17. Mai 2018

Marathon zum Louvre

Zwei Wochen vor dem Rennsteiglauf war ein langer Lauf zwingend notwendig. Doof ist nur wenn man das Wochenende fern der Heimat in Lille verbringen muß. Aber  es gab ja an diesem Sonntag den Marathon du Louvre - nicht zu dem in Paris sondern von Lille zur Außenstelle des Louvre in Lens. Bevor ich mirr irgendeine fremde Strecke suchte, kann ich da auch mitlaufen. Hauptproblem war das ärztliche Attest - eine deutsch-französische Vorlage fand ich hier. Lästig war jedoch die ewige Wartezeit beim Hausarzt, der mir für 25 Euro  die notwendige Unterschrift leistet.

In einem anderen Land ist alles anders und manches unklar. Die Startnummern gab es ohne Zutaten in einem Decathlon am Vortag, auch die vergessenen Sicherheitsnadeln konnte  ich noch irgendwo kaufen. Ansonsten wies am Vortag nichts auf den Marathon mit immerhin 2000 Läufern und zusätzlichen Staffeln und Wanderern hin. Bei der Gepäckabgabe wurden mit der Hand Papiertüten mit den Startnummern beschrieben, was die Wartezeit vor dem Start stark minimierte.

Ansonsten war alles vertraut. Ein Sprecher babbelt, dann fällt der Startschuss und das Feld schiebt sich los. Hinter dem Start nahm in der Stadt keiner mehr Notiz von uns. An einem Sonntag schaut in Frankreich noch niemand um 9.30 Uhr auf die Straße.

Außer dem Rathaus und dem barocken Port de Paris wurden alle Sehenswürdigkeiten in Lille gemieden. Eher lustlos lief ich im Sechserschnitt die Kilometer ab. Nach 10 Kilometern stieg die Stimmung, in den Dörfern waren Zuschauer und Musikbands und die Verpflegungsstellen waren gut bestückt, was nach der Ausschreibung unklar war.


Von Kilometer 14 bis 33 ging es mit Unterbrechungen am Canal de la Deûle entlang. So was finde ich ja gut, gibt es doch bei mir in 50 km Umkreis kein fließendes Gewässer, dass man nicht durchwaten kann.


 Ab der Hälfte überholte ich eine immer größer werdenden Zahl wandernder Läufer. Das motiviert irgendwie. Nach Kilometer 30 gönnte ich mir an den Verpfelgungsstellen gelegentlich Gehpausen - es sollte ja ein ruhiger Lauf werden. Dafür konnte ich die letzten beiden Kilometer locker dem Ziel zustreben. Die 4:23 waren schneller als vorher geplant, aber auch langsamer als zwischendurch errechnet.


Und der Louvre in Lens, den man kostenlos ungedusch besichtigen kann, war den Lauf auch wert.

16. Mai 2018

Traumhafte Harzquerung

Vor 10 Jahren bin ich das erste Mal die Harzquerung von Wernigerode nach Nordhausen gelaufen. Fast nichts hat sich seit damals geändert - naja, die Bäume sind etwas größer geworden und die DDR-Turnhalle "Unter den Zindeln" in Wernigerode wurde durch einen Neubau ersetzt. Damit man den nicht dreckig macht, gibt es jetzt die Startunterlagen 200 Meter weiter. Wobei Startunterlagen ein großes Wort ist - es gibt eine kleine Startnummer ohne Werbung, was sehr angenehm ist, einen Wollfaden und einen gelochten Papierstreifen als Gepäckanhänger. Auch die Internetseite aus dem Jahr 2004 wurde nur durch neuere Ergebnisse ergänzt und hat ansonsten ihren Charme behalten.


 Wie immer legt man sein Gepäck am Start auf einen Haufen in eine Bushaltestelle, ohne das irgendjemand sichtbar wäre, der sich darum kümmert. Aber natürlich kommt alles zuverlässig in Nordhausen oder für die Kurzstrecke in Benneckenstein an. Kein Bürgermeister hält vor dem Start Reden und kein Lautsprecher plärrt. Irgendwann fällt ein Schuß und es geht los.


Auf den ersten drei Kilometern hat man 250 Höhenmeter und einige querliegende Bäume, aber das ist im Mittelfeld egal. Meinem Begleiter Ralf gebe ich die Parole Mitrollen aus. Er hat nur 25 Kilometer und zieht etwas. Wie genießen die grünende Natur bei sonnigem und kühlen Laufwetter. Leider geht es nicht über den Damm der Talsperre. Überhaupt gibt es doch einige kleine Streckenänderungen, da wohl auf dem normalen Weg einige Bäume quer liegen. An der ersten Verpflegungsstellen nach 11 Kilometern gibt es wie immer die Getränke aus den Restbeständen der DDR-Grenztruppen.


Irgendwann überholen wir Roland Winkler. Der heute 71-jährige flog mit 25 Jahren aus dem DDR-Laufkader wegen Perspektivlosigkeit. Er lief den Marathon damals nur in 2:17 Stunden. Ich treffe ihn immer etwa an der gleichen Stelle und jedes Mal erzählt er spannende Geschichten.

Bei Kilometer 20 biegt Ralf Richtung Benneckenstein ab. Ich hatte ein wenig Angst, nun allein laufen zu müssen. Aber mir geht es gut. Nur die geschätzte Zielzeit von 6 Stunden korrigiere ich etwa nach hinten. Die zweite Hälfte der Strecke ist eigentlich die schönere. Immer wieder führt die Strecke über kleine Brücken und Pfade, die anderswo Trails heißen.

Hinter dem Sophienhof bei Kilometer 30 geht es 4 Kilometer bergab, anfangs einen herrlichen Hangweg und dann neben der Harzquerbahn entlang. Es geht mir gut, doch auf Strava sehe ich, dass ich früher eine Minute pro Kilometer schneller war. Dafür ist es dieses Jahr hier besonders buchengrün.

Ab Kilometer 34 geht es auf den Poppenberg - 4 Kilometer mit 300 Höhenmetern. Anfangs geht es mir gut, doch oben wird es zäh. Ich futtere mein letztes Gel. Der steile Abstieg fällt mir schwer, mir schmerzen die älter gewordenen Knie. Als der Weg besser wird, geht es mir auch wieder besser.


Die letzten Kilometer geht es mir besser, als bei früheren Harzquerungen. Ich weiß um die letzten drei frühlingshaften Hügel, die im Profil nur unscheinbar wirken. Nach 6:17 Stunden laufe ich über die Ziellinie, die nicht vorhanden ist und nehme statt einer Medaille den Stift und den Aufnäher in Empfang. Eigentlich braucht man in den nächsten 10 Jahren auch nichts ändern.


20. April 2018

Mal was Neues: Halbstundenpaarlauf

Mit ca. 15 Jahren aktiven Laufens, sollte man fast alles mal probiert haben. Da sich aber kein Partner für den Stundenpaarlauf in Ichtershausen fand, wurde es mit dem Paarlauf in der halben Stunden doch eine  Premiere.
Vom Paarlauf auf dem Eis unterscheidet sich eine solche Veranstaltung durch den Untergrund und das Ziel, nicht möglichst schön sondern mit beliebigen Wechseln möglichst weit in der vorgesehenen Zeit zu laufen. Im Allgemeinen tempofaul versprach ich mir so ein kleines Intervalltraining.


Da ich einen Trainingsvorsprung vor Margit hatte, entschlossen wir uns zur 1:2 Taktik. Das klingt sehr professionell und bedeutet, dass sie immer eine und ich danach immer zwei Runden laufe.

Meine Uhr zeigte in den ersten Runden irgendwas bei 4:20 min/km an und gegen Ende fast 4:40 an. Früher habe ich das Tempo über 10 Kilometer gehalten. Aber Spaß hat es dennoch gemacht, selbst wenn wir um 83 Meter das Treppchen verpassten.

14. April 2018

Halbmarathon beim kleinen Bruder

Nachdem der Rennsteiglauf vor 40 Jahren das Licht der Läuferwelt erblickte, brach ein richtiger Boom aus und in den Folgejahren wurden im Osten Deutschlands viele neue lange Läufe geboren. Dazu gehört auch der Kyffhäuser-Berglauf, der just sein 40. Jubiläum beging.

Andere Verpflichtungen hielten mich davon ab, zum Juliäum den Marathon anzugehen, was mir zwei Wochen nach dem Two Oceans sowieso gewagt vorkam. Aber ein Halbmarathon geht immer. Ein Halbmarathon hat den Nachteil, dass, selbst als Trainingslauf deklariert, man irgendwie schnell laufen muß.

Zielgelände am Schloss

Bei optimalen Laufwetter begaben sich ca. 300 Läufer auf den Halben. Kurz nach dem Start ging es steil bergauf in das Kyffhäuser-Gebirge, dass zwar nicht hoch, aber doch ein Gebirge ist. Vielleicht hätte ich mir das Profil mal genau anschauen sollen. Jedenfalls ging es sogar 9 Kilometer bergauf, erst mal 2 Kilometer recht steil und dann weiter in zermürbenden Wellen. Dafür gab es oben einen schönen Blick zum Denkmal, wovon es kein Bild gibt. Ich wollte ja schnell laufen.


Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter und das von Kilomter 12 bis 15. Dann war ich breit und den folgenden langen, wenn auch flachen Anstieg am Flughafen mit Gegenwind kämpfte ich. Auch die letzten 3 Kilometer bergab lief ich nicht mehr richtig locker. Die Zeit von 2:04:23 fand ich trotz der insgesamt 22 Kilomter und 460 Höhenmeter eher schlecht. Aber Platz 114 von 322 und 11 von 41 in der Alterklasse ist für meine Verhältnisse doch ganz ok. Außerdem war es ein schönes Training für den großen Bruder.

Schon de Medaille war es wert

6. April 2018

Zwischen zwei Ozeanen

Zu den Traumläufen auf dieser Welt gehört der Two Oceans Marathon in Kapstadt, der mit 56 Kilometern ein Ultra ist. Irgendwie war es Glück, dass  an einem trüben Novemberabend bei der Urlaubplanung die Anmeldeeröffnung kurz bevor stand. Zwei Tage nach der Eröffnung war der Lauf ausgebucht und die Flüge deutlich teurer. Auch das Park Inn im Stadteil Newlands war teurer als normal, hatte aber den Vorteil direkt am Start zu liegen, wenn auch die unmittelbare Umgebung touristisch weniger interessant ist.


Der Start um 6.30 Uhr war in der Dämmerung. Zuvor waren schon 14.000 Halbmarathonläufer auf die Strecke gegangen, die allerdings weniger spektakulär war als der lange Kanten. Gänsehaut lief über den Rücken, als 10.000 Läufer kurz vor dem Start die südafrikanische Nationalhymne sangen.


Die ersten Kilometer durch Vororte waren nur interessant durch das ungewohnte Stadtbild. Das Feld zog sich kaum auseinander und man konnte lange nicht frei laufen. Doch dann erschienen in der Ferne im kitschigen Morgenlicht die Muizenberge, auf die man viele Kilometer zulief. Ich traf Michaela, die ich in Marburg kennen gelernt hatte und wir liefen die nächsten Kilometer zusammen.


Bei Kilometer 16 erreichten wir den Indischen Ozean, was falsch ist. Die Bucht heißt False Bay, denn der südlichste Zipfel Afrikas ist nicht das Kap der guten Hoffnung, so dass auch dies eigentlich noch der Atlantische Ozean und somit der ganze Laufname ein Schwindel ist. Doch so genau wollen wir mal nicht sein, zumal der Wind uns teils kräftig von der Seite anbließ. Der falsche Indische Ozean ist recht rau und es gibt nur wenige Badebuchten. Als Binnenländer sind vier Kilometer am Meer aber an sich schon etwas Besonderes.


Nach Kilometer 22 bogen wir in ein langes Tal ab, um die Kaphalbinsel zu überqueren. Es wurde welliger und ab Kilometer 27 ging es stetig bergan, doch auch bald wieder bergab zum Atlantischen Ozean. Zuvor gab es an einer Verpflegungsstelle die einzige feste Nahrung - gekochte Kartoffeln. Mit Gels und Gummibärchen hatte ich zum Glück für Eigenverpflegung gesorgt.


Dann begann der Chepmans Peak Drive, eine spektakuläre in den Fels geschlagene Küstenstraße, die sich zuerst über viele Kilometer bergauf hinzog und die ich teilweise wanderte. Oben begrüßte uns eine witzige afrikanische Band.


Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter und die nächsten Kilometer bis zur Marathonmarke in Hout Bay wurden die schnellsten des Laufes. Der langsamste Abschnitt folgte aber auf den nächsten 5 Kilometern zum Pass Constantia Nek, um die Halbinsel wiederum zu überqueren. Hier war es windstill und die südliche Sonne schien vom fast wolkenlosen Himmel. Oben hatte ich irgendwie keinen Blick mehr für den herrlichen Wald.

Die letzten zehn Kilometer gingen natürlich nicht nur bergab, sondern fiese kleine Wellen bauten sich immer wieder auf und machten mürbe und zerstörten die zwischenzeitliche Hoffnung auf eine Zeit deutlich unter 6:30. Doch irgendwann war das Ziel erreicht und die 6:28 (Netto 6:24) entsprach genau der Vorhersage.


Spektakulär war der Zielschluss nach 7 Stunden. Jeder, der nur einen Meter davor war, wurde mit einem gnadenlosen DNF bestraft. Das macht wohl auch für viele mittelmäßige Läufer die Herausforderung aus.