Wolfgang Nadler ist ein Urgestein des Rennsteiglaufs: Mit seinen 75 Jahren ist er bereits 51-mal den Supermarathon gelaufen. Am Start des Rennsteig-Herbstlaufes war er der einzige Läufer, den ich noch kannte. So ist das nun mal, wenn man selbst zu den zwölf ältesten Läufern im Feld gehört.
Wir verabredeten, gemeinsam loszulaufen, und genossen erst einmal die Stimmung am Start, die ein kleines bisschen an den Marathon des echten Rennsteiglaufs erinnert.
Während ich einst beim Marathon den Berg auf dem ersten Kilometer noch locker hinaufgelaufen bin, fiel es mir inzwischen schon schwer. Da Wolfgang aber nicht ins Gehen überging, kämpfte ich mich laufend hinterher. Auf der fast ebenen Strecke durch Neuhaus blieb ich etwas skeptisch, ob das Tempo nicht vielleicht zu schnell für mich sei. So richtig harmonierte das Miteinanderlaufen mit Wolfgang zwar nicht, aber wir blieben immer in Sichtweite – auch wenn er irgendwann ein Stück vor mir lag.
Ich hatte etwas Bedenken, wie es mir auf dem letzten Drittel ergehen würde, da mir vor Kurzem am Tegernsee die letzten Kilometer so schwergefallen waren. Doch dann kam die Sonne heraus und ließ das Herbstlaub in bunten Farben glühen. Jedenfalls erfasste mich so etwas wie ein Flow: Ich lief nun selbst die kleinen Anstiege hoch, die andere um mich herum nur noch gingen. Schließlich überholte ich Wolfgang und flog fast ins Ziel.
Mit einer Zeit von 2:10 Stunden für knapp 20 Kilometer war ich zwar fast eine halbe Stunde langsamer als bei meiner Bestzeit vor über zehn Jahren, aber Platz 4 von 10 in meiner Altersklasse passt dann doch irgendwie.





