10.11.21

Durch den Matsch

Auch beim Laufsport gibt es Trends. Als ich vor etwa 20 Jahren mit dem aktiven Laufen begann, verstärkte die Fernsehdoku "Von 0 auf 42" den Marathontrend. Dann wurden Ultraläufe immer populärer, dann Trails vorzugsweise im Hochgebirge und seit einigen Jahren OCR (Obstacle Course Racing), die man in Österreich einfach Wildschweinläufe nennt. 

Eigentlich hielt ich solche Läufe für Unsinn und wies den Gedanken an eine Teilnahme weit von mir. Ob es die 25° im Süden bei der Online-Anmeldung oder die strahlenden Augen ehemaliger Teilnehmer waren, die mich überzeugten, weiß ich nicht. Jedenfalls stand mein Name in der Startliste und ich bei 5° im November im Matsch unter einem Startbogen vor einem Wassergraben. Wie erhofft, wärmte der Körper beim Laufen die feuchten Sachen durch. Es ging dann im Gebiet der Drei Gleichen stetig bergauf und bergab mit allerlei Hindernissen. Mal musste man über Strohballen klettern, dann unter einem LKW durch krabbeln, über ein kleines Feuer springen, balancieren oder an Ringen hangeln.

Da ich die lange Strecke von 27 Kilometer gewählt hatte, lief ich sehr gemächlich los - wer weiß schon, was noch kommt. Als die Strecke nach 8 Kilometer länger eben blieb, wurde ich nicht nur überholt, sondern sammelt auch selbst Läufer ein. 

 Doch bevor die Freude zu groß wurde, ging es wieder durch Wassergräben, wobei einer deutlich nach Jauche roch. Natürlich stellte ich mir ausgiebig die Sinnfrage, ohne dass ich eine Antwort fand. Nachdem ein Autoreifen auf die Wachsenburger Gleiche genannte Burg hoch und wieder runter getragen wurde, kam einige Kilometer später ein weiterer Graben. 

Diesmal musste man allerdings nicht quer sondern ca. 200 m längs durch. Wenigsten ging das Wasser nur selten über den Bauchnabel. Steil bergauf ging es irgendwann auf die dritte Burg. Auf dem letzten Kilometer ballten sich dann die Hindernisse. In einem Netz ging es aus dem Burggraben auf die Brücke.

Es folgte eine Rutschpartie auf feuchten Folien bergab, ein weiterer Graben und schließlich als Höhepunkte drei Schlammlöcher mit brusttiefen Wasser.

Ein weiteres Schlammloch zum Durchkrabbeln war dann auch irgendwie egal.

Auch im Ziel nach 3:44 Stunden kam noch kein Hochgefühl auf. In trockenen Sachen wurde mir dann schnell kalt und ich freute mich über die Sitzheizung im Auto. 

Warm und trocken auf der Couch wurde es dann immer schöner. Als einziger Starter in der AK 60 war ich im Mittelfeld angekommen. Ach, vielleicht mache ich so einen Quatsch mal wieder. Golf spielen kann ich dann immer noch im Alter.


 



3.10.21

Marathon Nr. 100 auf dem Rennsteig

Im Frühjahr vor 16 Jahren bin ich auf dem Rensteig meinen ersten Marathon gelaufen. Es war ein unvergleichliches Erlebnis, als ich nach 4:47 Stunden im schönesten Ziel der Welt in Schmiedefeld  ankam. Nie hätte ich damals daran gedacht, dass es jemals in meinem Leben einhundert Läufe über 42,2 Kilometer und länger werden. 

Corona hatte auch meine Laufplanungen verschoben und so ergab es sich, dass auch der Jubiläumslauf  in Schmiedefeld enden sollte. Schon zeitig hatte ich beschlossen, dass es in diesem Jahr kein Supermarathon wird. Da ich meiner Form nicht traute, wollte ich vermeiden, das Ziel nicht zu erreichen.

Beim Marathon hatte ich nach erfolgreichen langen Läufe in den Vorwochen keine Bedenken. Mein Ziel war es nur, den Lauf zu genießen. In den Tagen davor kam noch das Nebenziel dazu, nicht langsamer als beim ersten Marathon zu sein.

Der gestaffelte Start in Neuhaus ließ weniger Atmosphäre als sonst aufkommen. Da ich knapp dran war, hatte ich aber auch wenig Wartezeit vor dem Start. Das erste kleine Hochgefühl kam an der Kreuzung in Neuhaus auf, als Fans uns zujubelten.

Zitherspieler am Burgberg

Die ersten Kilometer waren geprägt vom Achten auf den Körper - es fühlte sich besser an als in vielen Trainingsläufen zuvor. Ungewohnt war jedoch, dass man ständig von den Schnelleren aus den hinteren Startblöcken überholt wurde.

Das gute Laufgefühl blieb bestehen, auch wenn ich in der zweiten Hälfte die Berge meist ging. Nie kam das Gefüh auf, körperlich fast am Ende zu sein und viele, die mich bergan überholten, sammelte ich anschließend wieder ein.

 Der Zieleinlauf war schön aber fast unspektakulär. Meine Frau wollte mir ein Banner für den Einlauf reichen, was ich verpasste. Nach 4:36:45 Stunden war ich vor allem glücklich, dass ich immer noch einen Marathon im Genussmodus mit einer akzetablen Zeit absolvieren kann. Platz 509 von 1074 Männern und 21 von 95 in der Altersklasse ist doch ok und dann schmeckte das Bier mit Freunden.



20.9.21

Hohe-Buchen-Lauf 2021

Es gibt Läufe, zu denen hat man ein besonderes Verhältnis. Vor 18 Jahren startet ich hier, 500 Meter von meiner Haustür entfernt zu meinem ersten Wettkampf. Da in Thüringen am 20. September ein Feiertag ist (Kindertag), konnte ich meinen letzten langen Lauf vor dem Rennsteiglauf verschieben und mir diesen trailigen Wettkampf über 11,5 Kilometer und 280 Höhenmeter wieder gönnen.

Coronabedingt wurde in Dreiergruppen mit 30 Sekunden Abstand gestartet. Die meisten anderen waren wohl bei ihrer Zeitschätzung optimistischer und so stand ich bei den Langsamen in der dritten Startgruppe. Damit war zu befürchten, dass ich nur überholt wurde.

Nach wenigen Metern geht es steil bergauf und erstaunlicherweise holte ich auf dem ersten Kilometer alle vor mir gestarteten Läufer ein. Ziemlich sicher bald auch überholt zu werden, war ich irritiert, dass ich fast drei Kilometer führte - tolles Gefühl. 


Allerdings überliefen mich dann ganze Gruppen von Läufern. Da alle deutlich schneller und jünger waren, deprimierte es mich nicht wie befürchtet. So quälte ich mich über die Strecke - ein Trail kurz vor dem Ziel war neu. Nach 1:06:16 Stunden war ich im Ziel - Platz 27 von 40 der Männer und 2 von 6 in der Altersklasse. Im Ziel war es noch schön mit alten Bekannten zu quatschen und einen der wenigen Wettkämpfe des Jahres zu genießen.

17.8.21

Müritzlauf

Als ich jünger, schneller, dünner war und viel weiter problemlos laufen konnte, hatte ich immer mal mit dem Müritzlauf geliebäugelt. Aber auch damals erschienen mit die 75 Kilometer  Mitte August auf wahrscheinlich schattenlosen Radwegen um den See zu verwegen.

Bei der Urlaubsplanung fiel mir der Müritzlauf wieder auf, passt er doch hervorragend in die Anreise an die Ostsee. Der Städtelauf über 26,5 km von Röbel nach Müritz entsprach auch dem, was ich bei meinem derzeitigen Leistungsstand auch bei Hitze relativ problemlos laufen kann.

Zum Glück waren am Lauftag nur noch moderate 24° nachdem schwüle Hitze den Vortag prägte. Am Stadthafen in Röbel war so wenig los, dass man die Startnummernausgabe fast übersah. Die letzte halbe Stunde vor dem Start verbrachte ich auf der Terasse eines Cafes direkt am Start. Selten war ich von einem Lauf so entspannt.

 Nach einigen freundlichen Worten gingen 11 Uhr rund 100 Läufer auf die Strecke. Die Strecke war am Anfang wie erwartet - sonnig und staubig. Ein kurzes Gespräch mit einem Mitläufer, der in wenigen Wochen mit 75 Jahren in Berlin seinen letzten Marathon laufen will. Gebe mir Gott ein ähnliches Vermögen.

Nach drei Kilometern lies ich ihn ziehen. Der Schnitt von 5:18 min/km erschien mir zu verwegen und ich pendelte mich nun bei 5:30 min/km ein. Wie oft in letzter Zeit zog sich der Anfang eines Laufes - ein Achtel geschafft, ein Fünftel, ein Viertel....

Irgendwann führte die Strecke mehr durch schattigen Wald als über die Felder und Wolken schoben sich vor die Sonne. Ich begann zu rechnen, ob 2:30 Stunden möglich sind. 

In Klink nach 19 Kilometern  war ein kleiner Mann mit dem Hammer da. Einige Schritte an der Verpflegungsstelle und dann ging es nur noch mit 6 min/km weiter. Jetzt folgten etwa alle 2 km weitere Getränkestellen und bald war auf dem See der Zielort zu sehen.

In Waren war ich verwirrt - plötzlich fehlten die Schilder, die vorher die Strecke eindeutig gekennzeichnet hatten. Dafür schlängelte ich mich nun durch Mengen an Spaziergänger an der Uferpromenade entlang. Später stellte ich fest, dass die Strecke dem fast leerem Radweg und nicht der Promenade folgte. Die 100 Meter Umweg mit Slalom ließen mich schließlich die 2:30 Stunden um 11 Sekunden verpassen. Im Ziel bejubelten wir dann noch die Ultraläufer, die wahren Helden im Ziel von Waren.



Fazit: Ein schöner, familiärer und wohlorganisierter Lauf, den es hoffendlich weiter geben wird, nachdem der Cheforganisator in den Ruhestand geht.

4.7.21

Schneekopflauf

Corona macht Sommerpause oder vielleicht ist sie auch ganz auf dem Rückzug. Jedenfalls sind die Bedingung so, dass wieder Laufveranstaltungen stattfinden können. Nach kurzem Zögern meldete ich mich deshalb zum Schneekopflauf an. 450 Höhenmeter auf 12,8 Kilometer von der Talstation des Skiliftes in Schmiedefeld sind da zu überwinden. 

Mein Auto parkte ich an den Kreuzwegen ca. 2 Kilometer hinter dem Start. Damit war eine gute  Einlaufstrecke gegeben. Am Start traf man lange nicht gesehene Lauffreunde. 


 

Der Start in Wellen mit Abstand von einer Minute war unproblematisch. Allerdings ging es gleich den Skihang hoch. Auch ein blauer Hang ist ganz schön steil, wenn man ihn hochlaufen muss. 

Gefühlt war ich gleich ziemlich am Ende meiner Startwelle. Dann überholten mich bald die Schnellen von der nächsten Welle und irgendwann ich die Langsameren der vorherige. Ansporn für mich war, Männer zu überholen. Da die meisten eher weißes Haar hatten, wuchs die Hoffnung zumindest in meiner Altersklasse nicht ganz hinten zu sein. 

 Erholsam aber frustrierend waren die Abwärtspassagen, man muss ja wieder hoch. Die Steigung von 20% zum Großen Finsterberg wanderte ich und auch immer mal an einigen Rampen. 

Nach 1:29:41 h war ich oben. Platz 8 von 16 in der Altersklasse sowie 212 von 319 in der Gesamtwertung war zumindest nicht ganz peinlich. Vor drei Jahren war ich auf etwas anderer Strecke aber fast 12 Minuten und vor 14 Jahren unvorstellbare 21 Minuten schneller. Aber irgendwie war das ganze Feld bei diesen Läufen schneller.

Die 5 Kilometer bergab trottelte ich zusammen mit einem anderen Läufer. Kaltes Wasser soll gut für die Muskeln sein - zählen die 16 Grad im Freibad von Frauenwald?