10. Februar 2008

Laufen bildet

Heute war mal wieder ein Entdeckungslauf geplant – also ein Lauf, wo es mehr darum geht, Wege und Landschaften anzuschauen. Auf dem Rückweg vom Mittagessen bei Mama ließ ich mich in Crawinkel aussetzen. Crawinkel ist ein Dorf am Fuß des Thüringer Waldes, das in Insiderkreisen bekannt ist durch unterirdische Stollenanlagen im nahegelegenen Jonastal, wo in der Endzeit des dritten Reiches tausende KZ-Häftlinge eine oder die Wunderwaffe bauen sollten. (Wen so war interessiert, der sollte mal nach Jonastal googeln –die Seriosität der Links dürfte aber nicht immer gesichert sein). Das Jonastal ließ ich jedoch links liegen und folgte einem befestigten Landwirtschaftsweg in Richtung des winzigen Flugplatzes von Crawinkel, der eigentlich nur eine Wiese ist. „Der Platz bietet den direkten Thermik- und Leewellen-Einstieg zum Gebirge durch optimale Lage am Thüringer Wald. Bei Wellenfluglage (Wind aus SW) steht die Haupt-Welle des Thüringer Mittelgebirges in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes Crawinkel,“ schreibt Wikipedia und das alles erfreut die Segel- und Gleitschirmflieger. Von der Flugwiese führte der Weg weiter nach Gossel, einem Dorf mit 523 Einwohner. Wie Crawinkel wurde Gossel um 1100 gegründet, als das Bevölkerungswachstum dieser Zeit zur (zweiten) großen Rodungswelle des Mittelalters führte und die Siedlungen sich ins Gebirge hineinschoben. Gossel, in das nur eine Zufahrtstraße führt, war schnell durchquert und natürlich wurde der Tagesgruß mit jedem Gosselaner (oder Gosseler?), den man auf der Straße traf, gewechselt.

Hinter Gossel geht das Mittelalter weiter. Drei Steinkreuze weisen vermutlich auf dem Platz eines mittelalterlichen Verbrechens hin. Der Tatort dürfte lohnend gewesen sein, führten doch die Handelswege über den Thüringer Wald nach Franken nicht durch das ausgewaschene und vermutlich unwegsame Jonastal sondern über die Muschelkalkhochfläche, das sogenannte Gosseler Plateau, was wiederum zur Ohrdrufer Platte gehört. Eigentlich wollte ich nun über die Ebanotte laufen. Der althochdeutsche Name für Hohe Ebene hat sich bis heute als Flurnamen erhalten. Ich verpasste aber den Abzweig und lief dann auf Wildwechseln durch Büsche zum nächsten richtigen Weg, der oberhalb des Tieftals entlang führte. Die Bezeichnung Tieftal ist durchaus bezeichnend, denn das Tal hat sich fast 150 m tief in den Muschelkalk eingeschnitten. Nach 10 km erreichte ich dann mein bekanntes Laufrevier und nach weiteren 9 Kilometern war ich daheim.

Leider gibt es keine Bilder von mir aber zu empfehlen ist die Sammlung auf der Seite von Gossel. Hier kann man meinen Weg auf der Karte anschauen.

Warum ich das schreibe? Weil ich mir das jetzt alles angelesen habe und nicht vergessen will. Tut mir leid, wenn das wirklich jemand gelesen hat.

Kommentare:

Kathrin hat gesagt…

Ach so, es tut Dir also leid... na ja, also ich habs gelesen, mit Interesse sogar, denn ich bin früher mit meinem Vater, wenn wir nach Suhl fuhren, ab und zu über Krawinkel/Ohrdruf gefahren, ich fand es dort immer sehr spannend. War da nicht irgendwie ein Steinbruch? Ich möcht dort auch mal laufen!

Anett hat gesagt…

Im Gegensatz zu Kathrin kenne ich diese Ecke leider gar nicht.

Aber es ist schon erstaunlich, wie man durch Laufen seine unmittelbare Umgebung kennenlernt, so wie man es sonst nicht erlebt hätte.
Das haben Kathrin und ich erst wieder bei unserem Lauf diese Woche festgestellt.