11. Juni 2011

"Du bist doch verrückt..."

.. so oder ähnlich war der Kommentar meiner Frau als ich mich um 21 Uhr in Laufsachen verabschiedete. Ziel war der Sonnenuntergangs- Sonnnenaufgangslauf im benachbarten Apfelstädt. Auf einer 1,77 km langen Strecke sollte es 10 Stunden im Kreis oder besser im langestreckten Rechteck gehen. Letztes Jahr hatte ich diesen Lauf in meiner Vorbereitung für Biel schon mitgemacht und als ganz besonderes Erlebnis empfunden, auch wenn ich nur einen kurzen Teil der Zeit gelaufen bin. Auch dieses Jahr war nur ein Traningslauf von etwa 50 km geplant.



So eine Nacht zu laufen ist schon etwas Besonderes. Der bedeckte Himmel und ein gelegentlicher Ansatz von Nieselregen ließen allerdings kaum die Sommernachtstimmung aufkommen. Nur am Anfang hatte man dieses tolle Abendlicht, das uns letztes Jahr lange begleitete. Gegen halb 12 war es richtig dunkel, nach Mitternacht wurde es kalt und ein Bekleidungswechsel sinnvoll. Die Züge an der nahen Bahnstrecke wurden weniger und waren immer spektakulär. Dafür hörte man die Autobahn nun deutlicher, die man am Anfang des Laufes kaum bemerkte. Schon kurz nach 3 kommt das erste Morgenlicht und halb vier konnte man auch unter den Bäumen schon fast auf die Stirnlampe verzichten. Nun wurden auch die Vögel wach.


Hatte ich im letzten Jahr fast die ganze Zeit Läufer zum quatschen gehabt, sollte es dieses Jahr nicht so sein. Irgendwie waren die alle zu schnell. Seltsamerweise fielen die Kilometer 15-25 mir relativ schwer. Die Zeit schien kaum zu vergehen und ich zählte immer nur die Runden. Nach der Hälfte der geplanten 50 km ging es dann besser und als das Morgenlicht kam, überlegte ich weiter zu laufen. Doch wenn man dem Kopf 50 km gesagt hat, will er dann auch nicht weiter. Also holte ich mir meine Medaille ab und fuhr nach Hause ins warme Bett. Vorher beobachtet ich noch, wie die Helfer vom veranstaltenden Schützenverein einer erschöpften Läuferin versuchten mit einem Kräuterschnaps wieder Kraft einzuflößen. Ob es half, weiß ich nicht.

Kommentare:

ultraistgut hat gesagt…

Was heißt denn hier verrückt ? Ich liebe es verrückt zu sein, und wenn ich mir deine Fotos und die Stimmung so betrachte, erst recht !.

Nachtläufe sind genial, keiner kann es lieben, wenn er es nicht selbst erlebt hat.

Martin hat gesagt…

Das sind eben die Kommentare die wir uns anhören müssen ;-)
So ein Nachtlauf muss wirklich klasse sein. Mal sehen was nächstes jahr bringt. Und ...wenn ich daran denke beim Lauf einen Schnaps zu trinken, na ich weiß nicht.

Sören Schramm hat gesagt…

Für mich war es ein schöne Erfahrung. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und soviele nette Läufer getroffen zu haben.
Auch ich hatte recht zeitig ein Tief, aber nach Tiefs kommen immer wieder Hochs....

Frank Biermann hat gesagt…

Kann ich verstehen das du nach den 50km aufgehört hast wenn man sich diese Zahl vorher ins Hirn meißelt! :-) Ich hingegen wollte unbedingt durchhalten und habe es dann auch relativ gut ertragen! Der geniale Sonnenaufgang hat mir beim Durchhalten geholfen

Martinwalkt hat gesagt…

verrückt ist realtiv. Und der Kopf macht realativ gesehen halt auch die Hälfte beim Ultra aus. Passt schon. Am Wochenende habe ich das schöne Thürigen und den Rennsteig dann auch in der Nacht gequert. Leider mit viel Regen. Aber sonst sei es sehr schön sagte der Wanderleiter :-)