6. April 2018

Zwischen zwei Ozeanen

Zu den Traumläufen auf dieser Welt gehört der Two Oceans Marathon in Kapstadt, der mit 56 Kilometern ein Ultra ist. Irgendwie war es Glück, dass  an einem trüben Novemberabend bei der Urlaubplanung die Anmeldeeröffnung kurz bevor stand. Zwei Tage nach der Eröffnung war der Lauf ausgebucht und die Flüge deutlich teurer. Auch das Park Inn im Stadteil Newlands war teurer als normal, hatte aber den Vorteil direkt am Start zu liegen, wenn auch die unmittelbare Umgebung touristisch weniger interessant ist.


Der Start um 6.30 Uhr war in der Dämmerung. Zuvor waren schon 14.000 Halbmarathonläufer auf die Strecke gegangen, die allerdings weniger spektakulär war als der lange Kanten. Gänsehaut lief über den Rücken, als 10.000 Läufer kurz vor dem Start die südafrikanische Nationalhymne sangen.


Die ersten Kilometer durch Vororte waren nur interessant durch das ungewohnte Stadtbild. Das Feld zog sich kaum auseinander und man konnte lange nicht frei laufen. Doch dann erschienen in der Ferne im kitschigen Morgenlicht die Muizenberge, auf die man viele Kilometer zulief. Ich traf Michaela, die ich in Marburg kennen gelernt hatte und wir liefen die nächsten Kilometer zusammen.


Bei Kilometer 16 erreichten wir den Indischen Ozean, was falsch ist. Die Bucht heißt False Bay, denn der südlichste Zipfel Afrikas ist nicht das Kap der guten Hoffnung, so dass auch dies eigentlich noch der Atlantische Ozean und somit der ganze Laufname ein Schwindel ist. Doch so genau wollen wir mal nicht sein, zumal der Wind uns teils kräftig von der Seite anbließ. Der falsche Indische Ozean ist recht rau und es gibt nur wenige Badebuchten. Als Binnenländer sind vier Kilometer am Meer aber an sich schon etwas Besonderes.


Nach Kilometer 22 bogen wir in ein langes Tal ab, um die Kaphalbinsel zu überqueren. Es wurde welliger und ab Kilometer 27 ging es stetig bergan, doch auch bald wieder bergab zum Atlantischen Ozean. Zuvor gab es an einer Verpflegungsstelle die einzige feste Nahrung - gekochte Kartoffeln. Mit Gels und Gummibärchen hatte ich zum Glück für Eigenverpflegung gesorgt.


Dann begann der Chepmans Peak Drive, eine spektakuläre in den Fels geschlagene Küstenstraße, die sich zuerst über viele Kilometer bergauf hinzog und die ich teilweise wanderte. Oben begrüßte uns eine witzige afrikanische Band.


Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter und die nächsten Kilometer bis zur Marathonmarke in Hout Bay wurden die schnellsten des Laufes. Der langsamste Abschnitt folgte aber auf den nächsten 5 Kilometern zum Pass Constantia Nek, um die Halbinsel wiederum zu überqueren. Hier war es windstill und die südliche Sonne schien vom fast wolkenlosen Himmel. Oben hatte ich irgendwie keinen Blick mehr für den herrlichen Wald.

Die letzten zehn Kilometer gingen natürlich nicht nur bergab, sondern fiese kleine Wellen bauten sich immer wieder auf und machten mürbe und zerstörten die zwischenzeitliche Hoffnung auf eine Zeit deutlich unter 6:30. Doch irgendwann war das Ziel erreicht und die 6:28 (Netto 6:24) entsprach genau der Vorhersage.


Spektakulär war der Zielschluss nach 7 Stunden. Jeder, der nur einen Meter davor war, wurde mit einem gnadenlosen DNF bestraft. Das macht wohl auch für viele mittelmäßige Läufer die Herausforderung aus.

Kommentare:

ultraistgut hat gesagt…

Tolle Geschichte, da hast du dir aber etwas ganz Besonderes gegönnt, sieht sehr gut aus - öfter mal was Neues ! Glückwunsch !

Volker X hat gesagt…

Moin Jörg,

dass ist wirklich mal ein besonderer Lauf, sowas hat man nicht alle Tage. Schönes Erlebnis. Aber auch verdammt weit weg.

Hängt denn wenigstens noch ein Urlaub dran?

VG Volker

lizzy hat gesagt…

Auf den Bericht habe ich gewartet :o) Danke dafür, für die Bilder ebenfalls und Herzlichen Glückwunsch zum Finish!

Dass der Name des Laufes eigentlich erschummelt ist, hättest du doch nicht verraten müssen ... tz ..