28.4.12

Ein halber Harzer

Zwei Wochen vor dem Rennsteig und eine Woche nach dem Linz-Marathon traute ich mich nicht, die Harzquerung mit 51 km zu laufen. Da die Harzquerung aber einfach nur ein traumhafter Landschaftslauf ist und das Wetter toll zu werden versprach (letztlich waren es 29° im Ziel), überzeugte ich Ingrid mit mir eine Kurzstrecke über 28 km  von Benneckenstein nach Nordhausen zu laufen. Mit 3 h war es ein eher lockerer Trainingslauf mit vielen Bergen. Carsten, dem ich nach einigen Kilometern gemeinsamen Laufens den Vortritt ließ, bezahlte dafür das Bier - Danke.
Doch schaut die Bilder an! Und wer dann noch nicht genug hat, findet bei Frau Trailfüchsin noch mehr.


Kurpark Benneckenstein

Die Startlinie - alles handgemacht!

Start in Benneckenstein
Begegnung mit der Harzquerbahn

Das ist schon richtig Cross..

Trail heißt das ja heute!

Auf dem Poppenberg haben wir auf 3 km 300 Hm hinter uns

Carsten trainiert die Siegerpose
Zieleinlauf


Handgemacht - ich sag es doch

Wer kennt sie noch?

Im Ziel sprach mich dann noch ein mir unbekannter Leser meines Blogs an. Schön zu hören, dass er gefällt. Eigentlich war der Blog ja vor allem als Erinnerungsalbum für mich gedacht.

23.4.12

Piefke auf Reisen - Linz-Marathon

Deutsche werden in Österreich Piefkes genannt und dies ist wohl nicht freundlich gemeint. Aber entweder bemerkt der gemeine Piefke die Vorbehalte nicht oder die Österreicher sind im direkten Kontakt zu höflich.
Deutsche empfinden die Österreicher dagegen irgendwie als vertraute Familienmitglieder. Die Österreicher haben schöne Landschaften, gutes Essen und sind in der Regel ziemlich freundlich. Allerdings verwenden sie gelegentlich etwas seltsame Begriffe. Eine Werbeaktion „Nimm ein Sackerl für meinGackerl!" klingt in deutschen Ohren schon seltsam. Auch ein Mistplatz für die Wertstoffannahmestelle erschiene in Deutschland zumindest politisch unkorrekt. Über die Bezeichnung von Speisen wollen wir gar nicht reden. 


Dass meine Tochter (Matura in Deutschland) in Linz arbeitet und der Linz-Marathon im letzten Jahr zum beliebtesten Marathon Österreichs gekürt wurde, waren gute Gründe am dortigen Marathonbewerb teilzunehmen. Drei Wochen vor dem Rennsteiglauf bot er sich als Trainingslauf ohne jegliche Ambitionen auf Bestzeiten oder das Stockerl an. Heuer war im Jänner die Anmeldung für Linz um 47 € zu haben.


Mit Linz verbinden Österreicher eher Negatives, da die dortigen Eisen- und Stahlwerke einst die Stadt verschmutzten. Heute ist vom Schmutz nichts mehr zu merken. Als Kulturhauptstadt Europas versuchte man sich ein neues Image zu geben. Doch irgendwie wirkt es, als wenn Rügen sich als Wintersportgebiet etablieren will. Piefkes verbinden in der Regel nichts mit der Hauptstadt Oberösterreichs, die 100 km hinter Passau an der Donau liegt. Für die Autobahn dahin muss man sich ein Pickerl holen. Die Stadt an der Donau ist hübsch, aber nicht spektakulär. Reiseführer würden ihr einen Stern geben – sie ist einen Abstecher wert.
 

Beeindruckend ist der Start aller Bewerbe auf der Autobahnbrücke – dafür wird schlicht die Autobahn nach Prag gesperrt und die Autos müssen eine Umfahrung nutzen. Auch die Innenstadt von Linz war an diesem Tag ganz gesperrt und natürlich fuhr auch keine Bim.


Ich freute mich Wolfgang aus Wien wieder zu sehen und wir beschlossen, den ersten Halbmarathon in ca. 2 Stunden zusammen zu laufen. Er wollte dann trainingsbedingt ins Ziel laufen, während ich den ganzen Marathon in etwa 4 Stunden beenden wollte.



Nach dem Verlassen der Autobahn war es ziemlich voll, denn Marathon, Halbmarathon, Viertelmarathon und Staffelmarathon wurden zugleich gestartet. Bei 15.000 Startern waren die knapp 900 Marathonläufer jedoch die Minderheit.


 
Nach einigen Kilometern durch Wohngebiete im Stadtteil Urfahr ging es über die Nibelungenbrücke zurück. Die Brücke hat ihren heldischen Namen durch einen in der Nähe geborenen Führer mit schmalem Schnurrbart bekommen, der Linz zu einer seiner Lieblingsstädte auswählte. Außer der Brücke und den beiden Brückengebäuden blieb Linz von der vorgesehenen völkischen Umgestaltung jedoch verschont. Nach weiteren 10 km in engen Schleifen am Frachtenbahnhof vorbei und durch die Innenstadt näherten wir uns durch jubelnde Massen in der Fußgeherzone, die hier seltsamerweise Landstraße heißt, das erste Mal dem Hauptplatz. Wolfgang hatte hier in 1:56 h sein Ziel erreicht, obwohl ihm so ein Depperter kurz vorher noch anrempelte.


Kurz vorher bogen die Marathonläufer links ab auf ihre weitere Strecke. Mir war etwas bang, nun allein die letzten 21 km zu absolvieren. Man hatte nun viel Platz an den Labestellen, doch dank der Staffelläufer war es nie einsam. Allerdings verwirrten sie schon etwas. Nach den Wechseln bei km 21 und 35 wurde ich im hohen Tempo überholt. Fünf Kilometer weiter sammelte ich dann reihenweise Staffelläufer ein, die scheinbar kurz vor dem Kollaps standen. Die Strecke war nun auch nicht mehr sonderlich attraktiv. Es ging durch Wohngebiete und über Ausfallstraßen aus der Stadt hinaus. Abwechslung boten vor allem die Begegnungsstrecken. Mein Garmin zeigte eine Durchschnittspace von 5:20 min/km, das war ca. 10 Sekunden schneller als auf der ersten Hälfte. Etwa bei km 33 versuchte ich einen Staffelläufer zu motivieren, die 2 km bis zu seinem Wechsel mein Tempo zu halten, doch nach einem Kilometer brauchte er eine Gehpause.

Das Kopfrechnen begann in zwei Richtungen- Wie langsam kann ich bei einem Einbruch werden, um die 4 Stunden dennoch zu erreichen und wie schnell muss ich laufen, um bei 3:50 h ins Ziel zu kommen. Bei Kilometer 38 begann der Ehrgeiz und ich beschleunigte. Bei einer leichten Steigung bei Kilometer 40 überwog die Faulheit und ich nahm etwas Tempo raus. „Was soll ich mich kaputt machen für eine Zeit, die 20 Minuten über der Bestzeit liegt.“ Bei Kilometer 41 begann der Endspurt – Zieleinlauf bei 3:50:02.



Im Ziel gab es dann Bananen, Körnerweckerl, ein Stifterl Bier, bunte Isogetränke und das Marathon-Leiberl. Auch das Startsackerl war gleich nebenan deponiert. Wie der ganze Marathon war alles bestens organisiert. Ich war zufrieden, problemfrei einen Marathon unter 4 Stunden gelaufen zu sein.



Mein Knie, was vorher ein wenig muckerte, hatte gehalten und ich brauchte nicht zum Bandagisten und schon gar nicht zur Ordination. Selbst die Stiegen kam ich am nächsten Tag ohne Probleme runter.
Nur Wolfgang verwechselte mich zum Abschied mit seinem Vater und sagte Papa bzw. Baba zu mir.

Wahrscheinlich habe ich alle österreichischen Begriffe hier falsch verwendet, aber dafür bin ich ein Piefke. Hoffendlich wird mir künftig nicht die Einreise verweigert. Vielleicht sollte ich ja zumindestens noch das Piefke-Quiz machen.

14.4.12

Mein Streak

Nichtläufer wissen gar nicht, wie stark ausdifferenziert die Läufergemeinde ist. Da gibt es die Gelegenheitsjogger, die bei schönem Wetter gelegentlich mal eine halbe Stunde laufen und die "ambitionierten Läufer" die fast täglich sekundengenau vom Traninigsplan vorgegebene Strecken abspulen, um in den Genuß einer persönlichen Bestzeit zu kommen.
Eine Untergruppe sind die Streaker, also die Täglich-Läufer. Wikipedia meint, den Unterschied zu den Flitzern betonen zu müssen. Ich kenne einige Streaker, die ich allesamt nicht in flitzerischem Verdacht habe. Meist sind Streaker die nicht ganz schnellen Läufer, die ihre Befriedigung eher aus der Strecke als aus der Laufzeit oder Platzierung suchen.
Schon bei den ersten Informationen über Streaker stellte ich fest, dass dies nicht meine Art zu laufen ist. Andererseits fasziniert mich der Gedanke schon. Nach einem eher laufschwachen Winter reifte der Gedanke nach einem Monatsstreak im April als Vorbereitung auf den Rennsteiglauf.

Zwischenbilanz nach 13 Tagen:

Es ist eine neue Streckenerfahrung. Um Regenerationstage mit kurzen Strecken zu füllen, galt es Kurzstrecken mit 3-5 km zu finden. Wenn ich nicht um das Wohngebiet kleine Runden rennen will, bedeutet dies erhebliche Steigungen - die aber schnell vorbei sind.

Es ist ein logistisches Problem. Bei anstehenden beruflichen Abendterminen kämpfe ich mit meinem Biorhythmus, um gegen halb sieben am Morgen zu laufen. Das Vögelzwitschern ist ja schön aber mein Stoffwechsel...

Mir fehlt die Regeneration, denn auch die  4,5 km meiner Kurzstrecke belasten den Körper. Leichte Knieprobleme u.ä. verschwinden nicht einfach. Andererseits beseitigen schnelle Einheiten manche Probleme - verstehe wer will.

Streaken schafft Kilometer. Selbst in ruhigen Wochen laufe ich um die 70 km. Was es bringt, wird der Rennsteiglauf entscheiden.

Ich weiß nicht, ob ich durchhalte. Wenn ich vor dem Linz-Marathon nächste Woche nicht locker werde, breche ich den Streak Mitte der Woche radikal ab.

Ach ja, mehr Wäsche habe ich auch.

1.4.12

6 Stunden kreisendes Vergnügen

Ich bin abgebrüht! 
Nach 7 Mehrstundenläufen war ich im Vorfeld der 6 Stunden von Fröttstädt überhaupt nicht aufgeregt. Was soll passieren? Man läuft alle 965 Meter an seiner Tasche und der Verpflegungsstelle vorbei. Falls etwas schief geht, wandert man etwas oder hört auf. (In der Ergebnissliste steht eine Läuferin mit 11 km).

Ich bin heimatverbunden!
Fröttstädt liegt in der Nähe des Ortes, wo ich aufgewachsen bin. Hier mußte man von der Anschlussstrecke auf den großen Zug der Hauptstrecke umsteigen. Den Ort habe ich damals aber nie betreten. Veranstalter Gunter kommt aus dem gleichen Ort wie ich und der junge Spund besuchte 4 Jahre nach mir die selben Schulen. Heute macht er außerdem den Thüringenultra, da sieht man auf 100 km mehr von der Heimat als auf der Runde in Fröttstädt.


Ich bin vergnügungssüchtig!
Ein 6-Stundenlauf ist ein Vergnügen, vor allem wenn ein beachtlicher Teil des Feldes aus Lauffreunden besteht. Lauffreunde sieht man im Gegensatz zu "nur" Freunden unabhängig von Läufen eher selten und freut sich daher um so mehr. Im Gegensatz zu Parteifreunden sägen sie auch nicht an Stühlen sondern höchstens an Bestzeiten und Siegen, aber das ist ok.
So nutzte ich die ersten zwei bis drei Stunden mit den Lauffreunden einige Runden plaudernd zurückzulegen und zu hören, was sich über den Winter so zugetragen hat. Nur Michael war mir zu schnell. Der alte Ehrgeizling wollte die 60 km knacken und schaffte es auch. Ein bißchen neidisch bin ich schon. Christian ist mir auch zu schnell gelaufen, obwohl er 12 Stunden unterwegs war. Jens war mir zu schnell, als ich langsamer wurde, wenn er die 60 auch verpasste. Elke wollte trotz Rumjammerns, es wäre ihr langweilig, nicht mehr als eine Runde mit mir laufen - Frauen! Gleichmäßig war mein Lauftempo wegen der wechselnden Partner eher nicht, war mich aber egal.



Ich mag schönes Laufwetter!
Es muß ja nicht heiß sein. Aber so 12-18 Grad und sonnig bis leicht bedeckt, dazu trocken und windstill sollte es schon sein. All das war es nicht in Fröttstädt. Gunter hatte den Tag mit dem schlechtesten Wetter der letzten Wochen für uns ausgesucht. Es gab vor allem Kälte, Regen und Wind. Gunter wollte uns wohl abhärten, der alte Schinder. Allerdings gab es wenigsten angwärmte Getränke und Brühe.



Ich liebe Kuchen!
Wenn dir Dorffrauen nach 2-3 Stunden den Kuchen an der Strecke entlang tragen, weiß man, dass alles Laufen ein Ziel hat. Nach dem Lauf ist die Bestellung ganz einfach: Ein Stück von jedem mit Schokolade und Creme. Nur die grüne Rennsteigtorte von 2010 wäre da rausgefallen, aber die gab es nicht mehr. Bei der süßen Nachspeise zum siegerehrenden Abendessen hat mich Elke abgelichtet.



Ich bin motivationsschwach!
Von den 4 bisherigen Sechsern, war die Zeit drei mal nach 55,xxx km um. Einmal bin ich 58,9 km gelaufen. Das Ziel 60 km zu schaffen, habe ich aber im Vorfeld wegen zu wenig langer Trainingsläufe und mangelndem Spaßfaktor verworfen und mir wieder 55 km vorgenommen. Irgendwie lief es aber doch recht gut - also nicht ganz gut, nur recht gut. Zum Marathon war ich bei 4:20 h und bei der 50 km nach 5:12 h. Doch statt darüber nachzudenken, wie weit ich laufen könnte, überlegt ich mir, was ich mit der Zeit mache. Nach 5:44 h hatte ich die 55 km geschafft. Ich griff mir einen Becher Cola und einen Becher Bier und wanderte noch eine Runde und blieb danach der kurzen Wege halber hinter dem Ziel stehen. Dabei wurde ich dann noch zwei mal von einer Lahmsogge versägt - peinlich.


Ich mag keine Whirlpools!
Badewannen, Whirlpools und ähnlich Warmbadeeinrichtungen sind mir wegen meines niedrigen Blutdruckes eher suspekt. Nach kalten 6 Stunden im Kreis und mit der Begleitung von zwei Lauffreundinnen tat der Whirlpool in der Tabarzer Therme aber richtig gut und machte fit für das gemeinsame Abendessen.

Noch mehr Bilder gibt es hier und einen objektiven Bericht da.