11. September 2018

Stundenlauf

Bei der Stundenlaufserie muß man am letzten Lauf und an zwei weiteren teilnehmen, um in die Gesamtwertung zu kommen. Da ich nur an einem weiteren Lauf teilgenommen hatte, brauchte ich mirdarüber  keine Gedanken machen. Die drei anderen Starter in meiner AK hatte ich bisher immer besiegt und auch diesmal sollte es so sein.


Allerdings waren die Beine ziemlich schwer, so dass ich mich erst mal 2 Kilometer einlief. Trotzdem waren die ersten beiden Wettkampfkilometer langsamer als sonst, vielleicht auch weil es bei Windstille in der Abendsonne noch ziemlich warm war.

Dann dreht ich meine Runden, die Uhr zeigte die Kilometer um die 4:40 Minuten an und irgendwann war es nach 12.652 Metern zu Ende und ich ganz zufrieden. Für 3 Euro Startgebühr gab es sogar noch eine Bratwurst. Was will man mehr.

15. August 2018

Rennsteigetappenlauf: Ferienlager für Läufer

So ein bisschen ist der Etappenlauf wie ein Kinderferienlager für Erwachsene. Man trifft auf 20-30 Fremde, mit denen man die kommenden Tage verbringt. Die Leiter und Betreuer sind deutlich älter als die Teilnehmer und kümmern sich um alles.

Allerdings kannte ich doch etwa die Hälfte der Teilnehmer, die sich am Montagmorgen in Hörschel am Rennsteigbeginn versammelten. Fast alle waren Wiederholungstäter. Der Ehrenferienlagerleiter Uli erläuterte noch mal kurz das Wichtigste für den heutigen Lauf. Nur das gemeinsame Absingen des Rennsteigliedes musste noch geübt werden.

Tag 1: Hörschel - Kleiner Inselsberg
In der schnellen Gruppe durfte ich eine halbe Stunde später starten. Aber die Mitläufer liefen so schnell los, dass ich Zweifel an der Eingruppierung bekam.

Kurz vor dem Start an der Werra in Hörschel
Zum Glück ließen es Matthias und Bernd auch langsamer angehen und so waren wir zu dritt. Die erste Etappe ist landschaftlich einer der schönen Teile des Rennsteiges mit vielen Ausblicken.
An der Wilden Sau
Besonders schön ist der Ausblick von der Wilden Sau zur Wartburg. Uli hatte bei der Einweisung am Vorabend betont, dass man dort totz lauter Ausblick auch auf die Strecke achten sollte, aber da waren wir nicht dabei.

Wenn es lange bergab geht und kein weißes R mehr auftaucht, ist man falsch. Nach einem Kilometer fiel uns der Ratschlag ein und wir drehten um, den Kammweg wieder zu finden.
An der Hohen Sonne bei Eisenach hatten unsere Ferienlagerhelfer im Pensionsalter die nächste Verpflegungstelle aufgebaut. Von da kannten wir die Strecke vom Supermarathon. An der folgenden Futterstelle verabschiedete ich mich von den beiden, die mir zu langsam wurden.

Die Wegweiser zum Inselsberg zeigten abnehmende Kilometer an und ich überholte noch einige der ersten Gruppe, quälte mich die steilen Anstiege zum Gipfel hoch und den steilen Asphaltweg danach wieder runter.Nach 4:56 war ich an der Grenzwiese. Meine Uhr zeigte 36,5 km, 1138 Höhenmeter und 20 Minuten Pausen an. Bei der Eierlikörtorte auf dem Großen Inselsberg am Nachmittag war dann alles wieder gut.

Tag 2: Kleiner Inselsberg - Oberhof
Sandra hatte sich beklagt, dass sie am ersten Tag allein gelaufen war. Da sie am ersten Tag nur wenig schneller als ich war, jedenfalls wenn man den Umweg abzieht, wollte ich versuchen sie zu begleiten.

14 Grad und Nebel - Traumhaftes Laufwetter
Allerdings lief sie zügig los und ging auch nicht an den Anstiegen. Dagegen ist mein Konzept an den steileren Anstiegen zu gehen, um so Kräfte zu sparen. Nachdem ich mal in den Wald schauen musste, war sie aber weg und ich trottelte so allein die verbleibenden 17 km der heutigen Tagesetappe nach Oberhof. Ich freute mich auf die gut bestückten Verpflegungsstellen und dass es einfacher ging als beim Supermarathon. In Oberhof waren es 28 km, 615 Höhenmeter und nur 11 Minuten Pausen bei den 3:18 Stunden. Zum Kaffee gönnte ich mir heute Mohnkuchen und danach eine Massage.

Tag 3: Oberhof  - Neustadt 
Das Sporthotel hat den Ruf des Thüringer Tourismus gerettet. Hier wurde an der Rezeption und im Restaurant sogar gelächelt! Wie vor zwei Jahren waren die Beine noch erstaunlich frisch. Auch die 16 Grad und der bedeckte Himmel ließen optimale Laufbedingungen erwarten. Wieder versuchte ich mit Sandra zu laufen und konnte sogar an ihr bleiben. Vom Beerberg zum Bahnhof Rennsteig lief ich voran und flog förmlich.

Jörg und Jörg am höchsten Punkt des Laufes
Die Hälfte ist geschafft
Diesmal bummelte ich nicht so lange an den Verpflegungsstellen. Die letzten 5 Kilometer wurde es zäh. Ich folgte der Taktik, bergab Sandra davon zu laufen, damit ich bergan gehen kann. Leider liegt Neustadt auf einem Berg, so dass ich 100 Meter nach ihr den Zielstrich quert. Es waren 27,5 Kilometer mit 522 Höhenmeter für die ich 3:11 Stunden brauchte und nur 7 Minuten pausierte. Im Kaffee Edelweiß probiert ich den Rhabarber-Stachelbeere-Baiser. Man muß auch Dinge wagen, die man sonst meidet.

Tag 4 Neustadt - Spechtsbrunn
Beim letzten Mal war dies die schwerste Etappe für mich - nach drei Tagen waren nun fast 40 Kilometer zu bewältigen. Wieder lief ich mit Sandra los, die beim Laufen erstaunlich ruhig ist, wenn man sie sonst so kennt. Es ging eigentlich ganz gut, doch nach 20 Kilometer wurde es zäher. Außerdem mussten wir immer noch auch das Fernsehteam achten, die uns plötzlich irgendwo filmten - man will doch gut aussehen.

Auch Höhepunkte sind relativ
 Bei Kilometer 25 ließ ich sie ziehen und schaltete in den "Nur-Durchkommen-Modus", der auch gelegentliche Wanderungen erlaubte. Zwischendurch kam ich mit meinem neuen Begleiter Axel noch mal vom rechten Weg ab und besichtigte den Sportplatz in Ernstthal. Mit zwei Mal fragen fanden wir auf den Rennsteig zurück. Es war wohl auch kein Umweg.

Nur noch dort hinunter und dann sind 130 km geschafft!
Die letzten 5 Kilometer ging es nur noch bergab und da ging es auch wieder. Es waren auf meiner Uhr 39,4 Kilometer mit 700 Höhenmeter in 4:51 Stunden. Pflaumenkuchen mit Sahne gab es als Lohn.

Tag 5 Spechtsbrunn - Blankenstein
Diesmal wollte ich mich von Sandra fern halten, hatte meine zutiefst wissenschaftlich - intuitive Laufanalyse ihr die Schuld an meinem Leiden gegeben. Mich immer wieder ranzukämpfen, nachdem sie mir bergan sowas von locker davon läuft, macht mich kaputt - nicht nur mental, auch körperlich.

Nach 4 Kilometern blödelte Sandra noch
In Steinbach am Walde ist man auf der fränkischen Seite, hat die ersten 10 Kilometer weg und ich Sandra weiter an meiner Seite. Danach geht es länger den Berg hoch und ich hatte die Hoffnung sie nie wieder zu sehen, bis zum Ziel jedenfalls.

Die letzten 20 Kilometer des Rennsteiges sind vor allem dadurch schön, dass es bald zu Ende geht. Elend lange kerzengerade Waldautobahnen werden abgelöst durch Wiesenpfade neben Straßen, wo es keinen Schatten mehr gibt. Bei 28 Grad und wolkenlosen Himmel liebt man solche Strecken! Aber die Kilometer wurden doch weniger und irgendwie ging es ab und zu bergab. Wieder einmal erreichte ich Sandra, die mir nun etwas unwirsch deutete, ich solle sie überholen. Nach 165 Kilometern in fünf Tagen war sowieso nicht mehr an eine Anpassung der Laufgeschwindigkeit zu denken - es lief wie die Füße halt so liefen.

Geschafft!
Dann kam auch Blankenstein, die Ferienhelfer im Rentenalter erwarteten die Läufer, Uli drückt akkurat auf die Uhr und Jutta jeden der taumelnden und stinkenden Gestalten - ist das schön. 4:32 Stunden hatte ich für die 39,4 Kilometer mit nur 510 Höhenmeter gebraucht und anschließend keinen Kuchen gefunden.

Falls jemand jetzt den Kram wirklich liest, lasst euch begeistern und versucht es. Natürlich ist es anstrengend, aber dadurch, dass man immer wieder in den Wanderschritt fallen kann, ist es machbar. Was bleibt ist der Stolz, Natureindrücke und ein unvergleichliches Gemeinschaftsgefühl bei allen Teilnehmern und Betreuern. Das Rennsteiglied haben wir zum Abschied mit Inbrunst gesungen. Kein Vergleich zum Brummeln am Start.


8. Juli 2018

Auf den Schneekopf

Einmal habe ich im Jahr 2007 beim Schneekopflauf teilgenommen. Danach hatte ich den jeweils am gleichen Tag stattfindenen Thüringenultra oder dem Urlaub den Vorzug gegeben. Da ich mich für 100 Kilometer nicht fit fühlte und für die Staffel mir die Partnerin abhanden gekommen war, kam der Schneekopflauf wieder in das Spiel.


Seit 2007 hat sich der Lauf herausgemacht. In diesem Jahr standen über 450 Teilnehmer in der Starterliste. Das schöne aber nicht zu heiße Sommerwetter hat seinen Beitrag geleistet. Der Sportplatz in Schmiedefeld wirkt mit 450 Läufern ungewohnt leer.


Nachdem es den Zielberg des Rennsteig-Marathons runtergeht begannen danach die Steigungen, schließlich wollten ca. 450 Höhenmeter auf 12,7 Kilometer überwunden sein. Besonders heftig ist der Anstieg zum Finsterberg mit über 100 HM auf dem Kilometer. Zum Glück ist der dortige Aussichtsturm gesperrt, vor 11 Jahren musste man dort auch noch hoch. Der Abstieg vom Finsterberg ist auch nicht ohne. In einer steilen ausgewaschenen Rinne geht es steil bergab. Dort am Finsterberg müssen mich die Kräfte etwas verlassen haben, jedenfalls wurde ich da öfter überholt.

An der Schmücke und an der Wetterwarte vorbei ging es weiter - ich kannte den Weg. Hefitg war der finale Anstieg zum Schneekopf. Ohne Zuschauer wäre ich da wohl gegangen. Dann hätte ich im Ziel nach 1:17:18 h auch besser ausgesehen. Unvorstellbar, dass ich 2007 dort 9 Minuten schneller war.


2. Juli 2018

Fast 6 Stunden, fast Genuß

Wenn eine Veranstaltung als 6-Stunden- Ausdauer- und Genußlauf angeboten wird, sollte man skeptisch sein. Da meine Partnerin für den Thüringen Ultra abgesprungen war, entschloss ich mich Anfang der Woche am Sonnabend in Plaue Runden zu drehen. Ich freute mich dabei, wieder mit Gabi länger zu schwatzen und fuhr ansonsten ohne große inner Spannung nach Plaue.

Dort hat sich eine sehr überschaubare Gruppe für die 2-Kilometer-Runde versammelt. Eigentlich ist es schade, denn die Veranstaltung ist wohlorganisiert und mit Liebe gemacht.


Nach dem ersten Kilometer im 5er Schnitt zweifelt ich, ob es ein wirklich guter Gedanke war, mit Gabi zu laufen. Doch dann wurde sie etwas langsamer, aber immer noch schneller als mein Wohlfühltempo ist. Zu zweit zu laufen ist angenehm, wenn man viele Stunden vor sich hat. Doch nach 24 Kilometern war der Punkt erreicht, dass ich sie ziehen lassen musste.

Das hohe Anfangstempo rächte sich bei Kilometer 30, doch eine kleine Gehpause lies die Kraft zurück kommen. Schlimmer waren die deutlichen Krampfanzeichen bei Kilometer 37. Nach den Erfahrungen beim Rennsteig wechselte ich in den Wanderschritt und beschloss nach dem Marathon aufzuhören. Nach über einer Wanderrunde lief es wieder, doch da war die Motivation weg. Hatte ich die 35 Kilometer bei 3:32 h passiert, so erreichte ich die Marthonmarke bei 4:30 Stunden. Ein bißchen besser, hätte es bei Marathon Nr. 90 eigentlich sein können.

24. Juni 2018

Mädchenetappe bei der Rennsteigstaffel

Beim Rennsteigstaffellauf bleiben von den 10 Etappen üblicherweise die kürzeren Etappen  den Frauen und langsameren männlichen Läufern. Ich bekam bisher meist eine der langen Etappen über den Beerberg oder den Inselsberg. Da die Staffelpartnerin aus der Nachbarschaft aber 24 Jahr jünger und eine halbe Minute auf dem Kilometer schneller ist, darf ich mal die Mädchenetappe ab der Neuen Ausspanne laufen und sie muß über den Inselsberg .

Am Vormittag steigern die einlaufenden Nachrichten mit den  Wechselzeiten  die Aufregung. Die Wartezeit an der Wechselstelle ist immer schön und steigert die Anspannung. Man trifft allerhand Bekannte und beobachtet die Wechsel der schnelleren Staffeln.

Beim Warmlaufen erkundete ich schon mal die ersten 1,5 Kilometer der Strecke. Zwar bin ich sie schon neunmal beim Supermarathon gelaufen, aber in anderer Richtung. Wie steil werden die Berge sein, die man sonst zwischen Kleinem Inselsberg und Neuer Ausspanne runter gerollt ist?

Dann ging es wie immer schnell. Angela, die viel besser als in den Vorjahren ist, übergibt den Chip und es geht sofort in den Berg hinein. Ich bin überrascht, denn es läuft sich viel besser als beim Warmlaufen - 5:10 Minuten für den ersten Kilometer. Die folgenden Kilometer gehen deutlich unter 5 Minuten weg. Damit entsteht das Ziel, mal wieder einen profilierten Wettkampf im Schnitt unter 5 min/km zu laufen. Dass ich etwa auf jedem Kilometer einen Läufer überhole motiviert.

Unterschätzt habe ich jedoch die Steigung ab dem Heuberghaus. Auf 2,5 Kilometer geht es 120 Meter gleichmäßig nach oben. Inzwischen recht erschöpft sinken die Kilometerschnitte auf 5:30 min/km. Dann noch einge hundert Meter bergab und schon übergebe ich. Die Uhr bleibt bei 1:09:13 Stunden für 13,7 Kilometer stehen. Schnitt 5:05 min/km bei 240 Höhenmeter.

Nach einer kurzen Pause geht es mit dem Auto zur letzten Wechselstelle und dann zum gemeinsamen Zieleinlauf nach Hörschel. Ein schöner Tag mit Lauffreunden geht dort zu Ende - und die offizielle Zeitmessung behauptete einen Schnitt von 5:00 min/km. Das akzeptiere ich mal so.