17. September 2015

Jungfraumarathon - einfach geil!

Es gibt Berichte und Bilder von Läufen, da sagt man nur: "Will ich auch". So ging es mir vor etlichen Jahren mit Erzählungen vom Jungfrau-Marathon. Läuferunfreundlich familiäre Geburtstage und andere Gründe verschoben das Vorhaben von einem Jahr auf das andere, bis es in diesem Jahr passen sollte.

Die bequeme Zugfahrt nach Interlaken läutete das Wochenende gut ein. Eine Pizza in Interlaken am Rande der Kinderläufe am Vorabend steigerten die Vorfreude, wenn auch die zu erklimmenden Berge etwas ängstlich stimmten.


Am Start traf ich Rennsteiglauf-Jürgen, der wiederum seine Frau im Gedränge verloren hatte. Erst im Ziel konnte er sie wohl wieder aufgegreifen. Wir liefen gemeinsam los, er wild hustend und ich gefühlsmäßig ziemlich langsam, was irgendwas mit 5:45 min/km war. Gebrechensbedingt konnte ich aber sowieso froh sein, heil in das Ziel zu kommen. Daher war das Tempo fast egal.

Nach einer zuschauerbesäumten Runde von drei Kilometern durch Interlaken, befand ich mich fast auf Platz 3.000. Im weiten Bogen führte die Strecke nun auf Straßen an Weiden und kleinen Dörfern vorbei durch das Tal. In den Dörfern feierten die Menschen die Läufer und die örtlichen Kapellen machten Musik - Marathonlaufen ist schön.


Nach 10 Kilometern folgte die Strecke nun Wanderwegen in einem schmaleren Tal. Teils war es noch kühl, weil die Sonnenstrahlen an den Bergen hängen blieben. Anstiege, die noch immer gut zu laufen waren, erwärmten jedoch die Läufer. Nur an wenigen Stellen  kam es an Engstellen am Ufer eines Wildbachs zum Stau. In Lauterbrunnen wurde nach 21 Kilometern in dem geweiteten Tal eine Ehrenrunde gedreht. Ich beschleunigte, wohl wissend dass es bald steil bergan geht. Jürgen, der immer schneller geworden war, hatte ich bei einem Fotostopp verloren.


Faktisch war der Lauf ab Kilomter 26 zu Ende. Ein schmaler Steig, die "Wand" führte nun steil bergan nach Wengen. Wandernd überholte ich viele Konkurrenten und lag in Wengen bei Kilometer 30 auf Platz 2092. Auch wenn es jetzt flacher wurde, ließen Steigungen von meist 10 % kaum noch das Laufen zu. Dafür konnte man immer wieder grandiose Aussichten in das Tal und auf die näher kommenden weißen Gipfel genießen. Die Forststraßen über die die Strecke führte verziehen die Genießerblicke.


Irgendwann begann ich zu rechnen. Die 5:30 Stunden, nach denen ich mich bei meinen Begleitern im Ziel angekündigt hatte, erschienen problemlos um einige Minuten unterbietbar. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne den Almpfad ab Kilometer 38 gemacht. Steil bergan bestimmte der Langsamste vorn das Tempo. Wenn der Pfad in den Grat der Moräne des abgetauten Eigergletschers übergeht, wird es auch nicht besser. Ich fügte mich meinem Schicksal und brauchte ca. 50 Minuten für drei Kilometer. Auf dem Kamm war das Shirt fast trocken und blieb es auch den letzten Kilometer bergab. Im Ziel am Kleinen Scheidegg war ich bei 5:38 Stunden auf Platz 1916 von 4300 Teilnehmern. Als Belohnung dafür  trank ich meinem Abholteam das Bier weg. 

Eine nette Überraschung war es im Ziel  von einer unbekannten Läuferin auf diesen Blog angesprochen zu werden. Danke an alle Leser.

Fazit: Ein landschaftlich besonders reizvoller Lauf mit 1.800 Höhenmeter , der nur auf wenigen Kilometern über Trails führt. Die perfekte Organistation mit Verpflegungsstellen im Kilometerabstand an den Steilstücken macht ihn zum optimalen Einstieg für Bergmarathonläufer.

Kommentare:

Das Pulsmesser hat gesagt…

Über 1000 Plätze gutgemacht, alle Achtung!

Lauf Markus hat gesagt…

Ja, diesen Lauf muss ich mir auch noch geben. Irgendwann einmal! :)

Frau Mohr hat gesagt…

Die Landschaft finde ich ja auch immer wieder grandios, zumindest auf den Fotos - was mich bei dem Jungfrau-Marathon immer ein wenig gruselt, sind diese Menschenmassen-Würmer, die sich da über die Wege schlängeln. Aber andererseits bin ich ja immer eher hinten, da knubbelt es sich vielleicht nicht so.
Nichtsdestotrotz - ein sehr faszinierender Lauf. Und wunderschöne Bilder auch hier!

lizzy hat gesagt…

Da gebe ich Frau Mohr recht: die Bilder sind toll. Glückwunsch zum Finish!

Selber bin ich heilfroh, dass ebenfalls jahrelang irgendwas dazwischenkam und die schweizer Preise meine Begeisterung kämpfen konnten. Als Jungfrau, auf deren Geburtstag der Lauf schon ein paarmal fiel, liebäugelte ich lange mit einem Geburtstagsevent dort. Hätte was, schon ... aber mit den Jahren nahm die Vernunft überhand und der Lauf verschwand von der todo-Liste. Guck ich mir eben immer die Fotos bei den anderen an ;o)