11. Januar 2021

Corona-Winter

Eigentlich ist es eine Zeit, um depressiv zu werden. Es wird zeitig dunkel und man kann nix mehr unternehmen, als den Abend auf der Couch zu liegen. Im November und Dezember habe ich es mit so vielen Laufkilometern kompensiert, wie noch nie in diesen Monaten.

 Jetzt liegt seit langem im Thüringer Wald und sogar hier im Vorland Schnee. 50 km habe ich in der vergangen Woche auf den Langläufern gestanden.

 Auch der Lauf mit den Spikes von Icebug auf den Ilmenauer Kickelhahn war ein Traum. Das hilft gegen Tristesse.

 Schade für alle, die mit dem Winter ihr Geld mit den Touristen verdienen müssten.

23. Dezember 2020

2020 - Was für ein Jahr!

Wenn man schon eine Weile auf der Erde ist, stellt man rückblickend fest, dass es Jahre gab, in denen man nur unspektakulär nur älter geworden ist. Andere bleiben in Erinnerung wie 2020 als Coronajahr. Auch wenn die Familie zum Glück (noch) nicht betroffen ist, hat die Pandemie auch das Laufjahr durcheinander gewirbelt. 

 

Nachdem im März klar wurde, dass der Rennsteiglauf und alle anderen Planungen sich in Luft auflösten, sank auch die Motivation für längere Läufe. Hinzu kamen Probleme mit dem Piriformis, den ich bis dahin gar nicht kannte, und eine generelle Schwerfälligkeit. Eine kleine OP sorgte im Juni schließlich auch noch für eine Laufpause, so dass  im ersten Halbjahr nur 871 km zusammen kamen.

 

Zum Glück fand ich Alternativen zum ernsthaften Training. Nachdem ich mich mit der Wanderapp Komoot immer mehr angefreundet hatte, begann ich mit meinen Laufpartnern an jedem Wochenende neue Strecken zu erkunden. Komoot steuerte uns wie ein Autonavi per Ansage oder Blick auf die Karte über die vorher geplante Strecke. Irgendwann lernte ich auch, gestrichelte Wege zu meiden, da diese meist zugewucherte Pfade sind.

Diese Strechken wurden immer stärker unter touristischen Gesichtspunkten ausgewählt und waren fast immer ziemlich bergig. Der Gehlberger Bergpfad, der virtuelle Rennsteigmarathon über den Flößgraben, die Felsen im Lauchagrund, der Lange Berg und die Kammerlöcher waren einige der Ziele. Allerdings waren lange Läufe meist nur 23 bis 25 km lang.

Zum Jahresende werden es wohl 1800 km, so wenig wie noch nie in einem Jahr ohne Verletzung. Dies Kilometer verteilen sich jedoch auf 150 Läufe und das sind so viele wie noch nie.

update: Es sind 1836 km geworden.

4. Oktober 2020

Rennsteig.Herbst.Lauf

Dieses Jahr ist alles anders. Noch nie in meiner aktiven Laufzeit war ein Halbmarathon im Oktober der längste Wettkampf des Jahres - der Marathon beim Rennsteiglauf@home zähle ich mal nicht als Wettkampf. Ich schwanke immer, ob ich vernünftig oder überängstlich bin. Aber der Körper hatte signalisiert, dass ich mich auf Läufe um die 20 km beschränken soll. Da passte der Rennsteigherbstlauf über 21 km perfekt und es war ein guter Grund, auf den ebenfalls stattfindenden Trail über 34 km zu verzichten.

 

Auch beim Herbstlauf war es anders. Statt von Neuhaus nach Masserberg wurde eine Runde um den Zielort gelaufen. Gestartet wurde in Gruppen von 25 Läufern mit jeweils drei Minuten Abstand. Da ich mich spät angemeldet hatte, war ich in der vorletzten Gruppe 45 Minuten nach den ersten Läufern . Kurz nach dem Start waren gefühlt alle Läufer der Gruppe vor mir und ich begann zu überlegen, wie es sein wird, allein auf den bereits geleerten Sportplatz in das Ziel zu laufen. Als nach ca. 1,5 Kilometern ein Läufer den nächsten Gruppe an mir vorbei flitzte, überlegte ich welche Psychotherapeuten ich so kenne.


Doch bald sah ich Läufer vor mir, denen ich immer näher kam. Ich konnte nicht unterscheiden, ob es Läufer aus meiner oder der vorherigen Gruppe waren. Ich begann über den Rest der Strecke Läufer einzusammeln und meine Uhr zeigte Kilometerzeiten, die mich in Anbetracht meiner nicht vorhandenen Erwartungen überraschten.

An der ersten Verpflegungsstelle nahm ich mir noch eine verschraubte Flasche Wasser, an den beiden folgenden verzichtete ich. Bei Temperaturen um 8 Grad überhitzte der Körper nicht so stark.

Nach 12 Kilometern war die entfernteste Stelle erreicht und nun ging es auf bekannten Wegen auf und neben dem Rennsteig zurück. Das Laufen fühlte sich weiter gut an, auch wenn die Anstiege etwas schwerer fielen. 

Nach 2:09:21 hatte ich die 21,7 km mit 320 Höhenmeter hinter mir. Auf dem Sportplaltz waren noch genügend Menschen und es kamen auch noch Läufer nach mir ins Ziel. Ich kenne ja auch keine Psychotherapeuten.



23. August 2020

Pleßlauf

Etwa 8 Monate ist es her, dass ich das letzte Mal bei einem Wettkampf gestartet bin. Fräulein Corona hat auch mein Laufjahr durcheinander gebracht. Erstmalig in meinem Läuferleben habe ich einige körperlichen Probleme und außerdem einige Kilo zuviel. Dafür habe ich Laufkilometer dieses Jahr gespart. Es sind also keine sinnvollen Voraussetzungen, um sich zu einen Wettkampf anzumelden. Aber als ich Donnerstag, darauf stieß, dass der Lauf statt findet, hatte ich einfach Lust dazu. In normalen Zeiten wären die 70 Minuten Anfahrt an die Werra mir wohl zuviel gewesen. Aber dieses Jahr ist halt alles anders.

Sandra ist letzte Woche 30 km und 50 km gelaufen, fühlte sich aber auch untrainiert, so dass wir beschlossen gemeinsam den Halbmarathon zu laufen - 30 km erschien uns zuviel.

Der Lauf ist gut organisiert und simpel. Beim Halbmarathon läuft man von der Werra auf 14 km 500 Höhenmeter bergan, umrundet den Gipfel und läuft auf Waldautobahnen direkt in das Ziel hinab.

Sandra lief etwas langsamer los, als erwartet. Unsicher wegen meiner Wehwechen, beschloss ich jedoch bei ihr zu bleiben, selbst als sie an etwas steileren Stellen wanderte. So kamen wir ziemlich am Ende des Feldes nach  letztlich 1,5 km Wurzelweg, den man heute Trail nennt, auf den Gipfel. Um die Aussicht zu genießen, hätten wir auf den Turm steigen müssen, worauf wir verzichteten.

 

Bergab liesen wir  es im gehobenen Wohlfühltempo rollen und waren nach 2:23 Stunden im Ziel. Bei einem großem Halbmarathon in der Stadt wären wir wohl im hinteren Mittelfeld. Hier kamen nicht mehr viele nach uns. Aber irgendwie war das egal und für mich wahrscheinlich sogar vernünftig.



11. Mai 2020

#RENNSTEIGLÄUFERatHOME

Als Läufer hat man in Coronazeiten eigentlich Glück. Zumindestens in Deutschland ist man nicht gehindert, seinem Hobby nachzugehen und eigentlich hat man mangels Alternativen auch mehr Zeit dazu. Allerdings brauche ich bevorstehende Wettkämpfe zur Motivation, um an Tagen zu laufen, an denen die Sonne nicht dazu einlädt.

Die Absage des Rennsteiglaufs war daher schon enttäuschend, wenn auch nachvollziehbar. Daher gab ich mich im April auch damit zufrieden, dass die langen Läufe vor allem an der Schönheit der Strecke ausgrichtet wurden und kaum über 27 Kilometer führten. So lernte ich zumindest den Gehlberger Bergpfad als wunderschönen Trail und den Tunnel des Ausgbrannten Steins kennen.

Gehlberger Bergpfad

Ausgebrannter Stein
Der Ausgebrannte Stein wurde 1704 mit Feuer und Wasser geschaffen, um einen Flößgraben anzulegen. Von der Nähe Oberhofs konnte so über 23 Kilometer das Holz aus Wäldern des Herzogtums Gotha abtransportiert werden, ohne fremde Länderein zu durchqueren.  Ein Erfolg war er nicht, denn nach 11 Flößungen in 17 Jahren wurde seine Nutzung eingestellt.

Dieser Flößgraben sollte in der ganzen Länge Teil meines Beitrages zu Aktion #RENNSTEIGLÄUFERatHOME sein und mit der Umrundung der Ohratalsperre in einen Marathon eingebunden werden. Die Aktion ist ein Angebot des Rennsteiglaufs für seine Fans, die Strecken irgenwie allein zu laufen und hat immerhin ca. 5.000 Teilnehmer.

Gabi begleitete mich. Ab Crawinkel ging es auf schönen Waldwegen sanft bergab und ab Luisenthal zur Krone der Ohratalsperre hinan. Bei der Runde um die Talsperre hatte man immer wieder tolle Ausblicke.

Ohra-Talsperre
Dann zog es sich zäh über 5 km bergan nach Oberhof. Hier blieb Gabi etwas hinter mir, wobei mir klar war, das sie bergab voran fliegen würde.  So geschah es dann auch.

Oberhof
 Der Ausgebrannte Stein und der Blick zum Schneekopf waren aber immer wieder Anlass für Fotostopps.

Schneekopf
Ausgebrannter Stein
Auch die Lütsche-Talsperre musste auf einem Foto verewigt werden und irgendwie war ich bei Kilometer 36 schon ziemlich platt. Der Grillabend am Vortag war vielleicht auch nicht so ganz die optimale Vorbereitung.


Drei Kilometer Nebenstraße waren dann zwar nicht so schön, aber hier ging der Flößgraben einst lang und man brauchte nicht auf den Weg achten. Am Ausgangspunkt waren es dann genau 42,22 km für die wir 5:00:23 gebraucht hatten. Es war schön - nur den Supermarathon werde ich nicht @Home laufen. Die Höhenmeter schwankten zwischen 480 und 900 Metern. Die Wahrheit wird wohl dazwischen liegen.