22. Dezember 2019

Das war 2019

Auch wenn das Kalenderjahr noch über einer Woche hat, ging mein Laufjahr wahrscheinlich heute zu Ende. Es erstaunt mich fast selbst, wie konstant ich noch laufe. Nur die Zeiten werden gleichmäßig immer etwas langsamer.

Sonnenwendefeuer - die Tage werden länger
Vier Marathons und zwei Ultras waren es in diesem Jahr. Neben dem Quebec-Marathon war der läuferische Höhepunkt wieder der Rennsteig-Etappenlauf. Insgesamt bin ich auf 2133 Kilometer bei 145 Läufen gekommen, was durchschnittlich 14,5 Kilometer pro Lauf entsprach. Bei den Gesamtkilometern war ich durch eine größere Anzahl kürzerer Läufen leicht über den letzten Jahren.

Wenn alles gut geht, stehen im kommenden Jahr mehrere Laufjubiläen an. Dann laufe ich seit 15 Jahren Marathons und  der 100. Marathon (und länger) wird wohl beim Rennsteiglauf erreicht. Nachdem ich einmal beim Supermarathon in Oberhof aufgehört habe, könnte es auch der 10. ganz absolvierte Supermarathon werden. Zum Hamburg-Marathon bin ich angemeldet und wenn ich dann noch einen Marathon in Baden-Württemberg schaffe, habe ich alle Bundesländer erlaufen.

Allen, die hier immer noch mitlesen, wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das komende Jahr.

24. November 2019

Vereinsmeisterschaft im Nebel

Bei den Vereinsmeisterschaften des Rennsteiglaufvereins Ende November habe ich fast jedes Wetter erlebt: Schnee, Regen und auch mal Sonne. In diesem Jahr lag dichter Nebel im Schwarzatal, der entgegen der Voraussagen sich auch nicht lichtete.

Ich hatte auch alle möglichen Gesundheitszustände im Laufe der Jahre erlebt, wobei  Erkältungssymptome fast die Regel waren. Dieses Jahr hatte ich die Erkältung weitgehend überstanden, nachdem ich in den vergangenen drei Wochen nur einmal gelaufen bin.


Ohne irgendwelche Ambitionen lief ich zügig los und nach ca. 300 Metern hatte sich das kleine Feld sortiert. Von drei deutlich schnelleren Läufern wurde ich auf dem folgenden Kilometer überholt und einen überholte ich. Wie im vergangen Jahr war der steile trailige Abschnitt an der Fischzucht mit 80 Höhenmetern auf 600 Metern fordernd.

Nach 11,5 Kilometern, 1:04:48 Stunden und 277 Höhenmetern war ich im Ziel, bekam einen heißen Tee und freute mich auf die Dusche und das Vereinsgedöns am Nachmittag im warmen, trockenen Saal. Dort wurde ich dann auch wieder in das Präsidium gewählt. Meine Leistung bei der Vereinsmeisterschaft dürfte dabei wohl nicht das Kriterium gewesen sein.

17. Oktober 2019

Quebec-Marathon

Man wird es mir nicht glauben. Aber erst war das Urlaubsziel festgelegt, die Flüge gebucht und dann habe ich geschaut, ob es in dieser Zeit einen Marathon in Ostkanada gibt. Der Quebec-Marathon passte perfekt in die Mitte der Rundreise.



Nach den wirklich beeindruckenden Niagarafällen und vielen bunten Blättern im Indian Summer kamen wir in Quebec an. Zuvor war ich immer noch mal 5-7 km gelaufen, um mich nicht ganz zu entwöhnen.


Das Hotel La Concorde war bestens gewählt. Es lag nicht nur direkt am Start und Ziel, sondern bot aus dem Zimmer in der 23. Etage einen traumhaften Blick über die Altstadt auf den St.-Lorenz-Strom, wo auch gerade noch die Queen Mary 2 lag.


Grobe Laufplanung war, noch einmal die 4 Stunden zu probieren. Option war aber auch, es in einen Genusslauf umzuwandeln, wenn das Ziel unerreichbar würde. Die Temperaturvorhersage wurde immer besser und auch die kalten Winde der Vortage hatten sich am Start gelegt.

Rund 1200 Marathonis starteten und konnten die ersten Kilometer sich leicht bergab zum Wasser einlaufen. Bald ging die Strecke dann flach durch schöne Parkanlagen an einem Zufluss des Stroms entlang. Mein Schnitt von 5:25 war ok, aber auch nicht ganz leicht. Das Rennsteiglaufshirt war hier nicht kommunikationssteigernd und so lief ich allein vor mich hin.


Ein bunt ausgeleuchtete Tunnel und der Blick von unten auf die Altstadt waren nach 20 Kilometern die Highlights und erforderten trotz Zeitverlust das Fotografieren. Auch die Stimmung war ausgelassen mit vielen laut jubelnden Zuschauern.


Die wundervolle Altstadt genießen konnte man zwischen Kilometer 25 und 28 Kilometer weniger, ging es doch jeden Kilometer ca. 30 Höhenmeter bergan.

Mit der verlorenen Zeit hätte ich nun einen Sechserschnitt durchhalten müssen, was mir schwer erschien.

Nun wurde die Strecke auch etwas öder, letztlich ging es auf einer vierspurigen Straße geradeaus und dann wieder zurück.
Bei Kilometer 37 überholte mich der Zugläufer für die 4 Stunden und kurz danach der für die 2 Stunden, der inzwischen dazu gekommenen Halbmarathonläufer. Keine Verzweiflung in mir aber auch keine Chance das Tempo mitzuhalten.

Der Zieleinlauf war dann stimmungsvoll, wie ich ihn selten erlebt habe. Zudem führten die letzten 300 m leicht bergab und vermittelten das Gefühl, in das Ziel zu fliegen. Die Zeit von 4:04:08 h war dann auch bei 250 Höhenmetern ok.


2. September 2019

Marathon an der Saarschleife

Nach Merzig fahre ich mit dem Zug sechs Stunden. Das ist ganz schön viel Aufwand, um an einem Marathon mit 83 Läufern teilzunehmen. Aber Merzig liegt im Saarland und das fehlt mir noch auf meiner deutschen Marathonliste.


Der Marathon führt zur Saarschleife und damit zu dem Naturhighlight des Bundeslandes. Ich verzichtete am Vortag angesichts der 32° darauf, die Saarschleife vom Aussichtspunkt Cloef von oben anzuschauen . Dafür streifte ich mit Rentnern in Busstärke durch Mettlach, wo es nicht nur Outlets, sondern auch ein sehenswertes Firmenmuseum von Villeroy und Boch gibt.

Marathons in Kleinstädte haben den Vorteil kurzer Wege und liebevoller Betreuung und so war es auch bei diesem. Beim Start um 8.30 war das Wetter zwar angenehm frisch, allerdings ich nicht. Die Hoffnung, dass die schweren Beine von der Rennsteigwoche vor 14 Tagen verschwunden waren, erwies sich als Illusion. So richtig war ich aber noch nicht bereit, den Glauben an 4 Stunden aufzugeben.


Das sich das Tempo von 5:30 schon auf den ersten Kilometern nicht locker anfühlte, verdrängte ich durch Gespräche mit anderen Marathonsammlern, die auch den Länderpunkt für das Sarland anstrebten.


Die Strecke an der Saar entlang ist für einen Nichtflussanlieger spektakulär, besonders natürlich im engen Tal der Saarschleife. Nach 15 Kilometern wechselten wir über ein Wehr auf die andere Seite, wo es am Flussufer zurück bis zur Wendestelle unterhalb der Cloef bei Kilometer 18 ging. Ein Alphornbläser war hier ein musikalischer Höhepunkt. Darüber, was ein Alphorn mit der Saar zu tun hat und ob es wirklich motivierende Klänge für Läufer sind, denke ich mal nicht nach.



Beim Rückweg auf der gleichen Strecke passte ich das Ziel auf "Ankommen" an. Im Gegensatz zu meinen Mitläufern blieb ich von Wespenattacken verschont und das war schon ein Erfolg.

Die bei Kilometer 29 auf das Feld stoßenden Halbmarathonläufer hätten für Abwechslung sorgen können, wenn ich inzwischen nicht nur mit mir beschäftigt wäre. Bei Kilometer 36 führte die Strecke am Ziel vorbei um nach 3 Kilometern an einer Wendestelle zurückzuführen. Nicht nur die Saar fand ich jetzt doof, aber nach 4:16 h war ich doch im Ziel.

Ein Flammkuchen und ein Bier vertrieben schnell den leichten Frust, dass es so zäh geworden war. Auf jeden Fall ein schöner Lauf und die Gegend ist einen Kurzurlaub wert.

19. August 2019

In fünf Tagen 169 km über den Rennsteig

Schon zweimal habe ich am Rennsteig-Etappenlauf teilgenommen. Da es 2016 und 2018 in die gleiche Richtung von Hörschel nach Blankenstein ging, gab es einen guten Grund, in diesem Sommer die Gegenrichtung zu versuchen. Ich freute mich auf eine unvergleichliche Laufwoche mit 25 Mitläufern und 6 Betreuern im Pensionsalter, die keine Wünsche unerfüllt ließen.

Allerdings hatte ich Respekt vor den beiden Etappen über 40 Kilometer, die nun am Anfang lagen. Sandra erkor mich zu ihrem Begleiter und Peter gesellte sich zu uns. Die wenig interessante erste Etappe mit 560 Höhenmetern auf vielen straßenbegleitenden Wegen absolvierten wir ziemlich vorsichtig in 4:59 Stunden.

Das Dreamteam

Die Etappe von Neustadt nach Spechtsbrunn war in den vergangenen Jahren die härteste. Auch in umgekehrter Richtung bewahrte sie sich diesen Ruf. Die 40 km mit etwa 700 Höhenmetern führte oft über zwar schöne, aber schwer zu laufende Wurzelwege. Dazu ging es mir wohl nicht richtig gut, die Nase lief und öfter musste ich in den Wald abbiegen. Etwa 5 Kilometer vor dem Ziel ließ ich die beiden ziehen und schleppte mich im Durchhaltmodus in das Ziel, wo ich nach nach 5:12 Minuten ankam. Im Sprudel des Hotelpools kam ich wieder zu Kräften.

Schwere Strecke

Der nächste Tag war von Höhepunkten gekennzeichnet. Nach fünf Kilometern war die Hälfte des Rennsteigs geschafft, am Großen Beerberg der höchste Punkt erreicht und irgendwann danach auch die 100 km bewältigt. Es ging mir sagenhaft gut, obwohl wir recht zügig unterwegs waren. Für Aussichtspunkte und Fotos blieb aber immer noch Zeit. Nach 3:27 Stunden waren die 27 km mit 500 Höhenmeter in Oberhof bewältigt.

Auf dem Aussichtsturm am Beerberg
Auch die nächste Etappe bis zum Kleinen Inselsberg war mit 27 Kilometern eine Kurzstrecke. Wie im Vorjahr  genoß ich, dort zu laufen, wo ich aufgewachsen bin. 3:10 Stunden brauchten wir für die 28 Kilometer mit nur 400 Höhenmetern. Auf dem Großen Inselsberg herrschte am Nachmittag Nebel, was den leckeren Kuchen nicht störte.


Nach vier Tagen weiß man, dass man es schafft. Außerdem lag das Ziel in Hörschel rund 600 Höhenmeter unter dem Startort am Kleinen Inselsberg. Jedoch zermürbten auf den letzten 14 Kilometer ständige Hügel, die man gar nicht im Plan hatte. An der Spitze des Feldes entspann sich ein Endkampf, von dem wir wenig mitbekamen. Irgendwann ging es dann wirklich bergab und wir Kerle liefen der schwächelnden Sandra auf den letzten Kilometern davon. 4:01 hatten wir für die 34 Kilometer gebraucht und sprangen voller Euphorie in die nicht so ganz saubere Werra.


Eine wunderschöne Woche ging mit der Siegerehrung am Abend zu Ende. Mit 20:49 Stunden war ich auf die Minute so schnell wie im Vorjahr.