19. Juni 2011

Die Rennsteigstaffel als Abschied

Sie waren gute Freunde.Über zwei Jahre haben sie mir gute Dienste getan, mich drei mal über den langen Rennsteig getragen und auch in Biel mich 100 km begleitet. Dabei ist der Brooks Cascadia kein Schuh, den man auf dem ersten Blick als Lieblingsschuh erkennt. Es ist ein richtiger Trailschuh. Die Sohle hat grobe Stollen, die ihn auf feuchten Asphalt wegen der  geringen Auflage rutschen lassen. Die Sohle ist auch steif - damit ist er auf Wurzel- und Geröllwegen stabil, aber wenig dynamisch bei schnellen Läufen. Aber er ist relativ flach und fest aufgebaut und hat nur eine geringe Sprengung. Auch nach 1400 km ist die Sohle kaum verformt, nur das Futter ist durchgescheuert. Was für Gegensatz zu den New Balance, die ich einst liebte. Die letzten New Balance haben keine 600 km mehr gehalten, dann waren die Sohlen platt gelatscht - Schande über New Balance, nie wieder.


Der neue Cascadia steht schon daheim, doch sein Vorgänger hat sich einen würdigen Abschiedswettkampf verdient. Der Rennsteigstaffellauf sollte dieses Ereignis sein.
Wie die vergangenen Jahre ging ich mit den Freunden vom Forumteam des Rennsteiglaufvereins an den Start. Man kennt die einzelnen Laufleistungen inzwischen, Petra hat alles wieder genial vorbereitet und so erfolgten die Wechsel fast auf die Minute zu den vorgesehenen Zeitpunkten.
Diesmal durfte ich die 9. Etappe laufen - von der Grenzwiese (Kleiner Inselsberg) bis zur Hohen Sonne, also km 6 bis 26 des Supermarathons in umgekehrter Richtung. Etwas unsicher war ich, denn die ganze Woche hatte mich ein Husten gequält. Da aber keine weiteren Erkältungszeichen hinzukamen, stand der Start nicht in Frage. Auf das Warmlaufen verzichtete ich, denn der erste Kilometer hatte 150 Höhenmeter Anstieg auf den Inselsberg. Die üblich Spannung kurz vor dem Wechsel, wann kommen sie? Dann schoß unsere Radbegleiterin Angela heran. Sie hatte die größte sportliche Leistung vollbracht. Nachdem sie die erste Etappe selbst gelaufen war, hat sie uns auf dem Rest der 170 km auf dem Mountainbike begleitet.

 
Dann ging alles schnell. Petra kam kurz nach Angela, Chip scannen, übergeben und ab ging es. Am Berg hatte ich bereits die erste Frau eingeholt, doch als ich schon gehen mußte, überholte mich ein Mann, der den steilen Berg deutlich weiter hoch lief. Endlich oben auf dem Inselsberg, hatte ich für den erste Kilometer  8:37 min gebraucht.
Nun versuchte ich den Laufrhythmus zu finden, was mir angesichts der ausgewaschenen Schotterwege schwer fiel. Auch wenn es ordentlich bergab ging, konnte ich es einfach nicht rollen lassen. Zwei weitere Staffeln schoßen an mir vorbei - die sind irgendwie mutiger als ich, stellte ich mit leichter Frustration fest. Dazu war der Husten wieder da, der Schuh ging auf und zuviel Wasser hatte ich wohl auch vor dem Start getrunken und immer wieder kamen knackige Zwischenanstiege, von denen einige nur gehend zu bewältigen waren.
Endlich tauchte ein Läufer vor mir auf. Das Shirt wies seine Staffel als laufende Zahnärzte aus. "Ihr wißt wenigsten genau, wie es ist, auf dem Zahnfleisch zu sein" - man war ich lustig. An der Verpflegungsstelle  bei Kilometer 9 überlief ich zwei weitere Teams und hatte mich an die junge Frau heran gekämpft, die ich schon lange in der Ferne sah. Nicht nur aus läuferischen Gründen fiel es mir schwer, gerade sie zu überholen. Das Überholen lohnte sich jedoch, nun fand ich meinen Rhythmus, der Husten war fast weg und ich flog im Tempo von 4:00 - 4:30 min/km auf den nun guten Waldwegen dem Wechsel entgegen. Dabei sammelte ich noch mehr als 10 Läufer ein, darunter auch die beiden, die mich kurz nach dem Inselsberg überholt hatten. Dann ging es am Wechsel wieder ganz schnell und schon hatte Sabine den Chip übernommen und trug ihn nach Hörschel ins Ziel, wo wir gemeinsam mit ihr die letzen Kilometer liefen und uns dann anschließend gut hydrierten.
Der Rennsteigstaffellauf war wie immer ein tolles Erlebnis. Nach dem Rennsteiglauf ist er das größte Laufereignis in Thüringen mit 223 Staffeln zu 10 Läufern.
Ein bißchen grübele ich über das Verhältnis meiner Laufzeit zu meine HM-Zeit. Einen flachen HM bin ich mit 4:30 min/km gelaufen. Auf dieser Strecke von 20 km, die kumuliert 270 Hm Gefälle hatte, lief ich im Schnitt 5 min/km.

Kommentare:

marathonwoman hat gesagt…

Hallo Jörg,
ich hoffe du hast den Schuh standesgemäß begraben und nicht einfach in die Tonne getreten ;-)
LG Kerstin

Frank Biermann hat gesagt…

600km für einen Laufschuh ist wirklich eine Schande. Da laufe ich selbst mit minimalistischen extrem leichten Wettkampfschuhen mehr km. Daraus lernt man....
Rennsteigstaffel wäre auch mal etwas für mich

Petra hat gesagt…

Hallo lieber Jörg,

vielen dank für deinen schönen Bericht! Bei mir war es voriges Jahr umgekehrt. Da bin ich die 2. Etappe gelaufen und da stand später auf der Urkunde ein Kilometer mehr als auf der Ausschreibung. Entsprechend schnell war meine Zeit - eigentlich zu schnell für mich... Ich glaube, Entfernungsangaben auf dem Rennsteig sind wohl Glückssache!;)
Viele Grüße
Petra

Anett hat gesagt…

Der Lauf klingt nach viel Spaß. Schade, dass ich soweit weg wohne, denn da wäre ich gern dabei gewesen.

Tja, von Lauf-Schuhen trenne ich mich auch sehr ungern. Aber du hast ihnen ja noch einen würdigen Abschied bereitet ;-).

laeuferherzen hat gesagt…

hallo Jörg, danke für Deinen Besuch, bei Dir ist's aber auch nett. Ganz andere Ecke, da war ich noch nirgends (außer Rennsteig 2009) Grüße, Kati

Katrin hat gesagt…

Hallo Jörg,
ja bei der Rennsteigstaffel wäre ich auch gern mal dabei. Mal sehen ob sich das fürs nächste Jahr planen lässt.
Ich habe leider immer noch nicht den einzig waren Laufschuh für mich gefunden ( Bekomme immer blaue Zehen ).
LG Katrin