Laufen und mehr
Perseverance is a Great Substitute for Talent
2.11.26
Bei der Marine am Seeberg
Ich war zeitig da und bewunderte noch kurz die herumliegenden maritimen Gegenstände. Die ersten Kilometer des Laufes lief ich wie geplant mit Matthias, bevor ich ihm am ersten Anstieg nach zwei Kilometern nicht mehr folgen konnte. Das Feld der rund 100 Läufer zog sich nun rasch auseinander.
Eigentlich hätte ich die bunte Laubfärbung und den Blick auf den Thüringer Wald genießen können, doch im zügigen Trainingstempo war ich vor allem mit mir selbst beschäftigt. Die ehemaligen Steinbrüche, in denen einst der Sandstein für die Wartburg und den Erfurter Dom gebrochen wurde, konnte ich ebenso nur ahnen wie die früheren Raketenstellungen am Wegesrand.
Irgendwann machte die Strecke im Wald eine weiträumige 180-Grad-Kurve, die ich schlicht nicht realisierte. Anschließend wunderte ich mich intensiv, warum die Strecke nun in die falsche Richtung zu führen schien. Da die Markierung jedoch eindeutig war und auch andere Läufer ihr folgten, ergab ich mich zunächst meinem Schicksal. Schließlich durchchaute ich meine Fehlorientierung – danach waren es nur noch drei Kilometer, auf denen mich kleinere Hügel immer wieder aus dem Rhythmus brachten.
Schließlich erreichte ich nach 1:31:35 Stunden und 14,5 Kilometern das Ziel. Das Fazit: Ein durchaus lohnenswerter Lauf, der mir mal wieder vor Augen geführt hat, dass etwas mehr Tempotraining sicher nicht schaden könnte.
6.10.26
Goldener Herbst auf dem Rennsteig
Wolfgang Nadler ist ein Urgestein des Rennsteiglaufs: Mit seinen 75 Jahren ist er bereits 51-mal den Supermarathon gelaufen. Am Start des Rennsteig-Herbstlaufes war er der einzige Läufer, den ich noch kannte. So ist das nun mal, wenn man selbst zu den zwölf ältesten Läufern im Feld gehört.
Wir verabredeten, gemeinsam loszulaufen, und genossen erst einmal die Stimmung am Start, die ein kleines bisschen an den Marathon des echten Rennsteiglaufs erinnert.
Während ich einst beim Marathon den Berg auf dem ersten Kilometer noch locker hinaufgelaufen bin, fiel es mir inzwischen schon schwer. Da Wolfgang aber nicht ins Gehen überging, kämpfte ich mich laufend hinterher. Auf der fast ebenen Strecke durch Neuhaus blieb ich etwas skeptisch, ob das Tempo nicht vielleicht zu schnell für mich sei. So richtig harmonierte das Miteinanderlaufen mit Wolfgang zwar nicht, aber wir blieben immer in Sichtweite – auch wenn er irgendwann ein Stück vor mir lag.
Ich hatte etwas Bedenken, wie es mir auf dem letzten Drittel ergehen würde, da mir vor Kurzem am Tegernsee die letzten Kilometer so schwergefallen waren. Doch dann kam die Sonne heraus und ließ das Herbstlaub in bunten Farben glühen. Jedenfalls erfasste mich so etwas wie ein Flow: Ich lief nun selbst die kleinen Anstiege hoch, die andere um mich herum nur noch gingen. Schließlich überholte ich Wolfgang und flog fast ins Ziel.
Mit einer Zeit von 2:10 Stunden für knapp 20 Kilometer war ich zwar fast eine halbe Stunde langsamer als bei meiner Bestzeit vor über zehn Jahren, aber Platz 4 von 10 in meiner Altersklasse passt dann doch irgendwie.
22.9.26
Um den Tegernsee
Vor über 15 Jahren war ich in einem Internetforum „Laufen-aktuell“ aktiv. Dort tauschten sich mehr oder weniger ambitionierte Freizeitläufer über ihr Hobby aus, und manch einer betrieb – genau wie ich – einen eigenen Blog zum Thema. Vor großen Wettkämpfen traf man oft viele Bekannte aus dem Forum und freute sich, einander endlich einmal persönlich kennenzulernen. Heute haben vermutlich Instagram und TikTok die Rolle der damaligen Foren übernommen – aber so genau weiß ich das gar nicht.
An diesem Samstagnachmittag sitze ich in der Sonne vor dem Gut Kaltenbrunn hoch über dem Tegernsee und plaudere mit Lizzy. Sie ist wie ich ein Dinosaurier aus alten Forumszeiten, auch wenn wir mittlerweile beide nur noch bloggen.
Vor vier Jahren hat mich der Tegernsee mit seiner malerischen Umgebung während eines Kurzurlaubs fasziniert und mich überhaupt erst auf den Tegernseelauf aufmerksam gemacht. Lizzy hat meinen Plan im Blog entdeckt und sich spontan zur Teilnahme motivieren lassen. Wir freuen uns über das Wiedersehen. Wie früher quatschen wir übers Laufen – nur dass inzwischen die Läuferleiden mehr Raum einnehmen als die jüngsten Heldentaten. 
Es ist herrlich sonnig, obwohl der Wetterbericht eigentlich einen bedeckten Himmel angekündigt hatte. Für Mitte September brennt die Sonne noch erstaunlich heiß. Ich genieße den Lauf, der zwar größtenteils auf der Straße verläuft, aber fast durchgehend einen wunderbaren Blick auf den See bietet. Die Strecke ist mir nicht ganz fremd, da ich sie vor vier Jahren streckenweise schon abgelaufen bin. Doch heute, unter blauem Himmel und strahlender Sonne, wirkt die Kulisse noch einmal traumhafter.
In der zweiten Hälfte verlässt die Strecke öfter die Straße und führt über schmalere Fußwege. Hier wird es spürbar eng, sodass man sich im dichten Mittelfeld schlicht mitschwimmen muss. Ab Kilometer 17 fällt mir der Schritt schwerer, und ein langgezogener Anstieg zwingt mich zu ersten kurzen Wandereinlagen. Auch auf dem letzten Kilometer, der noch einmal bergan zum Ziel führt, muss ich wieder ein paar Schritte gehen. Hier macht sich unmissverständlich bemerkbar, dass mir zuletzt die langen Läufe und die Höhenmeter inzwischen fehlen.
Dann erreiche ich schließlich das stimmungsvolle Ziel auf dem Gutshof, wo zahlreiche Zuschauer die Läufer ins Ziel klatschen. Mit 2:17 Stunden bin ich im Rahmen meiner Erwartungen – was am Ende Platz 102 von 177 in der Altersklasse bedeutet.Wenig später sitzen wir wieder gemeinsam im Biergarten. Lizzy hat die 10 Kilometer ebenfalls mit Würde gemeistert, und bei einem kühlen Getränk fühlt es sich fast wieder so an wie in den guten alten Zeiten. Das Bild habe ich von ihr geklaut.30.8.26
Durch die Erfurter Nacht
… bin ich eigentlich gar nicht gelaufen. Der 10-Kilometer-Lauf startete bereits um 19:30 Uhr. Auch wenn ich nicht mehr der Allerschnellste bin, war ich nach 56:16 Minuten im Ziel – und da war es bestenfalls leicht dämmerig.
Hätte ich so etwas wie einen festen Trainingsplan, würde ein Wettkampf über 10 Kilometer ideal in die Vorbereitung auf den Tegernsee-Halbmarathon in drei Wochen passen. Das Hauptkriterium bei der Anmeldung war jedoch schlicht, dass der Rennsteiglauf-Verein das Event veranstaltet und ich einfach wieder Lust hatte, Rennluft zu schnuppern.
Ich war mit dieser Idee nicht allein: Über 2.500 Läuferinnen und Läufer waren gemeldet. Knapp 1.000 von ihnen kamen wie ich nach 10 Kilometern noch bei Tageslicht ins Ziel. Die Teilnehmer über 5 Kilometer und den Halbmarathon starteten erst später und erlebten tatsächlich noch die echte Nacht.Die Strecke führte malerisch an den Festungsmauern des Petersbergs vorbei in den Nordpark und durch die Altstadt zurück. Lief ich auf den ersten Kilometern noch ein sehr konstantes Tempo mit einem Schnitt von 5:30 min/km, wurde es auf den letzten Kilometern durch das Pflaster der Altstadt etwas zäh. Aber da war das Ziel glücklicherweise nicht mehr weit.
Umso überraschter war ich beim Blick auf die Ergebnisliste: Trotz der eher mäßigen Zeit belegte ich den 2. Platz von fünf Läufern in der Altersklasse M65 – lediglich 16 Sekunden hinter dem Sieger. Gesamtrang 354 verdeutlicht zudem, dass vor allem Gelegenheitsläufer das Feld prägten.9.5.26
Rennsteiglauf - wieder der Halbe
Ich traf Jens wieder, mit dem ich vor vielen Jahren mehrere längere Läufe absolviert hatte. Uns begleitet noch ein anderer Jens. Das Wetter war traumhaft - sonnig und kühl. Mit Jens I. tauschten wir uns über die vergangenen Jahre aus und genossen den Lauf.
Irgendwann war mir dieser Jens zu langsam und Jens II. erklärte mir, dass auch wir vergangene Lauferlebnisse teilten. Nach über 20 Jahren kann man sich nicht mehr an jeden erinnern.
Hinter dem Berberg bei Kilometer 11, hatte ich kurz die Idee meine Vorjahreszeit zu erreichen und verließ Jens II. nach vorn. Das wurde dann nix, denn auch auf den letzten 10 Kilometer bremsten kleinere, fast vergessene Bergaufpassagen und ab Kilometer 15 machten sich die fehlenden längeren Läufe bemerkbar. Doch es war letztlich kein Problem, denn das Ziel kam stetig näher und nach 2:25 Stunden war ich da.
Im Ziel interviewte mich ein weitere Jens noch kurz.
Nach dem Duschen verfolgte ich mit einem Bier in der Hand den Zieleinlauf der Sieger des Marathons und Supermarathons, was dann die emotionalsten Momente waren. Die Sieger hießen übrigens nicht Jens, was wohl auch an ihrem jüngeren Alter lag.




