19. Januar 2009

Teammarathon Berlin - der letzte!

Mitte Dezember
Steffi fragt an, ob wir nicht ein Team beim Teammarathon bilden wollen. Ich sage spontan, ab, da ich seit dem Röntgenlauf nur wenig gelaufen bin. Außerdem muss man im Januar keinen Marathon laufen. Später relativiere ich die Absage etwas.

Ende Dezember
Ich bin in der Weihnachtswoche 67 km gelaufen, einmal sogar 24 km am Stück – das muss als Marathontraining gehen. Ich sage Steffi zu.

Anfang Januar
Ich frage im Forum, wer in zwei Wochen mit uns einen Marathon in 4:15 bis 4:30 h läuft. Steffi beschimpft mich, wegen dem peinlichen Zeitziel. Seltsamerweise meldet sich niemand. Ich rufe meinen Freund Kai an, er sagt spontan zu – es gibt doch noch Helden.

Fr, 9. Januar
Ich bin wieder eine Woche nicht gelaufen, versuche es nachzuholen durch 24 km im Schneegestöber - werde naß und etwas kalt.

Sa,10. Januar
Es krabbelt in der Nase wie bei einem aufkommenden Schnupfen. Ich ignoriere es und nehme die Langlaufski. Fahre 25 km Ski und frage mich, ob man mit Skitraining einen Marathon bestreiten kann.

So, 11. Januar
Nachdem am Vorabend die Nase ununterbrochen lief, bleibe ich zu Hause und trinke heiße Zitrone – es geht mir schon wieder besser. Kai jammert am Telefon über seine Gebrechen.

Mi, 14 Januar
Die Nase läuft kaum noch, ich entscheide mich endgültig zu laufen. Auch Kai hat aufgehört zu jammern.

Fr. 16. Januar
Ich trinke wieder heiße Zitrone und nehme sicherheitshalber Grippostad, denn die Nase läuft wieder etwas stärker und der Hals kratzt leicht. Eigentlich sollte man so nicht laufen, aber ich will es versuchen.



Sa, 17 Januar 9:00 Uhr
Wir stehen am Start, nachdem Steffi vor 5 Minuten doch noch angekommen ist. Ich habe eine weitere Grippostad genommen – sicherheitshalber (bloß nicht zum Nachahmen). Wir können den Sprecher zwar nicht verstehen, freuen uns auf den Lauf und wir Kerle sind unsicher, ob wir es durchhalten. Da es Runden von 5 km Länge sind, kann man notfalls aufhören. Steffi ist frei von Zweifeln.

1. Runde
Die Wege sind sauglatt und kaum gestreut, teilweise ist es blankes Eis. Bei jedem Schritt rutscht der Schuh ein paar Zentimeter – ob das gut geht?

2. Runde
Man kann die Stecke betrachten. Es geht an der Spree entlang, auf der Eisschollen treiben. Gegenüber ist ein imposantes altes Fabrikgebäude. Am hinteren Ende der Runde sieht man die verrosteten Reste des DDR-Freizeitparks mit einem Riesenrad. Dann geht es durch den Wald zurück.

3. Runde
Wir werden das erste mal überrundet. Einer der überholenden Läufer macht eine Flugfigur und landet auf dem Hintern. Ein Eisbrecher macht die Fahrrinne um die Ausflugsdampfer frei.

4. Runde
Die Strecke an der Spree ist schön, vor allem wo jetzt die Sonne rauskommt. Allerdings vermeldet die hintere Beinmuskulatur, dass ich auf dem Eis anders laufe als normal. Ich zweifele an mir und schwächele etwas.


5. Runde
Es geht mir wieder gut. Ich laufe an der Spitze unserer Gruppe. Kai ermahnt mich, nicht das Tempo zu erhöhen. Er schwächelt etwas. Steffi mault, wir würden zu ungleichmäßig laufen.

6. Runde
Es ist herrliches Winterwetter, das viele Spaziergänger mit Kindern und Hunden in den Plänterwald treibt. Sie spazieren auf dem gestreuten Pfad. Wie laufen teilweise Slalom auf den Eisflächen.

7. Runde
Noch 12 km – jetzt weiß ich, dass wir ankommen. Steffi schwächelt etwas. Sie lässt viel Platz zu Kai und mir. Wir laufen langsamer, sie kommt nicht ran, dann ist sie wieder da. Wir freuen uns über die Anfeuerung durch die Streckenposten und die Zuschauer -Danke.

8. Runde
Kai will zum Endspurt anziehen – wir bremsen ihn. Die Sonne verschwindet wieder und mir wird kalt. Ich zähle die Kilometer und warte auf die Verpflegung bei km 40.

Letzte Runde (2,195 km)
Jetzt sind die Beine wieder locker. Viele Teams tauchen auf die Zielgeraden vor uns auf, die wir allerdings nicht mehr überholen können. Wir sind bei 4:25:46 im Ziel – genau meine Zeitvorstellung für einen Trainingslauf im Winter ohne Vorbereitung.

18.00 Uhr
Wir sitzen bei der Siegerehrung. Die ersten 31 der gestarteten 52 Teams bekommen einen Preis. Die Hälfte der Teams sind schneller als 4:00 h gelaufen. Wir werden 36. und bekommen keinen Preis – nicht mal ein Duschbad. Ich bin etwas enttäuscht und weiß, dass es Unsinn ist.

18.45 Uhr
Vom Band läuft „Time to say good bye“. Mir tritt eine Träne ins Auge. Die Siegerehrung und der 31. Team-Marathon ist vorbei. Es wird hier keinen Marathon für Teams mehr geben. Die Gründe bleiben im Nebel. Es gibt wohl keinen Nachfolger für den bisherigen Organisator und der SCC, der formal Veranstalter war, will ihn als Verein nicht weiter betreiben. Es ist schade, wenn solch eine handgemachte Traditionsveranstaltung stirbt. Aber aus Leipzig gibt es einen Hoffnungsschimmer für eine Nachfolge.

Nachsatz: Den viel lustigeren Bericht hat Steffi im Runnersworldforum geschrieben - klick.

1 Kommentar:

Petra hat gesagt…

Hallo Jörg,
herzlichen Glückwunsch zu eurem erfolgreichen Finish! Du hast ja die Zeit quasi aus dem "Nichts" heraus gelaufen, jedenfalls ohne großes Training. Warum soll eigentlich 4:15 -4:30 peinlich sein? Und dann noch unter diesen Bedingungen?
Es ist wirklich schade, daß dieser Lauf das letzte Mal stattfand. Ich war nur einmal dabei - und es war klasse.
Ich habe mich sehr gefreut, daß ich Dich in Berlin getroffen habe. Jetzt erhole Dich gut und man (frau)sieht sich!
Viele Grüße
Petra