Vor über 15 Jahren war ich in einem Internetforum „Laufen-aktuell“ aktiv. Dort tauschten sich mehr oder weniger ambitionierte Freizeitläufer über ihr Hobby aus, und manch einer betrieb – genau wie ich – einen eigenen Blog zum Thema. Vor großen Wettkämpfen traf man oft viele Bekannte aus dem Forum und freute sich, einander endlich einmal persönlich kennenzulernen. Heute haben vermutlich Instagram und TikTok die Rolle der damaligen Foren übernommen – aber so genau weiß ich das gar nicht.
An diesem Samstagnachmittag sitze ich in der Sonne vor dem Gut Kaltenbrunn hoch über dem Tegernsee und plaudere mit Lizzy. Sie ist wie ich ein Dinosaurier aus alten Forumszeiten, auch wenn wir mittlerweile beide nur noch bloggen.
Vor vier Jahren hat mich der Tegernsee mit seiner malerischen Umgebung während eines Kurzurlaubs fasziniert und mich überhaupt erst auf den Tegernseelauf aufmerksam gemacht. Lizzy hat meinen Plan im Blog entdeckt und sich spontan zur Teilnahme motivieren lassen. Wir freuen uns über das Wiedersehen. Wie früher quatschen wir übers Laufen – nur dass inzwischen die Läuferleiden mehr Raum einnehmen als die jüngsten Heldentaten. 
Es ist herrlich sonnig, obwohl der Wetterbericht eigentlich einen bedeckten Himmel angekündigt hatte. Für Mitte September brennt die Sonne noch erstaunlich heiß. Ich genieße den Lauf, der zwar größtenteils auf der Straße verläuft, aber fast durchgehend einen wunderbaren Blick auf den See bietet. Die Strecke ist mir nicht ganz fremd, da ich sie vor vier Jahren streckenweise schon abgelaufen bin. Doch heute, unter blauem Himmel und strahlender Sonne, wirkt die Kulisse noch einmal traumhafter.
In der zweiten Hälfte verlässt die Strecke öfter die Straße und führt über schmalere Fußwege. Hier wird es spürbar eng, sodass man sich im dichten Mittelfeld schlicht mitschwimmen muss. Ab Kilometer 17 fällt mir der Schritt schwerer, und ein langgezogener Anstieg zwingt mich zu ersten kurzen Wandereinlagen. Auch auf dem letzten Kilometer, der noch einmal bergan zum Ziel führt, muss ich wieder ein paar Schritte gehen. Hier macht sich unmissverständlich bemerkbar, dass mir zuletzt die langen Läufe und die Höhenmeter inzwischen fehlen.
Dann erreiche ich schließlich das stimmungsvolle Ziel auf dem Gutshof, wo zahlreiche Zuschauer die Läufer ins Ziel klatschen. Mit 2:17 Stunden bin ich im Rahmen meiner Erwartungen – was am Ende Platz 102 von 177 in der Altersklasse bedeutet.Wenig später sitzen wir wieder gemeinsam im Biergarten. Lizzy hat die 10 Kilometer ebenfalls mit Würde gemeistert, und bei einem kühlen Getränk fühlt es sich fast wieder so an wie in den guten alten Zeiten. Das Bild habe ich von ihr geklaut.


