29. Mai 2018

Krampfhafter Supermarathon

Eigentlich hätte alles perfekt werden können. Mit 800 Kilomtern und allerhand langen Läufen war ich ganz gut vorbereitet, keinesfalls schlechter als in den Vorjahren. Die Vorhersage mit 20° im Schmiedefelder Ziel entsprach meinen Vorstellungen und ich war erstaunlich unaufgeregt.


Das Prozedere in Eisenach ist bekannt, wenn ich auch nicht viel Zeit vor dem Start hatte. Die Sonne beleuchtet die Turmuhr, der Hubschrauber kreist, man hat allerhand Lauffreunde begrüßt und sich mit ihnen abgelichtet.


Dann  geht es entspannt los und man saugt noch die Stimmung  ein, bevor es bergan aus Eisenach hinaus geht. Irgendwann hat mein einen Blick auf die Wartburg im Morgenlicht.



Über ein Shirt vom Two Oceans Marathon fand ich eine Begleiterin  und gefühlt recht schnell war der Inselsberg erreicht.

Zwischen Kreuz und Ebertswiese setzte das Desaster ein. Ich weiß nicht, ob zuerst der Mann mit dem Hammer da war oder die einsetzenden Krämpfe. Jedenfalls war erst einmal eine Gehpause nach der Verpflegungsstelle Ebertswiese angesagt. Nach der Nahrungsaufnahme war zwar der Hammermann weitgehend verschwunden, aber jeder Versuch mehr als bergab leicht zu joggen, wurde sofort mit wachsenden Krämpfen bestraft. Psychologisch war es ein ganz schönes Problem, sich nun noch 35 km durchschlagen zu müssen und stets überholt zu werden.

Hinter dem Sperrhügel traf ich Jens, der umzugsbedingt nur wenig trainiert hatte und ans Aufgeben in Oberhof dachte. Einmal hatte ich dort aufgehört und mich dann so darüber geärgert, dass dies keine Option  für mich war. Also ging es im stoischen Selbstbeobachtungsmodus halb wandernd halb joggend weiter.

 Am Beerberg erschein eine Zeit von 9:45 Stunden realistisch. Allerdings weigerte sich der Körper auf den letzten 5 km auch nur krampffrei zu joggen. Wenigstens in der Zielgasse konnte ich wieder laufen und freute mich über die selbst mir zujubelnden Zuschauer, über die meinen Namen nennende Sprecherin und vor allem darüber, nach 9:59 Stunden endlich da zu sein.

Es muß ja nicht immer einfach sein. Bei der Party konnte ich wieder auf die Bänke steigen - es war also nicht so schlimm.


Kommentare:

ultraistgut hat gesagt…

Ach ja, dich als erfahrener Rennsteig-Läufer hat es trotzdem erwischt, kaum zu glauben ! Wie kommt denn das ? Vielleicht war es doch zu warm, aber man kann ja vorbeugen - oder ? Wie auch immer, du bist angekommen, und nur das zählt, Glückwunsch.

War einmal Rennsteig laufen - kurz nach der Wende !

Kannst stolz darauf sein, andere wären ausgestiegen - aber wir doch nicht !!

Musst nicht antworten, machst du sonst ja auch nicht !!

Die Damen stehen dir gut !

lizzy hat gesagt…

Deine unaufgeregten, nüchternen Worte und Beschreibungen, die weitgehende Auslassung der heftigsten Passgen lassen das Leiden, das in den Stunden gesteckt haben wird, fast - aber nur fast - unsichtbar werden. Das Licht unter‘m Scheffel scheint doch noch durch ... du HELD! Glückwunsch und erhol dich mal gründlich!

Volker X hat gesagt…

Also ich wäre froh die Strecke ohne Krämpfe in der Zeit zu schaffen!

Glückwunsch zum Finish unter diesen erschwerten Bedingungen!

VGV

Manfred hat gesagt…

Lieber Jörg,
das war ja nochmal eine Spur härter als bei mir!
Da tust du mir noch im Nachhinein leid!

Als alter Rennsteig-Haudegen wird dich das aber sicher nicht von weiteren Rennsteig-Erlebnissen abhalten!

Erhol dich gut und
LG Manfred

Jörg hat gesagt…

Danke für die netten Worte. Ich habe wohl einfach meine durchaus vorhandene Krampfanälligkeit verdrängt und war zu leichtsinnig.

Die Verzweiflung hielt sich jedoch in Grenzen - ich fand es eher frustrierend nur noch langsam vorwärts zu kommen.

Jule hat gesagt…

Papa - wie immer mein Held :-)