29. April 2006

Hermannslauf


... Das ist der Teutoburger Wald,
den Tacitus beschrieben,
das ist der klassische Morast,
wo Varus steckengeblieben.
Hier schlug ihn der Cheruskerfürst,
der Hermann, der edle Recke;
die deutsche Nationalität,
die siegte in diesem Drecke. ...«

Heinrich Heine



Irgendwie ist alles Zufall. Der eigentliche Anlass für ein Wochenende in Bielefeld hatte sich schon lange erledigt. Der Nebengrund reichte aber auch für die Reise. Der Nebengrund hieß Hermannslauf, ist 31,1 km lang und hat den Ruf als einer der schönsten Landschaftsläufe.

Da standen wir nun frierend zu Fuße des monumentalen Hermanns, der in meinem DDR-Geschichtsbuch immer Arminius hieß. Das Wetter vom Vortage und die Wettervorhersage ließen einen ähnlichen Morast befürchten, wie jener, der die Germanen vor fast 2000 Jahre in die Knie zwang. Dass es trocken bleiben sollte, konnten wir nicht wissen.

Die Krieger oder Soldaten der modernen Zeit heißen Läufer. Sie tragen Uniformen aus engen bunten Hosen und oft auch Kappen. Stämme oder Legionen nennen sich Startblöcke. In Startblock A stehen die leichten Kämpfer - in Startblock C, wo ich mich als Neuling einreihte, vor allem die mittelschweren. Ihr größeres Gewicht befähigt viele, Flaschen mit Wundertrank mitzuschleppen. Lautes Zählen riss mich aus solchen Gedanken – es ging los.

Die Strecke führt 3 km bergab – ich ließ es locker laufen und hatte einen Schnitt von knapp 5 min/km. Die Kilometerschilder waren eine schöne Hilfe, wenn auch die Grillwerbung auf ihnen etwas demoralisierend wirkte. Die erste Steigung war kein Problem und nach einigen Waldpassagen folgte die Panzerstraße. Wernher hatte in seiner ausgezeichneten Streckenbeschreibung Zuschauer versprochen und die jubelten uns wirklich zu, obwohl erst gut 8 km und noch kein ernsthafter Berg hinter uns waren.

Die 10 km passierte ich bei 52 min und die Moraststellen, die die Römer den Garaus machten, hielten sie in Grenzen. Gespannt wartete ich auf den Tönsberg, der der steilste Anstieg nach 14,7 km sein sollte. Wernher hatte etwas von 20 % Steigung auf 700 m geschrieben – was es bedeutet war mir nicht ganz klar. Dann sah man den steil ansteigenden Weg, die meisten mittelschweren Kämpfer gingen. Meine Bergetappen in der Vorbereitung hatten sich gelohnt, ich lief recht locker hoch. Dann folgte das landschaftlich schönste Stück des Weges auf dem Kamm entlang durch Mischwald nach Oerlinghausen. Rechts und links gab es immer wieder schöne Ausblicke ins Land. Gedenksteine und Erklärungstafeln wollten mich zum Lesen verlocken.

Im kleinen Ort Oerlinghausen, den wir auf der Hauptstraße durchquerten, herrschte Volksfeststimmung und wie bei der Tour der France verengten die Zuschauermassen die Straße auf engsten Raum – irre. Nach 1:50 war ich bei 20 km und erst jetzt hatte sich das Feld soweit sortiert, dass nicht ständig überholt wurde.

Gefürchtet waren in allen Berichten die Lämershagener Treppen. Nach einigen Stufen konnte man sie jedoch auf einem Pfad umgehen. Ich hatte meine Kräfte wohl recht ordentlich eingeteilt und kam gut oben an – auch die Treppen einige Kilometer weiter meisterte ich ohne Problem. Nach einem Funkturm und einem schmiedeeisernen Aussichtsturm (Eiserner Anton) ging es die letzten Kilometer mit einigen schönen Aussichten und Sonnenschein sanft bergab. Dort auf der Sparenburg begrüßten jubelnde Zuschauer die Läufer, die nun “ihren Hermann hatten", wie der Sprecher immer wieder verkündete.

Im Ziel war ich bei 2.52 h, fühlte mich gut und hatte den Lauf genossen - auch wegen der schönen Landschaft und den begeisterten Zuschauern.

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