14. Oktober 2012

Marathon mit Auslaufen in 6 Stunden

Ich mag ja eher die kleinen familiären Läufe. Als Chris zu einem 6-Stundenlauf nach Freiberg einlud, war es daher vor allem eine organisatorische Frage, ob ich mitmachen würde. Dabei war dieser Lauf deutlich weniger verrückt als beim letzten Mal. Im Februar 2010 waren wir von 20 - 2 Uhr bei Glatteis durch Freiberg gerannt. Diesmal sollte es gemütlich durch den Albertpark gehen, der mit Springbrunnen, kleinen Teichen, Denkmälern, Pavillons und schönen alten Bäumen in der Herbstsonne lag. Auf dem Steg zwischen zwei Teichen spielten lustig zwei Ratten, wenn nicht gerade Spaziergänger die Enten fütterten.

Da ich 6-Stundenläufe bisher immer als Aufbauläufe für Ultras absolviert hatte, war hier noch Platz für eine Bestleistung (Bestzeit wäre ja Quatsch bei einem 6-Stundenlauf). Viele Möglichkeiten ohne intensives Training Bestleistungen zu erzielen, habe ich ansonsten nicht mehr.

Als ich bei der Ankunft die vielen bekannten Gesichter sah, überlegte ich mir allerdings, ob es nicht besser wäre, gemütlich plaudernd mit Freunden die Runden zu drehen. Es stellte sich jedoch heraus, dass Tati in erleichtertem Zustand auch Schnelleres vor hatte und so schloss ich mich ihr an. Zuvor hatte ich mich noch mit meiner überaus netten Rundenzählerin Stephanie bekannt gemacht, deren Lächeln bei jedem Durchlauf motivierend wirken sollte.

Der Forerunner zeigte auf den ersten Runden ein Tempo von 5:20 min/km an. Da die Strecke mit Laufrad vermessen, aber genau einen Kilometer statt der 930 m auf dem Forerunner war, lag die Geschwindigkeit noch höher. Tati erklärte mir, dass es ihre Wohlfühlgeschwindigkeit sei. Ich wäre wohl allein langsamer gelaufen, aber es fiel mir auch nicht schwer, zumal wie schön quatschten. Die Zeit verging wie im Fluge, die 30 km hatten wir bei 2:40h absolviert und dabei schon mal die Idee ernsthaft diskutiert und schließlich verworfen, Tatis Marathonbestzeit von 3:38 h anzugreifen. Ziel war nun ihre Zweitbestzeit, die wir mit 3:46 h um 2 min unterboten. Dabei stellte ich mir schon die Frage, wie denn die verbleibenden zwei Stunden aussehen werden.


Nach der Marathonrunde machten wir einen Boxenstopp, tranken, aßen und wechselten Shirts bzw. Schuhe. Wer schon mal versucht hat, sich nach einem zügigen Marathon auszulaufen, weiß, wie sich das erneute Anlaufen anfühlte und dieses Gefühl hielt länger an. Kurz darauf ließ ich Tati ziehen, die immer noch ein ziemliches Tempo vorlegte. Zwar beschwerte sich kurz mein männliches Ego, wurde aber sofort vom dominanten Ratio in die Schranken gewiesen. Tati sollte es auch nicht lange halten und hatte schließlich am Ende ein halbe Runde Vorsprung. (Ihr Bericht mit vielen Bilder ist hier.)

Man beachte die Flugphase beim Ultra!
Ich war ziemlich platt und hatte auch Motivationsprobleme mich übermäßig zu quälen, da die angestrebten 60 km problemlos zu erreichen waren. Also absolvierte ich meine Runden, ging längere Abschnitte nach jeder dritten und dann jeder zweiten Runde an der Verpflegungsstelle und einmal sogar eine ganze Runde. Irgendwann wußte ich gar nicht mehr, was ich von der reichlichen Verpflegungsstelle, die Christians Gemeinde aufgebaut hatte, noch essen soll - vielen Dank allen freundlichen Helfern. Ihr ward Klasse!


Nach 5:48 hatte ich die 60 km absolviert, ich griff zwei Becher Bier und entschloss mich, die Abschiedsrunde zu gehen. Denny, der mich mehrfach überholt hatte, befragte ich noch, in welcher Runde er sich befände. Zum Glück war er eine hinter mir, so dass mir ein Enspurt erspart blieb. Er hat 60,5 km mit der absurden Taktik erreicht, jeden Kilometer ziemlich genau in 6 min zu laufen.
Um 18 Uhr hatte Chris eine Polizeisirene bestellt, die den Lauf beendet. Tati und ich waren Sieger, da wir beide nach Runde 61 aufgehört hatten, wobei sie ja eigentlich vor mir da war.
Eine nette Party im Gemeindehaus mit viel Essen und vor allem Tatis Eierschecke ohne Boden rundete den Tag ab - es war einfach toll.

(Das Video ist von Benjamin, falls jemand die Strecke nachempfinden möchte,: die Bilder sind von Raffi - Danke)

Kommentare:

bb hat gesagt…

Hi Jörg,

Es war eine Freude mit dir zu laufen, auch wenn ich dich immer nur kurz von hinten gesehen habe (-;

Der konstante Sechser war Denny (Canumarama), deine Zählerin Stephanie.

Viele Grüße
Benjamin

Tati hat gesagt…

Jörg es war mir ein Vergnügen mit dir zu laufen. Ohne deine motivierenden Worte wäre der Marathon nicht so schnell geworden. Ich hatte ab km 38 schon das Bedürfnis etwas langsamer zu laufen. Doch dein abzählen der Runden war einfach gut.
Übrigens fehlte auch mir später die Motivation mehr als die angestrebten 60 Runden zu laufen. Da ich zum Schluß mit den beiden Marathondebütanten gelaufen bin, habe ich mit ihnen die 195 m noch voll gemacht und bin dann ganz in Ruhe die Runde zu Ende gegangen.

Erhol dich gut. Liebe Grüße
Tati

Jörg hat gesagt…

Danke, da habe ich doch gleich mal die Namen richtig gestellt.

Holger hat gesagt…

Wo nimmst du nur immer die feinen, kleinen Veranstaltungen her, noch dazu in meiner sächsischen Heimat? Glückwunsch zum Kilometerfressen! Hast du noch was Größeres vor in diesem Jahr?
Grüße vom Holger

Anonym hat gesagt…

danke fürs video. da seh ich mal wieder meine völlig verkorkste oberkörper- und armarbeit. jetzt weiß ich, was ich zu tun hab... stephie

dankvolker hat gesagt…

Glückwunsch zu dieser tollen Leistung. Das Wetter war Euch ja auch gewogen :-)

Man man, wie kann man nur so lange so schnell laufen ;-)

Gruß Volker

lizzy hat gesagt…

Zu so einem schönen Lauf gratulieren zu dürfen, macht Spaß:

Herzlichen Glückwunsch, Jörg!