3. September 2005

Brockenlauf

Über den Brocken führen zwei Läufe - der Brockenmarathon (Harzgebirgslauf) Mitte Oktober ab Wernigerode und der kleine Bruder mit 27 km ab Ilsenburg, der Brockenlauf. In 2:33 bei bestem Wetter habe ich auf diese Weise den Brocken überwunden.

Die Brockenbahn ist eine 1.000 mm-Schmalspurbahn, die von Drei Annen Hohne über Schierke zum Brocken führt. Dabei überwindet sie auf 18,9 km einen Höhenunterschied von fast 600 m, um den 1125 m ü. NN liegenden Brockenbahnhof zu erreichen. Es muss wohl irgendeine Brockenhexe gewesen sein, die mich verleitete, mich für den Brockenlauf anzumelden, statt mir eine Fahrkarte zu kaufen.

Der Brockenlauf startet im hübschen Ilsenburg 252 m ü. NN. Das Profil in der Ausschreibung erschien ganz simpel. Es geht 12,5 km gleichmäßig bergauf, bis man 890 Höhenmeter überwunden hat. Anschließend geht es vom 1142 m hohen Brocken 14,5 km bergab nach Ilsenburg zurück.
Am Vorabend wurden wir in unserem Hotel im Ilsetal durch einen Aushang aufgefordert, am nächsten Morgen vor dem Hotel die Brockenläufer anzufeuern. Das Heft zum Lauf, das bei den Startunterlagen lag, enthielt eine „geografisch-historische Beschreibung von markanten Punkten“. Da die Punkte mit Höhenangaben versehen waren, versuchte ich mir Punkte, Entfernungen und Höhen zu verinnerlichen, um für das Kommende gewappnet zu sein.

Am nächsten Morgen ging ich dann nicht an den Straßenrand vor das Hotel sondern zum Start. Der Lauf der 469 Läufer begann überraschend gelassen, ohne Gedrängel und die üblichen Sprinter – man wusste wohl, was kommt. Der leichte Anstieg ins Ilsetal hinein - einen Blick zu den Anfeuernden vor dem Hotel, Rhythmus finden, nicht zu schnell angehen – es läuft. Ich kann auf das Murmeln der Ilse und die morgendlichen Sonnenstrahlen zwischen den Buchen achten.
Nach 5 km wurde es an den Ilsefällen wie erwartet steiler. Die Steigung war moderat und schnell überstanden. Belohnt wurden wir mit dem ersten Blick auf den Gipfel. Das beruhigende Gefühl, dass er doch gar nicht so hoch aussieht wurde schnell durch ein kleines Schild gestört, dass man erst 500 m ü NN sei. Es sind also noch 600 Höhenmeter auf den nächsten 6 km! Kaum hatte sich das flaue Gefühl beruhigt, verhieß ein weiteres Schild, dass es noch 5 km zum Gipfel seien und kündigte gleich eine starke Steigung an. Doch auch diese überstand ich recht gut. Es wurde flacher bis das nächste Schild eine weitere starke Steigung und noch 3 km zum Gipfel angekündigt – eine Stunde war ich unterwegs.
Der Plattenweg der DDR-Grenztruppen, den man nun über viele hundert Meter sah, ging dann auch einfach nur fürchterlich steil nach oben. Sehr bald lief niemand mehr und walkend näherten wir uns den Gipfel. Hatte ich beim letzten Schild noch geglaubt, deutlich schneller als in den erwarteten 1:30 oben zu sein, verrann nun die Zeit. Dann waren wir fast oben - schnell wieder das Laufen beginnen, um nicht wandernd anzukommen. Ein Blick auf die Brockenhexe und die Uhr – 1:27 h. Bevor das Gipfelgefühl mich übermannte, ging es schon wieder bergab.
Wissend, dass ich nicht allzu schnell laufe und die vielen Ratschläge aus dem Forum zum Bergablaufen im Gedächtnis, suchte ich mir Läufer, zu denen ich den Abstand halten wollte. Die Straße war recht steil. Ich versuchte alle Tipps. Vorderfußlauf geht wohl nur bei leichtem Gefälle. Also mit Ferse und Mittelfuß aufsetzen und laufen lassen. Das Tempo strengte an und machte mir wenig Spaß, doch dann kamen die Schilder noch 5 km zum Ziel, noch vier, drei, zwei. Da war schon das Hotel. Es standen viele Leute da, der Ansager nannte meinen Namen - das beflügelte noch einmal.
Im Ziel sah ich eine 2:33. Irre - ich kann es kaum glauben. Wollte unter 3 h bleiben und habe heimlich auch eine 2:45 geschielt.
In der Sonne auf dem Markplatz genoss ich dann die nette familiäre Siegerehrung. Der Harzgebirgslauf, ein Marathon über den Brocken soll auch wunderschön sein. Also, dieses Jahr mache ich ihn nicht, aber man kann ja auch eine Fahrkarte kaufen.

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