27. Oktober 2006

LCC-Herbstmarathon in Wien

Gudrun bestellte Knoblauchcremesuppe. Gudrun ist Ärztin und muss es ja wissen. Gudrun läuft auch, aber nicht dieses mal. Dafür lief Wolfgang mit mir, der hier elcorredor heißt, und von Gudrun irgendwann mal geheiratet wurde. Sie musste es ja wissen. Deshalb hatte ich auch eine Knoblauchsuppe bei dem netten Italiener im Schatten des Wiener Stephansdoms bestellt. Knoblauchcremesuppe steht noch nicht auf der Dopingliste, wurde mir von allen versichert. Wir malten uns dennoch die Wirkung aus, vor allem die auf die Mitläufer am kommenden Tag beim LCC-Herbstmarathon im Prater. Laut Ausschreibung ist der Lauf für ambitionierte Freizeitsportler – ich hatte mich dennoch angemeldet. Auch wenn es Herbstmarathon heißt, wollte ich nur den auch angebotenen Halbmarathon laufen. Zu mehr hatte ich seit dem Potsdamer Platz am 24. September in Berlin keine Lust mehr.
Wolfgang hatte ich nur fragen brauchen, ob er auch läuft. Seine Bedenkzeit war wohl eher ein Alibi, jedenfalls hatte er schnell zugesagt und sich als Pacemaker angeboten. Schließlich wollte ich meine PB unterbieten. Da ich allerdings erst einen HM ernsthaft gelaufen bin und es damals auf dem Rennsteig mein erster längerer Wettkampf war, stand die PB bei 2:03. Ziemlich ahnungslos, wie schnell ich laufen kann, nahm ich mir eine 1:50 vor. Nach den 4:12 beim Berlin-Marathon und einer 2:27 bei den 27 km über die Jenaer Kernberge, erschien mir das Ziel realistisch. Mit Wolfgang vereinbarte ich 5 min / km zu laufen, so weit ich das Tempo halte.

Der Start im Ernst-Happel-Stadion, wo 2008 die Fußball EM sein wird, war beeindruckend. Im Bogen liefen wir auf die Prater Hauptallee. In der Nacht hatte es gestürmt und der Wind, der noch immer teils heftig wehte, hatte die Bäume halb vom Laub entleert. Es regnete zum Glück nicht mehr und der Prater schimmerte im schönsten Herbstbunt. Wolfgang war ein guter Pacemaker. Seine Elektronik zeigt uns jederzeit die Geschwindigkeit und half, nicht zu schnell zu werden. Wir pendelten uns bei 4:50 min/km ein. Das war zwar ein bißchen schnell, aber meine Lauffreude ließ kein langsameres Tempo zu. Wolfgang war auch ein guter Reiseführer und berichtete im Wurstelbrater, wie der weissrussische Diktator im Schweizer Haus ausgbuht wurde, am Riesenrades, dass es jüngst renoviert wurde und beim Unterlaufen eine Brücke, dass darüber die am stärksten befahrene Autobahn Wiens führt.

 So kamen wir nach kaum spürbaren 49 min wieder ins Stadion – die ersten 10 km waren geschafft. Auf der Hauptallee zurück war der Wind stärker geworden und bließ uns mächtig ins Gesicht. 
Zum Glück gab es nach ca. 3 km beim Riesenrad die Wendestelle. Ich merkte, dass ich schneller wurde.Wolfgang blieb einen halben Schritt hinter mir, um mich zu bremsen. Da hörte ich seltsame Worte: „Wir lassen uns jetzt vom Rückenwind treiben und sterben dann auf den letzten 2 km im Gegenwind“. Hatte ich das gesagt? Ich ließ es locker laufen und wartete auf den Einbruch. Doch auch als das Feld nach km 18 wieder gegen die Wind lief, stand kein Mann mit einem Hammer im Prater sondern nur freundliche Zuschauer. Im Ziel blieb die Uhr für mich bei 1:42:46 stehen. Die Zeit war 2 Stunden vorher für mich noch unvorstellbar. Nun werde ich wohl vor allen Wettkämpfen zur Knoblauchcremesuppe greifen, bevor sie auf den Index verbotener Substanzen kommt. Dank an Gudrun für den Tipp und Wolfgang für die unterhaltsamen Schrittmacherdienste.

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