1. April 2012

6 Stunden kreisendes Vergnügen

Ich bin abgebrüht! 
Nach 7 Mehrstundenläufen war ich im Vorfeld der 6 Stunden von Fröttstädt überhaupt nicht aufgeregt. Was soll passieren? Man läuft alle 965 Meter an seiner Tasche und der Verpflegungsstelle vorbei. Falls etwas schief geht, wandert man etwas oder hört auf. (In der Ergebnissliste steht eine Läuferin mit 11 km).

Ich bin heimatverbunden!
Fröttstädt liegt in der Nähe des Ortes, wo ich aufgewachsen bin. Hier mußte man von der Anschlussstrecke auf den großen Zug der Hauptstrecke umsteigen. Den Ort habe ich damals aber nie betreten. Veranstalter Gunter kommt aus dem gleichen Ort wie ich und der junge Spund besuchte 4 Jahre nach mir die selben Schulen. Heute macht er außerdem den Thüringenultra, da sieht man auf 100 km mehr von der Heimat als auf der Runde in Fröttstädt.


Ich bin vergnügungssüchtig!
Ein 6-Stundenlauf ist ein Vergnügen, vor allem wenn ein beachtlicher Teil des Feldes aus Lauffreunden besteht. Lauffreunde sieht man im Gegensatz zu "nur" Freunden unabhängig von Läufen eher selten und freut sich daher um so mehr. Im Gegensatz zu Parteifreunden sägen sie auch nicht an Stühlen sondern höchstens an Bestzeiten und Siegen, aber das ist ok.
So nutzte ich die ersten zwei bis drei Stunden mit den Lauffreunden einige Runden plaudernd zurückzulegen und zu hören, was sich über den Winter so zugetragen hat. Nur Michael war mir zu schnell. Der alte Ehrgeizling wollte die 60 km knacken und schaffte es auch. Ein bißchen neidisch bin ich schon. Christian ist mir auch zu schnell gelaufen, obwohl er 12 Stunden unterwegs war. Jens war mir zu schnell, als ich langsamer wurde, wenn er die 60 auch verpasste. Elke wollte trotz Rumjammerns, es wäre ihr langweilig, nicht mehr als eine Runde mit mir laufen - Frauen! Gleichmäßig war mein Lauftempo wegen der wechselnden Partner eher nicht, war mich aber egal.



Ich mag schönes Laufwetter!
Es muß ja nicht heiß sein. Aber so 12-18 Grad und sonnig bis leicht bedeckt, dazu trocken und windstill sollte es schon sein. All das war es nicht in Fröttstädt. Gunter hatte den Tag mit dem schlechtesten Wetter der letzten Wochen für uns ausgesucht. Es gab vor allem Kälte, Regen und Wind. Gunter wollte uns wohl abhärten, der alte Schinder. Allerdings gab es wenigsten angwärmte Getränke und Brühe.



Ich liebe Kuchen!
Wenn dir Dorffrauen nach 2-3 Stunden den Kuchen an der Strecke entlang tragen, weiß man, dass alles Laufen ein Ziel hat. Nach dem Lauf ist die Bestellung ganz einfach: Ein Stück von jedem mit Schokolade und Creme. Nur die grüne Rennsteigtorte von 2010 wäre da rausgefallen, aber die gab es nicht mehr. Bei der süßen Nachspeise zum siegerehrenden Abendessen hat mich Elke abgelichtet.



Ich bin motivationsschwach!
Von den 4 bisherigen Sechsern, war die Zeit drei mal nach 55,xxx km um. Einmal bin ich 58,9 km gelaufen. Das Ziel 60 km zu schaffen, habe ich aber im Vorfeld wegen zu wenig langer Trainingsläufe und mangelndem Spaßfaktor verworfen und mir wieder 55 km vorgenommen. Irgendwie lief es aber doch recht gut - also nicht ganz gut, nur recht gut. Zum Marathon war ich bei 4:20 h und bei der 50 km nach 5:12 h. Doch statt darüber nachzudenken, wie weit ich laufen könnte, überlegt ich mir, was ich mit der Zeit mache. Nach 5:44 h hatte ich die 55 km geschafft. Ich griff mir einen Becher Cola und einen Becher Bier und wanderte noch eine Runde und blieb danach der kurzen Wege halber hinter dem Ziel stehen. Dabei wurde ich dann noch zwei mal von einer Lahmsogge versägt - peinlich.


Ich mag keine Whirlpools!
Badewannen, Whirlpools und ähnlich Warmbadeeinrichtungen sind mir wegen meines niedrigen Blutdruckes eher suspekt. Nach kalten 6 Stunden im Kreis und mit der Begleitung von zwei Lauffreundinnen tat der Whirlpool in der Tabarzer Therme aber richtig gut und machte fit für das gemeinsame Abendessen.

Noch mehr Bilder gibt es hier und einen objektiven Bericht da.

Kommentare:

lizzy hat gesagt…

hähä - lustiger Bericht :-D

Ich glaube, wenn ich alt .. äh .. ich meine: über 50 ;-) bin, dann mach' ich sowas auch mal wieder mit.

Tati hat gesagt…

Danke für deine Berichte und Bilder. Habe ein paar bekannte Gesichter entdeckt, auch unerwartete :o
Mal sehen was die Zukunft bringt und vielleicht ringe ich mich doch dazu durch sowas mitzumachen. Im Kopf reifen da so Gedanken. Nur der Körper muss noch mitspielen.

LG Tati

marathonwoman hat gesagt…

genau wegen dem "kein Stress" liebe ich 6h Läufe!!! Und dein Rekord ist mein Rekord. Die 60 Km liegen in weiter entfernung, denn mittlerweile ist der Spassfaktor größer als das Kilometer schrubben. Und ich hätte schon nach 3 Stunden den ersten Kuchen gegessen ;-)) LG Kerstin

ultraistgut hat gesagt…

Ein Sechsstundenlauf ist Vergnügen, das sehe ich genauso, darum mag ich sie, alle ziehen an einem Strang, und immer ist jemand - manchmal auch nur kurz - an deiner Seite.

Für dich besonders schön, weil es in deiner Heimat war !

Niedriger Blutdruck-reich mir die Hände !

cathybo hat gesagt…

Volle Zustimmung auf allen Ebenen, dein Bericht spricht mir voll aus dem Herzen. Genauso war's!

Thestral hat gesagt…

Das liest sich so entspannt. Ich muss wirklich mal so etwas mitmachen.
Vielen Dank fuer den schoenen Bericht.
Gute Erholung!
LG
Ralph

Anonym hat gesagt…

Erstens sind wir mindestens, wenn nicht noch mehr Runden gemeinsam gelaufen und zweitens sagst du ja selber, dass dir der eine oder andere zu schnell war. (ich frag mich grad, wie schnell du bist, wenn du hochmotiviert am Start stehst...) Ich wollte mir halt ganz alleine leid tun ;-).
Das Wetter war halt Rennsteig-like. Das perfekte Training! Nur die warmen Getränke hatte ich irgendwie nicht gefunden.
Elke

lizzy hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! (51 nehme ich an?)

Anonym hat gesagt…

Sehr schöne Beschreibung eines tollen Laufes. Meinen ersten Ultra hatte ich mir genau so vorgestellt. Danke für die nette Begleitung und den Pool danach!

Petra

Frank Biermann hat gesagt…

Toller sehr schon zu lesender Bericht Jörg!! Dein Ziel hast du ebenfalls sehr souverän erreicht und beim abschließenden Kuchen essen siegst du sehr entspannt aus! :-) Glückwunsch zu allem!!!

Holger hat gesagt…

Hall Jörg! Ein super Bericht, der mich ein bisschen neidisch gemacht hat. Wenn nicht eine Dienstreise dazischengekommen wäre, hätte ich das Bild zumindest farblich ergänzt. Vorgehabt hatte ich es. Der "Halbe" in Berlin war eher die Ersatzhandlung zu Ehren meiner Frau :-)
Grüße vom Holger