10. August 2014

Atemlos durch die Nacht

Irgendwann erklang dieses Lied an der Strecke der Rostocker Marathon-Nacht und ich fand es passend, auch wenn die Atemlosigkeit in dem mir ansonsten unbekannten Liedtext wohl andere Gründe hat. Dabei war ich gar nicht atemlos sondern einige Kilometer vor dem Ziel einfach nur platt.

Drei Tage vorher ergab es sich erst, dass die geänderten Urlaubspläne diesen Marathon, mit dem ich immer schon mal geliebäugelt hatte, möglich machten. Als ich Mittag in Rostock ankam, war schwüles Waschküchenwetter und beim Start um 18 Uhr zeigte das Thermometer noch 28 Grad. Die Strategie, langsam loszulaufen, zerschlug sich wieder mal schon auf den ersten Kilometern. Da traf Mario, der wie ich irgendwas knapp unter 4 h laufen wollte.
Gemeinsam liefen wir schon die zweite der beiden kurzen Innenstadtrunden. Eine clevere Idee, denn so treffen die Leute ihre Begleiter schnell wieder und bekommen lautstarke Unterstützung. Eine weiter Schleife führt am alten Stadthafen entlang, wo es heute vor allem netten Kneipen gibt. Nach 9 km ist man noch einmal in Startnähe, bevor es weit nach Norden hinaus geht.
Die Strecke führt nun durch parkähnliche Anlagen an der Warnow entlang, über der man auf das Stadtpanorama von Rostock schaut. Für ein Binnenländer ist das eine einfach spektakulär. Ab und zu entfernt sich die Strecke vom Wasser und führt abwechslungsreich durch Felder, kleine Dörfer und neue Eigenheimgebiete. Letztere sind zwar nur begrenzt schön, aber die Bewohner machten sich ein kleines Fest vor ihren Häusern und jubelten den 250 Marathonläufern und 50 Staffeln zu oder spendeten mit Gartenschläuchen Kühlung. Gelegentlich rief ich ihnen zu, wie gut sie es haben.

Nach 53 min waren wir bei km 10 und nach 1:53 beim Halbmarathon - einfach zu schnell für die immer noch hohen Temperaturen. Die Halbmarathonmarke erwartete ich mit gemischten Gefühlen. Hier sollten um 20 Uhr ca. 900 Halbmarathonläufer starten, von denen mich 500 bis ins Ziel überholen würden. Andererseits führte die Strecke ab hier durch den 800 m langen Warnowtunnel, von dem eine Röhre zu diesem Zweck gesperrt wurde. Hinter dem Tunnel ging es dann durch das nette Parkgelände der IGA 2003. Ich verzichtete darauf, mir die reiche Beschilderung von ausgestellten Ankern und sonstigen Sehenswürdigkeiten anzuschauen.
Irgendwo hier verlor ich meinen Begleiter und war doch nicht allein. Inzwischen begannen mich die Halbmarathonis zu überholen und vermittelten mir das Gefühl, ich würde schleichen. Der Rückweg an der Warnow entlang verzichtete auf einige Schleifen in das Landesinnere. Mein Interesse an der Schönheit der Strecke ließ ab km 30 aber deutlich nach und ich musste mich schon überwinden, keine Gehpausen zwischen den reichlichen Verpflegungsstellen einzulegen.

Schon die Geräusche des Zieles im Ohr ging es noch einmal 1,5 nun gar nicht mehr schöne Kilometer durch die Innenstadt. Dafür ist war es im Ziel nach 3:57 h um so schöner.

Fazit: Es ist ein wirklich schöner und empfehlenswerter Lauf mit perfekter Organisation. Nur Wasser, Iso, Bananen und Äpfel als inzige Verpflegung waren mir allerdings etwas zu spartanisch.
Vielleicht hätte ich etwas Geist walten lassen sollen und die erste Hälfte in über 2 h laufen sollen. Mit der gesparten Kraft hätte man das Halbmarathonfeld bei den kühleren Temperaturen dann einfach von hinten aufgerollt. Aber das wäre ja zu simpel gewesen.

Doch Urlaub ist mehr als Marathon, wenn der beim Besuch bei Margitta auch Thema war. Es ist immer etwas besonderes, Lauffreunde persönlich im häuslichen Umfeld zu treffen.
Auch Warnemünde ist immer wieder schön, wenn es auch während der Hanse Sail spektakulär und zugleich voll ist.


Kommentare:

weinbergschnecke hat gesagt…

Ein schöner Bericht, Jörg! Bei so schwülen Bedingungen Marathon zu laufen, ist bestimmt keine reine Freude. Der Urlaub an der schönen Ostsee entschädigt dann sicher für die Anstrengung.

VG,
Anne

Markus hat gesagt…

Ich glaube wenn ich das Lied beim Marathon gehört hätte wäre es ne neue Bestzeit geworden - so schnell hätte ich die Flucht ergriffen ;)

ultraistgut hat gesagt…

Tja, hier oben ist es eben schön
in jeder Beziehung
noch schöner
dass du hier warst
der Eindruck von dir hat sich voll bestätigt
natürlich sehr positiv
lass' es dir gut gehen !

lizzy hat gesagt…

Nachtmarathon und auch dein Bericht klingt gut. Trotzdem - und obwohl ich bei Rostock sogar Verwandtschaft habe - wird wohl ein anderer Lauf den Meck-Pom-Länderpunkt einheimsen müssen. Sommerhitze und Marathon ... nee, lieber nicht mehr mit mir - bin gegen dich ... und die meisten anderen vermutlich .. ein Weichei ;-)