27. Mai 2012

Ein Marathon für 5 Euro

Also, eine Erhöhung der Startgebühren von 10 % ist schon heftig. Wenn die erhöhten Startgebühren aber immer noch bei 5 € liegen, kann man ja damit leben. Das ganze ist dann allerdings keine Laufveranstaltung sondern eine Wanderung des Internationalen Volkssportverbandes (IVV) in Gräfinau-Angstedt. Der IVV wurde eigentlich als Gegenentwurf zur Volklaufbewegung mit deren Leistungsanspruch gegründet. Daher gibt es bei den Wanderungen keine Zeitmessung. Manche Wanderer nehmen es aber schon recht ernst.

  
Für die 5 € bekommt man Tee und ab und an auch Bananen, Schmalzbrote oder Äpfel an den Verpflegungsstellen und am Ende einen Aufnäher, den ich mir irgendwie aber entgehen ließ. Außerdem kann man auf markierten aber bisher eher unbekannten schönen Strecken laufen. Diesmal ging es über den Lange (!) Berg mit dem Fürst Günther Denkmal.



Da die Wanderung in der Nähe ist und von einem lieben Kollegen organisiert wurde, war es wieder eine schöne Gelegenheit für einen Trainingsmarathon. Kurz vor 8 Uhr am Ende des zweistündigen Startfensters losgelaufen, überholte ich zuerst die Wanderer mit großen Rucksäcken und später die sportlichen.
Es war einfach schön und nach 4:17 km war ich wieder da - ein richtiges Ziel gibt es nicht. Zwar hatte ich auf dem Garmin nur 38,4 km, aber irgendwie ist es ja auch egal. In meiner persönlichen Rechnung zähle ich den Lauf als Marathon. Proteste dagegen sind innerhalb von 2 Wochen einzureichen und werden dann abgelehnt. Ach ja, und knapp 800 HM waren es auch.
 


24. Mai 2012

Cool ist anders

28° C sind alles andere als optimale Lauftemperaturen. Geht die Laufstrecke außerdem noch direkt am Schwimmbad vorbei, und hat man 371 Hm auf 5,7 km wie beim Kickelhahn-Berlgauf in Ilmenau vor sich, kann es demoralisierend wirken.
Schwer ist der Lauf auch dadurch, dass sich die Höhenmeter nicht gleichmäßig auf die Strecke verteilen. Die ersten 1,5 km ist die Strecke fast eben und auch zwischen Kilometer 3 und 4 gewinnt man nur wenig Höhenmeter. Hier gilt es Tempo zu machen. Die steilen Abschnitte und vor allem der Schlussanstieg mit viel Geröll fordern dann Stehvermögen.
Nach 34:08 war ich oben und damit etwa eine Minuter langsamer als im letzen Jahr. Dort oben war dann so ein wunderbarer Bergabend mit sagenhaftem Licht und herrlichem Blick auf den Thüringer Wald.



Man versteht, warum Goethe hier einst Wanderers Nachtlied schrieb:

 Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

13. Mai 2012

SM, eher unspektakulär


SM ist beim Rennsteiglauf die Abkürzung für den Supermarathon, der auch den Landkreis Schmakalden / Meiningen (Autokennzeichen SM) berührt. Eine gewisse Vorliebe für SM müssen wohl Läufer haben, die sich auf die 72,7 km von Eisenach nach Schmiedefeld begeben. Nach krampfbedingten 9 h bei meinem ersten Versuch und einer 8:40h  und 8:35 h in den vergangen Jahren, hoffte ich dieses Jahr etwas schneller sein zu können. Die einzig sinnvolle Renntaktik für mich ist, locker loslaufen und schauen, dass man nicht oder nicht zu sehr einbricht.

Rennsteiglauf ist aber auch so etwas wie ein Klassentreffen. Man begegnet schon am Vorabend in Eisenach beim Pastaessen alten und neuen Lauffreunden. Kraxi hatte diesmal seine nette Lauffreundin Karin aus Österreich mitgebracht. Im Gespräch erfuhr ich, dass sie den flachen Marathon in 3:08 läuft. Ich rechnete kurz hoch und prognostierte ihr eine Zielzeit von etwa 6:30 h. Sie kam mit einer 6:21:31 h ins Ziel und war damit die Siegerin.

SM-Siegerin Karin Russ nach dem Lauf im Festzelt
Beim Start am nächsten Morgen traf ich Pfälzerwaldläufer Martin, dessen Blog zeigt, dass wir läuferisch und zeitmäßig auf einer Wellenlänge liegen. Wir hatten verabredet zusammen zu laufen.

 
Da fiel auch schon der Startschuss - und der Startbogen zusammen.


Es war das übliche dichte Feld auf den ersten Kilometern bis zum Rennsteig. Ich schwatzte mit Martin. Gelgentlich mußte ich ihn bitten, langsam zu sprechen oder Untertitel einzublenden. So ein Pfälzisch ist nicht ganz einfach für Thüringer Ohren. Martin hatte die letzten Wochen ziemlich schnell trainiert. Ich erzählte ihm etwas von der gerade modischen Schwarmintelligenz - auf den 25 km bis zum Inselsberg muß man nur im Schwarm mitschwimmen und wenn alle gehen, geht man auch. Auf dem Inselsberg waren wir nach 3 Stunden und damit später als bei meinen früheren Läufen. Doch wir hatten noch fast 50 km. Dafür liefen wir die folgenden Kilometer für meine Verhältnisse recht zügig. Im Gegensatz zu den früheren Jahren fühlte ich mich auch an der Ebertswiese bei km 37 noch ganz gut.


 Nachdem wir den Sperrhügel bei km 44 hochgewandert waren, war Martin kaum zu halten. Ich merkte, dass es ihm richtig gut geht. Als ich mich zum zweiten Mal in kurzer Folge in die Büsche schlug, lief er mir endlich davon und kam fast eine halbe Stunde vor mir ins Ziel. Der Abschnitt zwischen Sperrhügel und Grenzadler ist für mich immer öde. Doch es ging mir nicht richtig schlecht und ich lief einige Hügel hoch, die ich früher auch schon gegangen war.



Am Rondell bei Oberhof sind es nur noch 17 km, das beruhigt. Man ist bald da. Hier traf ich meine Frau und meinen Vater und wechselte das durchschwitzte Shirt.


Nachbarin Ingrid lief zu mir auf. Sie ist so ein Naturtalent, die mit drei mal in der Woche ein Stündchen laufen, den SM in der gleichen Zeit wie ich schafft - ach bin ich unbegabt. Wir harmonierten gut bis zum Ziel und irgendwie war es weniger zäh als früher - also etwas weniger jedenfalls. 

Auf den letzten 20 km war ich auch fast 10 min schneller als bei früheren Läufen. Die Uhr blieb für mich bei 8:31 h stehen. Ein bißchen mehr hätte ich mir wohl erhofft. Doch wahrscheinlich habe ich eine Quälblokade und die Vorliebe für SM beschränkt sich doch eher auf die Laufveranstaltung. Schön war dann wieder das Schwatzen mit den Läufern im Partyzelt und das Feiern mit der Siegerin - aber irgendwie waren wir alle Sieger.


Das laute Absingen von Rennsteig- und sonstigen Wanderliedern hatte dann auch schon wieder SM-Aspekte.


video

9. Mai 2012

Vorfreude, schönste Freude

So wird es uns am Sonnabend gehen:


Hhier gibt es den Text zum Selbersingen:

Rennsteiglied
Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land,
den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand.
Ich bin ein lustger Wandersmann, so völlig unbeschwert,
mein Lied erklingt durch Busch und Tann, das jeder gerne hört.

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen
Vöglein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen,
Thüringer Wald nur nach Dir.

Durch Buchen, Fichten, Tannen so schreit ich in den Tag,
begegne vielen Freunden, sie sind von meinem Schlag.
Ich jodle lustig in das Tal, das Echo bringt's zurück.
Den Rennsteig gibt's ja nur einmal und nur ein Wanderglück.

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen
Vöglein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen,
Thüringer Wald nur nach Dir. An silber klaren

Bächen sich manches Mühlrad dreht,
da rast ich wenn die Sonne so glutrot untergeht.
Ich bleib, so lang es mir gefällt und ruf es allen zu:
Am schönsten Plätzchen dieser Welt, da find ich meine Ruh.

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen
Vöglein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen,
Thüringer Wald nur nach Dir

Bei Kati gibt es auch das Rennsteiglauflied. Und wer noch mehr will, kann sich in Schnepfenthal, was ca. 30 km östlich von Eisenach liegt eine Ausstellung zum Thema anschauen oder in der  MDR-Mediathek etwas über die Geschichte des Laufes lernen.

Und nun noch das Original-Rennsteiglied - ach ist das schön

1. Mai 2012

Wandern statt streaken

Ich habe den ganzen April meinen Streak durchgehalten. Die letzten zwei Wochen war es einfacher. Der Körper hatte sich daran gewöhnt und vermisste nicht mehr lauffreie Regenerationstage. Allerdings macht es mir nicht richtig Spaß, in jeden Tag wenigstens 20 Minuten Laufzeit hineinzupressen. Ich genieße auch gern  lauffreie Tage.
Den ersten lauffreien Tag nach über 30 Lauftagen ging es heute 18 km zum Rennsteig wandern. Dabei passierten wir die Strecken von zwei Thüringer Langstreckenläufen.



Wer weiß, wo die beiden Fotos entstanden sind, darf mir ein Getränk ausgeben, das gern unter diesem Baum getrunken wird. Diese Sehenswürdigkeit habe ich beim Ultra immer übersehen - bedauerlich.




Schön war auch das Schild, das auf Einschränkungen des Speisenangebots in  Kurtis Baude hinwies.