21. Februar 2010

Nachts in Freiberg

Irgendwann im Oktober schlug Christian einen Lauf bei sich in Freiberg vor. Klang nett. Allerdings sollte es ein 6-h-Lauf am 20. Februar mit Start um 22 Uhr sein. Es fällt mir im Nachhinein schwer, rationale Gründe zu finden, warum ich sofort zusagte. Ein Argument könnte sein, dass sich ebenso spontan viele liebe Lauffreunde aus ganz Deutschland undÖsterreich angemeldet hatten, mit denen ich schon manchen Kilometer zusammen gelaufen bin. Vielleicht zählt auch noch, dass ich mich darauf freute, wieder einmal eine deutsche Provinzstadt zu beschnuppern, in die ich sonst kaum komme. Zum Glück wurde die Startzeit noch verschoben - auf 20 Uhr.

Der Winter verhinderte weitgehend ernsthafte Läufe in den Wochen davor. Dafür surfte ich rum, was es in der alten Bergstadt Freiberg zu sehen gäb. Bei einem der wenigen Läufe am Donnerstag vor dem Wochenende versuchte ich auf dem überfrierenden Bürgersteig einen Seitfallzieher, dessen Ergebnis mich zweifeln ließ, ob ich mit der Prellung überhaupt laufen könnte. Versuchen wollte ich es zumindest, schließlich hatte ich auch schon ein Zimmer im Gästehaus Heidi gebucht, wo sich in akzeptabeler Weise der Charme der frühen 90er mit moderaten Preisen verbündete.

Sonnabend Nachmittag besuchte ich mit Tati die beeindruckende Mineralsammlung Terra Mineralia im Schloss Freundenstein - die Stiftung einer Schweizer Sammlerin. Die Führung erwies sich als wissenschaftlich fundiert und recht ermüdend für mich Ahnungslosen. Dafür hatten manche Mineralien beeindruckende Formen.



Nach leckeren Nudeln bei Chris gab es zur Überbrückung der Zeit noch Atemübungen, Kanonsingen und einen Vortrag, wie man durch veganische vegane (Danke Hase) Ernährung nie mehr krank wird und dabei die Welt rettet.


Um 20 Uhr versammelten sich die 20 Verrückten vor dem Gemeindehaus. Chris hatte Studenten aus seiner Gemeinde irgendwie so beschwatzt, dass die Verpflegungsstelle wirklich 6 Stunden besetzt blieb. Neben dem himmlischen Dank verdienen die Helfer auch noch meinen ganz persönlichen. Ich hätte nicht mir ihnen tauschen mögen.


Die Strecke war nach Chris Worten  besser als in den vergangen Wochen. Das bedeutete, dass die Straße an wenigen Stellen nicht überfroren war und der meist schneebedeckte Bürgersteig kaum besser zu belaufen war. Also schlurften wir eher vorsichtig los.
Doch es war einer der schönen Läufe, wo man nach einiger Zeit fast mit allen Läufern eine Weile geschwatzt hatte. Tati mußte diesemal die Hauptlast meiner verbalen Kommunikation aushalten und hatte nach drei Stunden so die Nase voll, dass sie aufhörte. Trotz meiner Prellungen lief es sich recht gut und es war kein Problem länger als nur die befürchtete eine Stunde zu laufen. Aus Angst vor Fehlbelastungen durch Schonhaltung hatte ich mir jedoch drei Stunden als Maximum gesetzt. Es wurde dann 30 km wofür ich 3:30 h brauchte.
Angeblich wird ja ein Ultra im Kopf gelaufen. Etwas mehr Training im Vorfeld wäre aber auch nicht schlecht gewesen, denn 6 h wären nur mit Gehpausen möglich gewesen und dazu hätte ich bei Minusgraden um Mitternacht auch wenig Lust gehabt. Aber es gab ja einen Grund aufzuhören. Den meisten anderen ging es ähnlich und so füllte sich langsam der Aufenthaltsraum. Um so mehr bewunderten wir die vier Läufer (naja eigentlich drei und ein Walker), die wirklich bis 2 Uhr unterwegs waren.


Martin lernt bei allen Gelegenheiten Leute kennen - selbst bei Wanderungen durch das nächtlich Freiberg. Dabei hat er Tobias getroffen, der Mitglied in der Gemeinde von Chris ist und sein Geld mit Steinrestaurierungen verdient.


Am Sonntag bekamen wir so von Tobias eine fundierte Führung durch Freiberg. Damit wurde das schöne Wochenende noch richtig abgerundet.

Noch mehr Bilder gibt es hier und im Bericht von Martin.

Kommentare:

Tati hat gesagt…

Hallo Jörg,
sehr feiner Bericht und aussagekräftige Bilder ;-))). Ich widerspreche mal der Behauptung ich hätte deine Kommunikation nicht noch länger ertragen ;-))). Hätte ich schon, nur mein unrunder Laufstil auf den überfrorenen Wegstrecken machte mir zu schaffen. Heute merke ich diese Fehlbelastung in der Hüfte doch recht deutlich. Ein großer blauer Fleck am Schienenbein erinnert mich an eine Rutscheinlage mit "Selbstverstümmelung ohne böse Landung" :-/
Ich wünsche dir gute Erholung und viele gute Läufe. Wir sehen uns am Rennsteig.
Herzliche Grüße
Tati

Anonym hat gesagt…

Salute,schöner Bericht und schöner Lauf.Hat Spaß gemacht.Meine Knochen sind alle o.k. Gruß Saarotti

Hase hat gesagt…

Hey, das klingt ja nach einem richtig netten Wochenende - tolle Sache! :o)

Noch ein kleiner Klugschei**er am Rande, ich hoffe, das ist ok: es heisst vegan, nicht veganisch ;-))

LG, Hase

Frollein Holle hat gesagt…

Huuh, das sind aber spannende Mineralien ;) (Sorry...Frühling...da drehen die Hormone ein bißchen am Rad)

Toller Bericht, danke! Und sehe ich da Walter Viermärker auf einem der Fotos?

Grüsse vom Greenhorn