HM gehabt, bei mir waren es auf 49,6 km nur 934. Wir sind 10:53 h gelaufen und Vierte (und damit Letzte) bei den Mixstaffeln geworden. Wir sind stolz es geschafft zu haben und fühlen uns als Staffelläufer doch etwas klein in Anbetracht der ins Ziel kleckernden 100 km – Ultras, die alle noch unverschämt gut aussehen.