9. Oktober 2017

Kein Kenianer in Lübeck

Wäre ich ein Kenianer, würde ich jetzt aus dem Rennen aussteigen. 13 Kilometer war ich schon unterwegs beim Lübeck-Marathon, doch irgendwie hatte sich die Lockerheit und die Lauffreude nicht eingestellt. Nach dem Start hatten wir das beeindruckende Holsten-Tor umrundet. Schnell merkte ich, dass 5:10 Minuten auf dem ersten Kilometer zu schnell waren. Auf der 5 Kilometer langen schnurgeraden Ausfallstraße schwitzte ich, obwohl es mit 12 Grad ziemlich optimale Lauftemperaturen waren.

Eine Abwechslung bot der Herrentunnel bei Kilometer 10, der 31 Meter tief die Trave unterquerte. Ein Lautsprecherwagen nutzte die Akustik und peitschte die Läufer den sechsprozentigen Aufstieg hoch. Der erhoffte Flow, der mich oft bei Kilometer 13 erreicht, blieb diesmal aus. Als Kenianer wäre ich ausgestiegen, doch ich lief ja nicht um Sieg und Prämie, sondern um den Länderpunkt Schleswig-Holstein in meiner Bundesmarathonliste zu holen.


Dafür traf ich nun Frank. Als erfahrener Marathonsammler tickte er wie ich und wurde über viele Kilometer ein guter Begleiter. Wie plauderten über Marathons in Schleswig-Holstein, in Thüringen, in Polen und sonstwo. Wahrscheinlich hatte sich die Luftfeuchtigkeit auch reduziert, denn im ruhigen Joggingtempo sammelten wir nun unaufgeregt die Kilometer in jeweils 5:40 Minuten ein. Die Strecke wurde nun auch spannender. Von einer Anhöhe hatten wir einen schönen Blick auf die Fähren am Skandinavienkai in Travemünde. Dann kamen uns bald die Spitzenläufer des Feldes entgegen und sorgten für weitere Abwechslung. Richtig schön wurde es in Travemünde, wo wir zwischen Booten und Cafés vorbeiliefen und uns das zumeist ältere Publikum freundlich Unterstützung zukommen ließ. Spektakulärer Wendepunkt war der kleine Leuchtturm auf der Mole.




Atmosphäre, die Sonne und der Blick auf das Meer ließen nun doch Euphorie aufkommen. Die Halbmarathonmarke wurde bei 1:58 Stunden überquert und die Zielzeit intern auf 4:15 Stunden angepasst. Nach einer kleinen Schleife auf der Meerespromenade ging es auf der Pendelstrecke wieder zurück. Etwas gruselte mich vor den langen Geraden auf dem Rückweg. Nach dem erneuten Blick auf den Fährhafen verlor ich Frank, der langsamer laufen wollte und an jeder Verpflegungsstelle einkehrte.

Eine kleine Gehpause auf freier Strecke und eine weitere am Anstieg im Tunnel brauchte ich dann aber auch. Die lange Gerade nach Lübeck zurück war schließlich erträglicher als befürchtet – ein Kilometer bis zur Verpflegungsstelle da vorn und dann noch einen bis zur Brücke, so kam man voran. Der Körper hatte sich auf Kilometerabschlurfen eingestellt. Eine Beschleunigung um unter 4:10 Stunden zu kommen, war allerdings so nicht drin und die Uhr blieb bei 4:10:50 Stunden stehen.


Nicht aufgehört zu haben, war für einen Nichtkenianer die richtige Entscheidung. Travemünde und Lübeck entschädigten ausreichend für langweilige Streckenabschnitte und ein Länderpunkt war nicht nur bei Herrn Balder schön.

2. Oktober 2017

Im Herbst über den Rennsteig

Die Ausrichter des Rennsteiglaufes sind nicht überall beliebt. Kleinere Ausrichter beklagen sich, dass der Rennsteig-Herbstlauf ihnen die Teilnehmer wegfischt. Irgendwie ist es auch wahr. Bei den über 700  Teilnehmern sah man zwar auch viele, die von weiter her kamen. Doch natürlich waren auch viele aus der Nähe.

Rennsteigwarte am kurzen 19. Kilometer
Eine professionelle Organisation, der Mythos Rennsteiglauf und eine nicht überzogene Startgebühr machen den Herbstlauf von Neuhaus nach Masserberg attraktiv und es den kleineren Läufen im Umfeld schwer. Dabei wollte ich eigentlich beim Kienberglauf in Oehrenstock starten, doch fehlerhafte Terminankündigungen dort ließen mich doch auf dem Rennsteig die 20 Kilometer laufen. Am Kienberg waren dann auch nur 40 Starter auf beiden Strecken.

Eine Woche vor dem Lübeck-Marathon war ein kontrollierter Lauf geplant und 1:50 Stunde das Ziel. Konstanze hatte ich mir als Laufpartnerin am Start ausgewählt, kam sie doch beim Supermarathon kurz vor mir in das Ziel. Recht weit hinten gestartet, folgte sie mir nach 3 Kilometern jedoch nicht mehr beim Überholschlängeln und ich lief allein weiter.



Die Strecke mit den vielen Wurzeln kam mir deutlich trailiger vor als beim Marathon, dort läuft man aber auch einen längeren Abschnitt auf der Straße. Nach 57 Minuten war ich bei 10 Kilometern und sah mein Zeitziel dahin schwinden. Da die zweite Hälfte aber weniger bergig und Kilometer 19 nur 500 Meter lang lief ich nach 1:49:53 Stunden in das Ziel. Punktlandung heißt es wohl. Vor zwei Jahren war ich voll gelaufen 10 Minuten schneller.

21. August 2017

Erfurt Marathon - An den Ampeln bitte warten!

Das Wetter wurde mit Temperaturen unter 20° ausgesprochen lauffreundlich vorausgesagt. Daher entschloss ich mich, den langen Trainingslauf einfach im Rahmen des Erfurt Marathons zu absolvieren.

Die letzten Jahre hatte mich dieser Marathon  schon interessiert. Doch zeitlich hatte es nicht gepasst und mich auch wenig gereizt, an einem Sonnabend mit Startnummer zwischen Touristen und Shopping-Queens durch die Altstadt zu laufen.


Das Start- und Zielgelände in einem Kanuklubzeigte jedoch, dass es eine ernsthafte Veranstaltung ist. Mitläufer beruhigten mich , dass die Strecke solide markiert sei und man nur in der Altstadt aufpassen müsse. Doch erst einmal setzte sich der Tross von letzlich 71 Läufer Richtung Norden an der Gera entlang in Bewegung. Es ging weitgehend durch schöne Parks bis nach Gispersleben und auf der anderen Seite des Flusses wieder zurück.

Entgegen aller Befürchtungen lief die Strecke dann nicht durch die trublige Altstadt sondern über kleine Straßen und Fußwege. Die Anzahl der Ampelstopps hielt sich in Grenzen. Der Petersberg mit Blick über die Stadt war trotz der Treppen beim Aufstieg ein echter Höhepunkt.

Hier hatte ich Hermann aus Vorarlbberg aufgegabelt, der nach einer Wette seinen ersten Marathon hier laufen wollte. Überhaupt waren im überschaubaren Läuferfeld allerhand Starter aus anderen Ländern dabei.

Bald lag die Stadt hinter uns und durch Parks ging es Richtung Steiger, dem Stadtwald. Hermann ließ ich zurück, da er deutlich langsamer wurde.

Es gibt schöne und weniger schöne Wege durch den Steiger. Leider hatte man erst mal die weniger schönen gewählt - steil bergauf auf ausgewaschenen Wegen durch Gartenanlagen erreichten wir die Halbmarathonmarke und über ähnliche Wege ging es wieder ins Tal. Dort erwartete uns ein nach dem Regen der Vortage schmieriger Weg auf dem ich mich mit meinen Straßenlaufschuhen kaum halten konnte. Umsomehr bewunderte ich die Einradfahrer die mit uns unterwegs waren.

In Waltersleben lag bei Kilometer 27 die nördliche Wendestelle. Die müde werdenden Beine wurden nun durch etwa 5 Kilometer waldige Bergabstrecke entlastet. An deren Ende streckte mich eine Wurzel nieder. Bis auf einige Kratzer und den Schreck war aber nichts passiert. Die letzten Kilometer durch die Stadt und Parks vergingen gut - nur an den Verpflegungsstellen machte ich nun längere Stopps.


Zum Glück bewahrheitete sich meine Befürchtung nicht, dass man ein Kilometerschild vergessen hätte. Im Ziel hatte ich nach 4:13 Stunden nur 40,4 Kilometer auf der Uhr. Aber wenn der Veranstalter behauptet, es wäre eine Marathon, dann muß es stimmen.

Fazit: Durch Ampeln, Treppen und nicht abgesperrter Strecke sowie 450 Höhenmetern ist es mit Sicherheit kein Marathon, um irgendwelche Bestzeiten zu laufen. Ein Marathon zum Schauen und Genießen ist es auf jeden Fall und die Organisation ist ziemlich perfekt.

18. August 2017

Stundenlauf Ichtershausen - Sieg


Irgendwas reizte mich, mal wieder eine Stunde lang auf der Tartanbahn im Kreis zu laufen. Als ich noch jung und schneller war, habe ich mir auf die Sekunde vorgenommen, welches Tempo ich eine Runde laufen wollte. Inzwischen laufe ich los und schaue was raus kommt.
Gefühlt waren nach dem Start die meisten der 21 Läufer vor mir. Nach dem ersten Kilometer piepste die Uhr bei 4:24 Minuten, den zweiten Kilometer brauchte ich 4:26 Minuten. Die folgenden Runden lief ich konstant zwischen 4:35 und 4:40 Minuten. Im Nachhinein fand ich das beeindruckend.

Seltsamerweise finde ich immer die erste halbe Stunde schlimmer als die zweite, wenn der Lauf auf das Ende zugeht. Das Ende war nach 12.859 Metern erreicht, was immerhin meinen erster Sieg in einer  Altersklasse bedeutete. Ich brauche ja nicht zu verraten, dass es auch nur zwei Starter in der Altersklasse gab.


Auffällig ist allerdings, wie die Leistung altersbedingt abnimmt, obwohl ich alle Jahre relativ konstante Laufumfänge habe.


2017 (56 Jahre) 12.859 m
2014 (53 Jahre) 13.227 m
2009 (48 Jahre) 13.490 m
2008 (47 Jahre) 13.315 m