15. Oktober 2005

Kernberglauf Jena

Es ist vielleicht der schönste Landschaftslauf, den ich kenne. Joschka hat ihn zu seinen Läuferzeiten auch gemacht und ihn in seinem Buch für härter als einen Marathon befunden.

„300 Meter Steilhang – nicht überholen“, so rief der der ältere Herr mir und den anderen Läufern zu. Nein, wir waren nicht irgendwo in den Alpen sondern im Thüringer Vorland. Bei Jena schneidet sich die Saale tief in den Muschelkalk ein. Erklimmt man diese Muschelkalkhänge, erreicht man ein Plateau, das sich ganz passend Horizontale nennt.

Doch erst mal fuhr ich am Morgen in das Saaletal hinein und sah vor lauter Nebel einfach nichts, obwohl die ganze Anfahrt im strahlenden Sonnenschein erfolgte und auf einen Lauf bei bestem Wetter hoffen ließ. Der Sprecher beruhigte, dass der Nebel sich hier immer um 11.00 Uhr zum Start lichtet und so geschah es dann auch. Schon nach drei Kilometern und nur wenigen Höhenmetern sahen die Läufer die Sonne. Ich lief locker drauf los und wollte vor allem einen schönen Landschaftslauf als Saisonabschluss genießen – wenn auch die 2:30 für die 27 km durch meinen Kopf spukten. Beim Brockenlauf hatte ich für die gleiche Streckenlänge und 890 Höhenmeter 2:33 gebraucht – in Jena sind es summiert nur etwa 500 Höhenmeter.
Nach 5 km war die erste Verpflegungsstelle und die Hälfte der Höhenmeter geschafft. Mit 29 Minuten lag ich gut in der Zeit – es sollte ja nur ein lockerer Lauf werden. Nach der Verpflegungsstelle war die Laufstrecke für mehrere Kilometer nur ein schmaler Pfad. Man lief in einem Schnitt von 6 min. Eigentlich wäre ich gern etwas schneller gewesen, was aber nur durch ewige Drängelei zu erreichen wäre – also ließ ich es. Entschädigt wurde ich durch herrliche Blicke in das Saaletal und auf die gegenüberliegenden Hänge, wo die Buchen im Sonnelicht ihre schönsten Herbstfarben zeigten. Hier kam auch der Steilhang und die Warnung war berechtigt, denn mit einem falschen Tritt wäre man wohl unweigerlich ins Rutschen geraten und hätte sich weit unten wieder gefunden. Allerdings war die Gefahr der Fehltritte durch das Genießen der Aussicht größer als durch unmotiviertes Überholen. Dann steil bergab und wieder bergauf, damit waren alle Höhenmeter nach oben geschafft. Ab Kilometer 17 ging es nur noch ca. 250 Höhenmeter sanft bergab. Der Hinweis an meinen Mitläufer, dass wir die letzten 10 km in 50 Minuten laufen müssten, war eher ein Joke, entspricht dies doch etwa unserer Bestzeit über diese Strecke - pur.
Doch dann kam es - das Runners-High, der Endorphinstoß oder wie man es auch immer nennen will. Die Beine liefen von selbst, wir überholten einen nach den anderen der vor uns Laufenden. Selbst für die herrliche Aussicht auf das im Tal liegende Jena hatte ich kaum noch einen Blick. Bang stellte ich mir die Frage, wie lang das wohl anhielte. Drei Kilometer vor dem Ziel merkte ich, dass die Beine schwer wurden. Ich ließ meine Mitläufer ziehen, biss die Zähne zusammen. Zwei Kilometer vor dem Ziel schmerzte das Knie, ich überlegte zu gehen. Doch da war das Ziel. Die Uhr zeigte 2:25 – ich bin die 10 km bergab in 45 Minuten gelaufen. Angekommen brauchte die Freude etwas, um über die Enttäuschung der letzten zwei Kilometer zu kommen.
Fazit: ein toller Lauf für mich und der landschaftlich schönste Lauf, den ich kenne. Allerdings nichts für Läufer, denen die eigene Zeit das wichtigste ist. 

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