28.8.11

Das Lieblings(lauf)fotomotiv

Vielleicht ist es nicht wirklich das allerschönste Motiv, aber es ist immer wieder toll mit einem Bier im Ziel zu stehen. Bevor ich dieses Bier bekam, mußte ich beim Inselsberg-Halbmarathon ca. 840 Hm auf 21 km überwinden. Wie immer gab es keine Zeitmessung und keine Wertung, was mir aber ziemlich egal ist. da ich nicht gewinne und selbst eine Uhr habe.

Nach 5 km Einlaufen (ich brauchte einen langen Lauf) ging es in Fröttstädt richtig los. Die ersten Kilometer mußte ich jedoch Achim über den von ihm gelaufenen Allgäu Ultra-Trail ausfragen. Außerdem versuchte ich ihn und seine Frau zum Rennsteigetappenlauf 2012 zu überreden. Dann mußte ich noch etwas mit meinen Rennsteig-Staffelkolleginnen Angela und Nora schwatzen. Schließlich gab ich ein bißchen mehr Gas und kam mit Jens ins Gespräch, der mich vom Gesamtdeutschen Rennsteiglauf 2010 kannte. Wieso habe ich nur so ein schlechtes Personengedächtnis, selbst bei Angela und Nora hatte ich Probleme.
Ab km 13 war es mit dem Schwatzen vorbei, jetzt wurde es steil. Bis zum Ziel waren es noch 500 Hm. Recht zügig liefen (oder gingen) wir in etwas unterschiedlichem Tempo, verloren uns aber nie aus den Augen. Oben kam ich ca. eine Minute hinter Jens bei 2:08 h an .
Ich war zumindest im Ziel der Erste, der auch das Zielbier nahm - ist doch auch was.

Von unten - der Inselsberg in Wolken
So sieht es dann von oben aus


17.8.11

Bin ich Goethe?

Ich gebe zu, ich bin etwas eitel. Im Feuilleton der FAZ fand sich ein Artikel, der berichtete, wie man im Internet seinen Schreibstil mit dem bekannter Schriftsteller vergleichen kann. Sofort stellte ich mir die Frage, ob ich, was ich schon lange vermutete, ein noch unentdeckter Goethe bin.
Beim googlen stieß ich gleich auf mehre Seiten, die mich mittels Stilanalyse dazu erklären könnten. Als Text wählte ich den Bericht aus meinem Blog zum Thüringenultra aus. Das Thema schien mir eines neuen Goethes würdig.
Die FAZ-Seite klärt mich schnell auf: Ich schreibe wie Friedericke Mayröcker! Das ist ja toll, nur leider habe ich noch nie etwas von ihr gehört. Wikipedia gibt Auskunft  und lehrt mich gleich ein neues Wort "karenzieren". Kann man als neuer Goethe bestimmt mal gebrauchen.
Vielleicht erklärt mich aber eine der anderen Seiten gleich zum Goethe. Bei Scribando benutze ich natürlich die erweiterte Beta-Version, die erkennt, dass ich wie Daniel Glattauer schreibe. Schon wieder ein österreichischer Schriftsteller, den ich nicht kenne. Immerhin war er schon mal für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Auf der Seite mit dem schönen Titel "Ich schreibe wie..." erfolgt der dritte Versuch. Von Frank Schätzing habe ich nicht nur schon etwas gehört, ich habe auch sein Buch "Der Schwarm" gelesen. Mit diesem teils spannenden teils langatmigen Schinken hat er wahrscheinlich mehr Geld als die anderen beiden zusammen verdient, aber Goethe ist er auch nicht.
Das Ergebnis war doch ernüchternd - ich bin wohl schreibstilmäßig eine mehrfach gespaltene Persönlichkeit.

Ach so und dieser Text ist übrigens geschrieben wie von Charles Dickens. Den kenne ich auch.

15.8.11

Rund um die Sportlerklause

In Frauenwald, wo es an der letzten Verpflegungsstelle beim Rennsteigmarathon Bier gibt, kann man im August auch 10,5 km „Rund um Frauenwald“ laufen nachdem die ehemals namensgebende Sprotlerklause wohl inzwischen geschlossen ist. Dieser Lauf ist eher ein Crosslauf, der nur teilweise über feste Wege geht, oft aber über schmale Pfade, nach dem Regen der letzten Zeit schön matschige Waldwege und über Wiesenwege. Dazu kommt ein ziemlich herausforderndes Höhenprofil mit lt. Veranstalter 270 Höhenmetern.
Die Einladung zum Autorentreffen von Laufszene – Thüringen nach dem Lauf, erleichterte mir die Entscheidung, ob ich dort überhaupt starten will. Der Lauf selbst war für mich wie alle Kurzstreckenläufe – man rennt mit hohem Puls los und nach einem Kilometer hat sich das Feld sortiert, so dass nicht mehr viel passiert. Auf den folgenden Kilometern, wurde ich noch von vier Läufern überholt. Dass einer davon in der M 60 lief, fand ich allerdings etwas frustrierend. Zwei Läufer überholte ich selbst und nach 51:49 min war ich im Ziel. Das war zwar fast 2 Minuten langsamer als vor drei Jahren, aber für meine läuferische Sommerpause durchaus im Rahmen.

8.8.11

San Francisco Marathon

Wenn es Kai, Rennsteigläufer der zweiten Stunde, nach San Francisco verschlägt, braucht er nicht viel Überzeugungskraft, um mich zum dortigen Marathon zu locken. Seltsamerweise bekommt man für einen solchen Lauf von nichtlaufenden Freunden mehr Daumendrücken als für lange Ultras im Thüringer Wald. Dabei war lediglich laufendes Sightseeing geplant. Da aber auch dies spezielles Training bedarf, gab es:
  • einen Traningslauf am Bryce Canyon
  • einen Traningslauf am Grand Canyon
  • und einen Traningslauf am Strand von Santa Monica.
 

Dreißig Kilometer in den drei Wochen vor einem Marathon sind immerhin besser als gar nicht trainiert.

Eine Startzeit von 5:30 Uhr finde ich für einen Stadtmarathon irgendwie unmenschlich. Der öffentliche Nahverkehr in San Francisco beginnt an Sonntagen erst 8 Uhr. Um pünktlich am Start des San Francisco Marathons zu sein, ist man auf das Taxi angewiesen. Überhaupt weist in den Tagen vor dem Lauf nichts in der Stadt auf das Ereignis hin. Kein Plakat findet man und selbst die Hinweisschilder zu bevorstehenden Sperrungen und Verkehrsbehinderungen an manchen Straßen nennen nicht den Grund. 

Der frühe  Start ist nicht dem Wetter geschuldet, denn es ist Ende Juli eher kühl in San Francisco. Die heiße Sommerluft über dem Festland führt auf dem Pazifikwasser der Bay zu sich kaum auflösenden Nebel. So steigen die Temperaturen auch in der Mittagszeit kaum über 70 Grad Fahrenheit, was für den Mitteleuropäer etwa 20 Grad Celsius sind - also fast optimales Marathonwetter. Allerdings verlangen die örtlichen Behörden, dass die Golden Gate Bridge ab 9 Uhr wieder voll dem Verkehr zur Verfügung steht, was den frühen Start notwendig macht.

Mit etwa 6000 Marathonläufern ist die Veranstaltung einer der mittelgroßen Marathons in den Staaten. Klein genug jedenfalls, dass man auch Halbmarathonläufer auf beide Streckenhälften schickt.
Wenn die Läufer sich in die Startblöcke begeben, ist es noch dunkel und die beleuchtete Brücke nach Oakland bietet eine beeindruckende Kulisse. Bevor die beiden großen Brücken in den dreißiger Jahren gebaut wurden, war die Stadt vom Festland aus nur mit Fähren sinnvoll zu erreichen gewesen. In dieser Zeit hatte das Ferry-Gebäude neben dem Start seine Blütezeit erlebt. Heute legen hier zwar auch noch Fähren ab, doch vor allem beherbergt das Gebäude nun die etwas bessere Gastronomie. Dass die Burger bei Gotts zu den besten der Stadt gehören, sollten wir nach dem Lauf feststellen. Doch zuerst musste ein Kinderchor noch die amerikanische Hymne singen, dann starteten die Spitzenläufer und schließlich im zehnminütigen Abstand die einzelnen Startblöcke. Außerdem wurde es nun hell.

Die Strecke führte an den um diese Zeit noch menschenleeren Piers entlang, die wie Fishermans Warf heute vor allem Touristenattraktionen mit Restaurants und Vergnügungsbahnen sind. Einige Meilen weiter hatte man die ersten Blicke auf die Golden Gate Bridge, die morgendlich im Nebel lag. An dieser Stelle jubelten auch die ersten Zuschauer den Läufern zu. Mit amerikanischen Fahnen und Fotos erinnerten sie dabei an gefallene Soldaten - wir liefen durch ehemaliges Militärgelände. 

Die Golden Gate Bridge sollte der Höhepunkt des Laufes sein. Für die Läufer waren zwei Fahrbahnen gesperrt, während auf den übrigen Spuren der Verkehr vorbei rauschte. Im Mittelfeld galt es daher leider vor allem darauf zu achten, niemand in die Hacken zu treten. Bei Kilometer erreichten die Läufer die andere Seite der Brücke. Auf dem Parkplatz, der zugleich Wendepunkt der Brückenüberquerung war, spielte einsam eine Rockband mit gewaltigen Bärten. Diese Verpflegungsstelle war die erste von den beiden, an denen es Gel gab. Ansonsten wurden nur Wasser und Isogetränke gereicht. 

 Hinter der Brücke führte die Strecke durch gepflegte, aber noch völlig verschlafene Wohngebiete. Nur selten sah ein Frühaufsteher mit der Kaffeetasse in der Hand hinter der Gardine hervor. Dies änderte sich bald im Golden Gate Park. Im relativ dicht bebauten San Francisco ist es ein Park mit gewaltigen Ausmaßen, rund 5 km lang und 800 m breit. Der Park ist recht hüglig und so führte die Strecke hier oft mehr oder weniger stark bergauf. Überhaupt ist der Marathon in San Francisco mit rund 400 Höhenmetern kaum für Bestzeiten tauglich.
Der schöne Park mit seinen Wiesenflächen, künstlichen Seen, einem japanischen Teepark, Sportanlagen und Museen ist ein beliebtes Sonntagsziel der Einwohner. Einige von Ihnen waren auch in dieser zeitigen Stunde schon im Park, um den Läufern zuzujubeln. Ein Zuschauer teilte mir auf einem großem Schild mit, dass Jesus mich liebt. Der direkte Einfluss dieses Hiweises auf meine Laufleistung dürfte aber eher begrenzt gewesen sein. Auf anderen Schildern wurde einer Mama der Liebe ihrer Kinder versichert und Gerret zum Helden erklärt. Leider musste ich das von einer Zuschauergruppe angebotene Bier zu diesem frühen Zeitpunkt ablehnen .

Im Park war auch Ziel des ersten und Start des zweiten Halbmarathons. Folge war, dass von nun an sich die schnelleren Halbmarathonläufer durch das Mittelfeld der Marathonläufer schoben. Die hatten dadurch auf dem zweiten Teil der Strecke das zweifelhafte Vergnügen, permanent überholt zu werden. Allerdings wurde dies dadurch kompensiert, dass die Strecke ab km 31 vorrangig bergab ging, wenn auch Anfangs mit gewaltigem Gefälle. Wer die Krimiserie der 70er Jahre „Die Straßen von San Francisco“ kennt, hat etwa eine Vorstellung, was ich meine. Nach dem Park folgt die Strecke der bunten Haight Street, dem Zentrum der Hippiebewegung, die der Stadt eine starke Prägung gab. Allerdings liegt das Interesse dieser Bevölkerungsgruppe nicht vorrangig darin, am frühen Sonntagvormittag einem Marathonlauf zuzuschauen.
Nach Wohngebieten mit den für die Stadt typischen Häusern im viktorianischen Stil und schließlich einem öden Gewerbegebiet erreichte die Strecke wieder das Ufer der Bay, untrügliches Zeichen, dass sich das Ziel näherte. Hier konnten die Läufer noch eine Band bewundern, die mit ihrem schrillen Outfit deutlich machte, dass San Francisco auch als amerikanische Hauptstadt der Homosexuellen gilt. 

In Zielnähe kam nach dem Golden Gate Park dann zum zweiten Mal so etwas wie Stadtmarathonfeeling auf. Hier bejubelten vor allem die Angehörigen ihre Läufer.
Im Ziel gab es reichlich Verpflegung und eine Medaille, die ich in dieser Größe noch nicht in meiner Sammlung hatte. Dafür war auch nicht der Ansatz von Umkleide- oder gar Duschmöglichkeiten vorhanden. Da der Sieger bei den Männern Michael Wardian mit 2:27:06 h kurz vor 8 Uhr im Ziel war, hätte er wie alle Läufer nun den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Dort schauten die meisten Fahrgäste etwas ungläubig auf die durchgeschwitzten, in Folie gehüllten Gestalten. Was die so früh gemacht haben, dürften ihnen wie den meisten Einwohnern der Stadt unbekannt geblieben sein.

Für mich war es ein seltsamer Lauf. Obwohl wir ihn im ruhigen Tempo von 6 min/km angegangen sind, mußte ich Kai bei km 27 ziehen lassen. Von da an habe ich mich völlig unmotiviert ins Ziel geschleppt. Erstaunlich, dass eine 4:16 h so anstrengend sein kann.