6. März 2011

Ein Halbmarathon im Schacht

Letztendlich ist Martin dran Schuld. Sein Blog enthält nicht nur schöne Bilder aus dem mir völlig unbekannten Pfälzerwald. Vor einiger Zeit hat er auch über bergige Wettkämpfe berichtet, die er im Vorfeld des Rennsteig-SM laufen will. Spätestens da kam die Lust bei mir auf, nach vier Monaten bewußter Abstinenz von Laufveranstaltungen wieder mal organisiert zu laufen.
Der Untertage-Halbmarathon in Sondershausen entsprach genau meinen Vorstellungen - nicht zu kurz, viele Berge und nicht zu kalte Temperaturen. Vor fast 5 Jahren bin ich hier schon mal beim Kristalllauf 10 km gelaufen und habe sogar einen Bericht geschrieben. Ich hatte also eine Vorstellung, was mich erwartete. Die Einfahrt im engen Förderkorb in das Bergwerk war wieder spannend, ging aber ohne Wartezeiten, da bei der diesjährigen Erstauflage des Halbmarathons sich nur 160 der möglichen 400 Läufer angemeldet hatten.
Die Hallen untertage sind beeindruckend - hier gibt es einen Konzertsaal, Kegelbahn und Restaurant.

Wie damals spielte die Bergmannskapelle am Start. "Glückauf der Steiger kommt " hatte hier eine doppelte Bedeutung, denn unmittelbar hinter dem Start fing die Steigung von 10 % an, die sich dann auch mal bis zu 18 % verstärkte. (Das Höhenprofil hat der Veranstalter zwar im Flyer aber nicht im Internet veröffentlicht). Nach 1,4 km hat man 120 Höhenmeter überwunden und die wärmste Stelle  der Strecke erreicht - und ich meine richtig warm. Dann ging es in stickiger Hitze 2 km nahezu eben und anschließend, 1,8 km wieder bergab. Am Ende jeder Runde wurde man mit frischer Luft am Förderkorb belohnt.
Die erste Runde lief ich gemütlich mit Lauffreund Heiko. Dabei bewunderten wir auch eine Art Autofriedhof. Am Rande der Laufstrecke standen dutzende alte Transporter, die einst hier Dienst taten. Als die Grube stillgelegt wurde, hat sie niemand für den Transport nach oben auseinander genommen. So sammelt sich auf ihnen eine dicke Schicht Salzstaub. Leider hatte ich den Fotoapparat nicht mit beim Lauf dabei.

Die zweite Runde lief ich dann schneller, ich wollte einen zügigen Trainingslauf machen, aber keinen vollen Wettkampf. Wichtig war für mich, alle Berge zu laufen. Dabei überholte ich regelmäßig viele gehende Läufer. Nach 37 min in der ersten Runde brauchte ich dann jede Runde 30 min. Trinken an den beiden Verpflegungsstellen war Pflicht, da die Wärme und 30 % Luftfeuchte den Körper auszehrten.
Dass man an den Verpflegungsstellen nett bedient wurde, muß unbedingt auch erwähnt werden. Die Zeit im Ziel von 2:07 fand ich dann doch etwas enttäuschend. Platz 60 von 138 Männern stellte die Zeit jedoch in das rechte Verhältnis. Mit 1:45 wäre man Zehnter geworden. Nach kurzer Verschnaufpause griff ich meinen zwischenzeitlich fallengelassenen Plan wieder auf und joggte noch eine weitere Runde. Dabei lernte ich Brigitta und Linda kennen, die in Ruhe ihre letzte Runde absolvierten. Als gute Tat transportierte ich noch einige Salzklumpen für ihre Kinder bis ins Ziel. Es hat sich gelohnt.

Kommentare:

Frank hat gesagt…

Hi Jörg,

ist schon nett unter Tage laufen, mal was anderes machen.
Aber so ganz normal ist es aber auch nicht ;-) Da lauf ich lieber Runden in der Halle...;-)))

Beste Grüße
Frank

ultraistgut hat gesagt…

Interessant, die Bilder und deinen Bericht zu lesen, für mich wäre das auch nichts, ich brauche frische Luft und Freiraum, ich hätte wahrscheinlich Platzangst, ganz abgesehen von dem fehlenden Sauerstoff,aber gut, wenn man es einmal erlebt hat - wie du.

Martin hat gesagt…

Na wenn ich für sowas mal Schuld bin, dann bin ich es gerne. Also mich würde es ungehauer reizen mal dort zu laufen-nur eben die Entfernung ;-(
Tolel Sache, wirklich. Und wegen der zeit brauchst du dir doch nun wirklich nicht den Kopf zu zerbrechen.

Holger hat gesagt…

Hallo Jörg,
du hast also die "heiße Variante" im Bergwerk gewählt. Sondershausen ist schon eine Nummer heftiger als Merkes. Unter den Umständen dort ist die Zeit doch mehr als okay und als Training ...
Ich gebe zu, dass mir das Laufen untertage zunehmend Spaß macht - warm und trocken - wo gibt es das schon im Moment hier? ;-)
Viele Grüße aus Suhl!

marathonwoman hat gesagt…

Jaja, das liebe Training für den Rennsteig ... dank fränkischer Schweiz habe ich wohl genügend Berge :-) Hochlaufen und Kilometerfressen ist die oberste Devise. Dein Bericht über Sondershausen klingt gut. Hab schon viel drüber gehört. Bekannte waren auch dort. Wollte auch mit aber Trainingslager (Rad/Laufen) auf Mallorca hat dann doch besser geklungen ;-)

Brigitta Fader hat gesagt…

Hallo Jörg

Nochmals vielen Dank für Deine Begleitung auf der letzten Runde. Auch für den Transport der Steine !!!! Liebe Grüße aus dem Harz Brigitta

Jörg hat gesagt…

@ all: ich kann es als Laufevent nur empfehlen. Es ist schon was Besonderes.
@Brigitta: Schön, dass du den Weg in den Blog gefunden hast. War nett mit euch zu laufen.

Linda hat gesagt…

Das war wirklich ein toller Lauf,auch wenn wir es ruhig haben angehen lassen,da wäre sicher mehr drin gewesen, ABER dann wären wir ja nicht dem sympatischen Steine Träger Jörg über den Weg gelaufen;)

Jule hat gesagt…

Super Bilder, Papa. Freu mich schon auf den Rennsteiglauf, vor allem die Party danach ;-)