25. September 2007

Weidatalmarathon oder 32 km kurz vor Wladiwostok

Thüringen ist ja nicht sooo riesig. Wenn man aber in der Nähe von Erfurt wohnt, scheint Zeulenroda irgendwo bei Wladiwostok und Eisenhüttenstadt zu liegen. In Zeulenroda oder genauer in Weißendorf fand der 4. Weidatalmarathon statt. Es gab verschiedene gute Gründe dort zu laufen. Der erste heißt Jens, der ist dort Mitorganisator und hat beim Thüringenultra Katrin und mich auf unseren je 50 km auf dem Rad begleitet. Der zweite heißt Weida – der Fluß gab dem Marathontal den Namen. In der gleichnamigen Stadt am Fluss gibt es jährlich einen Kuchenmarkt – das ließ Bestes erwarten. Im übrigen sollte es mein letzter Langer vor Berlin sein. Ob ein 32 km – Wettkampf mit 600 HM allerdings wirklich eine gute Vorbereitung ist, dürft trainingsmethodisch - sagen wir mal - grenzwertig sein.

Das Wetter am Morgen war toll, die Sonne schien und die 4° beim Aufstehen sollten sich auf über 20° erhöhen. Die Fahrt bis kurz vor Wladiwostok war in 80 min geschafft. Etwas irritierend am Start waren die vielen Menschen am Stock. Ach so, es gab außer den Läufen über 11, 21, 32 und 42 km auch die gleichen Strecken für Nordic Walker. Bleiben wir tolerant.

Ich traf Fräse und Semifax, mit dem ich mich verabredet hatte, den ersten Teil gemeinsam zu laufen. Die Läufer durften zuerst los und bald hatte sich das Feld auseinandergezogen, so dass man frei laufen konnte. Semifax hatte eine 5:50 pro km vorgegeben und ich musste mich etwas bremsen, denn nach einigen Tempoeinheiten der letzten Zeit wollten meine Beine schneller. Die anfänglichen Felder überwanden wir plaudernd mit anderen Läufern, und konnten dabei die Pferde in den Koppeln beobachten, die in Anbetracht der bunten Schar zu Laufen begannen.

Irgendwann ging es am Hang entlang auf romantischen Trampelpfaden auf und ab, bevor es steil ins Weidatal zur Talsperre hinab ging. Später sollten wir lernen, dass jedes mal, wenn wir nahe am Wasser waren, es bald steil bergan ging. Überhaupt hatte Fräse vorher nicht zuviel versprochen, als er von einem heftigen Profil sprach. Führt im Mittelgebirge ein Lauf meist in Waldtälern gleichmäßig bergan, gehen die Wege im Vorland einfach gerade den Berg hinauf, was dann auch 20 % Steigung bedeuten kann. So taucht plötzlich eine Sprungschanze vor uns auf (gibt es hier Schnee?) Wenn die Strecke auch nicht geradewegs dem Aufsprunghang hinauf führte, so milderte der Bogen nur wenig das Gefälle. An einigen steilen Stücke ging ich und war ebenso schnell wie die laufenden Begleiter.
In großen Bögen liefen wir an Tiergehegen vorbei. Leider konnte ich nicht so schnell lesen, was die Tiere gern und nicht so gern fressen.
Im ständigen Auf und Ab kam ich dann nach 2:01 h nach Weißendorf zurück. Die Halbmarathonis hatten es geschafft und wir mussten nun auf die 11 km Strecke, die eine verkürzte 21er war. Semifax zog los und war bald entschwunden. Sein Trainer hatte ihn 5:20 pro km verordnet. Ich merkte dass meine Beine schon etwas schwer waren und beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ich mich zwei Wochen vor Berlin ja nicht voll verausgaben wollte.
In der ersten Runde kaum bemerkte Hügel waren deutlich gewachsen – die Gegend scheint tektonisch recht aktiv zu sein. Die Sonne fing auf den Feldern an zu brennen.
Als das Laufen schwerer wurde, fiel mir ein, dass ich die Gelchips testen wollte. Wichtigste Erkenntnis ist, dass sie beim Laufen mehr nach Weizenbier schmecken als auf der Wohnzimmercouch. Ob sie geholfen haben, weiß ich nicht. Sie waren aber weder eklig noch unverträglich. Den zweiten Chip schenkte ich einen Mitläufer, der deutlich angeschlagen war, als ich ihn bei km 25 überholte. Leider sah ich ihn hinterher nicht mehr, so dass mir die Zweitmeinung zu den Chips fehlt. Ich hoffe er landete nicht mit Magenkrämpfen im Stausee.
Vom Tiergehege merkte ich mir diesmal, dass Holunder von manchen Tieren nicht gemocht wird – allerdings weiß ich nicht mehr ob vom Esel, Pony oder von Ziegen. Vielleicht kommt einer der Leser ja dort mal vorbei und kann für mich nachschauen.
Etwas lästig waren in diesem Streckenabschnitt die Leute am Stock, die nun fast 20 km hinter sich hatten. Auf Zuruf räumten sie zwar bereitwillig die Bahn, doch manche schien schon leichte Koordinierungsprobleme dabei zu haben.
Kurz vor dem Ziel überholte ich noch eine Frau und dann rief mir jemand zu: „Platz 7“. Das fand ich überraschend, denn ich kämpfe sonst immer darum, unter die erste Hälfte zu kommen und es waren 38 Läufer für diese Distanz vorgemeldet. Auf dem Einlaufzettel von Sportident standen 3:06 h, Platz 8 gesamt und Platz 3 in der AK. Allerdings gab es keine Siegerehrung für Altersklassen über 32 km – wenn ich schon mal auf das Treppchen käme.
Semifax wartete im Ziel auf mich. Leider fand ich ihn später nicht mehr, nachdem ich mich erst mal hinsetzen musste. Dann wäre ich wirklich noch fast zum Walker-Hasser geworden – als ich ins Massagezelt wollte, lagen lauter Walkerinnen drin!!
Fazit: eine schöne Veranstaltung mit einer anspruchsvollen Strecke. – Prädikat empfehlenswert.
P.S. Das Kuchenbüfett sah toll aus mit vielen kleinen Stücken auf jedem Teller – aber ich hatte einfach keinen Appetit mehr darauf.
(Bilder von der Website des Veranstalters)

Im Forum Laufen-Aktuell ist der Bericht hier

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