19. November 2014

Marathon über zwei Kontinente

Istanbul ist eine faszinierende Stadt. Wie an wenigen Stellen der Welt stoßen zwei Kontinente und zwei Kulturen aufeinander. Da ist das quirlige Leben rund um den Taksim-Platz, das sich nur wenig von westlichen Großstädten unterscheidet und andererseits der orientalische Trubel im ägyptischen Basar. Um für einige Tage dem Thüringer Novembernebel zu entfliehen und die Laufsaison gediegen ausklingen lassen bot sich die Reise mit einigen Freunden zum Istanbul-Marathon an. Von Leipzig kann man schnell und preiswert dort hin fliegen. Auf dem Flughafen, stieß ich auch noch auf Martin, den ich irgendwie auch schon eine Weile kannte.

Der Marathon startet kurz hinter der großen Bosporusbrücke auf der asiatischen Seite, so dass es wohl der einzige Marathon über zwei Kontinente ist. Nach vielen Selbstmorden in den ersten Jahren nach dem Bau kann man nur noch beim Istanbul-Marathon die Brücke zu Fuß überqueren und so waren nicht nur etwa 4.000 Marathonläufer sondern auch über 100.000 Läufer auf kürzeren Strecken am Start, die allermeisten beim Funlauf über 8 Kilometer.


Mit der Türkei verbindet der Mitteleuropäer Wärme und Sonnenschein. Allerdings erwartete uns am Marathonwochenende Nebel und Nieselregen bei Temperaturen um die 13 Grad, was zumindestens läuferisch optimal war. Ein Hauch von Erkältung in der Vorwoche hatte jedoch keinerlei Gedanken an schnelle Zeiten aufkommen lassen.

Blaue Moschee
 Am Ziel in der Altstadt und jetzigem Touristenviertel Sultanahmet gibt es ausreichend Hotels aller Preisklassen. Da von hier auch am Morgen die Shuttlebussen abfahren, war es der optimale Ausgangspunkt für uns. Die Busse bringen die Läufer über die Bosporusbrücke, wo man im ziemlichen Trubel etwa eine Stunde auf der zügigen Brückenauffahrt auf den Start wartet. Wer die türkische Nationalhymne vor dem Start laut mitsingt, wird als Einheimischer erkannt. Geschätzt waren es nur die Hälfte der Starter zum Marathon.

 
 Schon nach wenigen Metern ist man auf der großen Brücke, die mit einer Längen von 1560 Meter die Kontinente verbindet. Wer schnell laufen will, sollte sich weit vorn aufstellen, da fotografierende Läufer im Hauptfeld und Spaziergänger für viele Stockungen sorgen. Mitläuferin Heike verlor ich dann auch gleich beim Fotografieren. Durch die Stopps auf der Brücke braucht es etliche Kilometer bis sich die Läufer entsprechend ihres Tempos sortiert haben. Man passiert in dieser Zeit allerhand Sehenswürdigkeiten, wie den Dolmabahçe-Palast. Allerdings wirkte dieser beid er Boostrour am Vortag von der Wasserseite des Bosporus beeindruckender als von der Straßenseite. Hier traf ich Martin und da er in Richtung vier Stunden laufen wollte, blieben wir zusammen.
Galata-Brücke
Die Galatabrücke überquert man nach 10 km und hat von dort einen schönen Panoramablick auf die Stadt. Dann geht es 7 km am Goldenen Horn entlang. Während man auf einer Seite das Wasser der Bucht sieht, werden auf der Landseite die Häuser deutlich ärmlicher als in den Touristengebieten. Vorsicht ist vor Kindern geboten, die mitten auf der Laufstrecke stehen, um die Läufer abzuklatschen. Irgendwann sahen wir auf der Pendelstrecke Heike einige hundert Meter vor uns.

Am Ende der Pendelstrecke wird die erste der beiden Steigungen des Marathons über eine Halbinsel genommen, bevor man bei km 20 die vielspurige Straße zum Flughafen erreicht. Diese Ausfallstraße ist deutlich schöner, als man es vermuten würde, führt sie doch am Ufer des Marmarameeres entlang. Hinter den Bäumen der Parkanlagen, sieht man auf dem Meer allerlei Schiffe, die auf ihre Passage durch den Bosporus warten. Abwechslung bieten auch die anderen Läufer, die auf diesen 20 Kilometern Pendelstrecke entgegen kommen. Allerdings übersteigt irgendwann die Freude über die das nahende Ziel ankündigende Kilometerschilder die Begeisterung über Meer und Schiffe.

Heike überholten wir bei km 25 und Martin ließ mich bei km 28 ziehen. Nur Banane und Wasser auf der Strecke hatte jedoch meine Kohlenhydratespeicher geleert und da die 4 Stunden sowieso außer Reichweite waren, wollte ich nur noch in das Ziel kommen.

Bei Kilometer 40 war dann Heike wieder zu mir aufgelaufen und wir erlebten zusammen die fantastischen letzten beiden Kilometer, die bergan zum Ziel führen. Nach der Durchquerung des wunderschönen mit Platanen bewachsenen Parks des Topkapi-Palastes, dem ehemaligen Sitz der Sultane, stehen auf dem letzten Kilometer die Zuschauer in dichten Reihe Spalier und puschen die Läufer den Berg hoch. Oben angekommen, passiert man noch die riesige Hagia Sophia, das wohl bedeutendste touristische Highlight der Stadt. Wenige Meter weiter am Fuß der nicht weniger berühmten Blauen Moschee hatten wird das Ziel erreicht und einen der schönsten Marathons Europas und vielleicht auch Asiens absolviert.
Eine Zeit von 4:16 h für einen Marathon ist zwar eher grottig, aber als touristischen Saisonabschluss war es mir ziemlich auch egal. Auf jeden Fall ist der Istanbul-Marathon unbedingt eine Reise wert.

1 Kommentar:

Lauf Markus hat gesagt…

Istanbul ist eine der Städte die mich sehr reizt. Ob dann gleich mit einem Marathon oder einfach auch nur so zum Anschauen ist mir dann eigentlich erstmal egal, wobei sich das ganze läuferisch zu erkundigen dann natürlich schon gleich anbietet :)