21. Mai 2005

Der erste Marathon - Rennsteiglauf


Nach dem Halbmarathon 2004 erfüllte ich mir 2005 eine Jugendtraum. Ich lief meinen ersten Marathon auf dem Rennsteig in 4:47.

Wenn man in der Nähe des Rennsteiges aufgewachsen ist, dann ist der Rennsteiglauf immer ein Thema. Als Klassenkameraden vor über 25 Jahren (oh Gott bin ich alt) sich an den Lauf über damals 38 km (glaube ich) wagten, habe ich sie bewundert, es mit aber einfach nicht selbst zugetraut.
Nachdem ich nicht mehr im Sportunterricht laufen musste, begann ich es freiwillig zu tun. Es blieb jedoch bei gelegentlichen 4-5 km. Vor 2 Jahren wurde es etwas mehr und nach dem ersten Volkssportlauf über 10 km im Herbst 2003 war klar, dass 2004 der HM auf dem Rennsteig ansteht. Es wurde ein euphorischer Lauf in 2:04 und ein neues Ziel, den Marathon zu bewältigen.

Drei mal die Woche lief ich dazu, drei Läufe über 30 km hatte ich absolviert und dennoch konnte ich Tage vorher an nichts anderes mehr denken und immer stand die Frage – schaffe ich es? In Neuhaus sortierte ich mich bei den Zugläufern vom Laufladen Erfurt weit hinten ein. Ich hatte Angst mich mitreißen zu lassen, es zu schnell anzugehen und dann abzubrechen. Überhaupt war meine größte Angst, mich ab km 30 nur noch zu quälen. Die Stimmung am Start konnte ich kaum genießen, so schlotterten die Knie. Schneewalzer, Rennsteiglied, Startschuss – 4 min später war ich über der Startlinie.

Die ersten 10 km waren fast nur Straße, ich hielt mich an den Läufer mit der Zielzeit 5 h, nach 60 min waren 10 km absolviert. Die Geschwindigkeit war gut, ich fühlte mich wohl. Der Weg über Steine und Wurzeln erforderte zwar Aufmerksamkeit, machte mir aber richtig Spaß. Die Stimmung war gut man plauderte mit Bekannten und bis dahin Unbekannten, lief ein Stück zusammen und verlor sich wieder. Motivierend waren auch die (in Orten oder an Kreuzungen) klatschenden Zuschauer oder der Waldhornbläser, der völlig schräg den Holzmichel blies und alle Läufer zum mitmachen animierte. Mit den Bergen hatte ich kaum Probleme, lästig war nur der Hohlweg bei km 20, durch den immer nur einer nach dem anderen gehen konnte – ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass es Kräfte spart.
Vor Neustadt (km 28,8) begann meine Brust zu jucken. Ich hatte die Haare extra rasiert, damit die Pflaster halten, die ich dann vergaß aufzukleben. Also setzte ich mich in Neustadt auf eine Bank um die Brust jetzt abzukleben (natürlich hielt nichts mehr) . Dabei bekam ich gleich eine Massage von den Mädels vom Roten Kreuz, die dafür die Bänke hingestellt hatten – vielen Dank nochmals.
Bei km 30 schoss es mir durch den Kopf – „Du fühlst dich noch gut, du schaffst es.“ Der steile Burgberg hinter Neustadt war der erste Berg, den ich hoch ging – das hatte ich auch so geplant. Dann zog sich der Weg weiter sanft hoch – „Warum tut jetzt das Fußgelenk weh?“ Nach der Verpflegungsstelle Dreiherrenstein war kein Schmerz mehr da. Bei dem Schild „Der Schmerz geht – der Stolz bleibt“ schossen mir Tränen in die Augen.Jetzt ging es fast nur bergab und an der nächsten, letzten Verpflegungsstelle in Frauenwald gab es Bier! Davon nahm ich dann nur einen Schluck und dachte auf dem weiteren Weg bergab nach Schmiedefeld daran, wie ich den letzten steilen Berg zum Sportplatz hoch komme. Dann hörte man schon Schmiedefeld – fast geschafft.
Der Berg zu Sportplatz? Ich glaube, ich flog ihn hoch, getragen vom Klatschen der Zuschauer und der abziehenden Läufer, die schon vor mir im Ziel waren.Bei 4:47 h lief ich ins Ziel – hatte damit meinen Plan einer 6:40 pro km ziemlich genau eingehalten. Ich strahlte, war glücklich. Ich hatte es geschafft.

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