19.8.05

Inselsberg Halbmarathon


Ein Erlebnislauf auf den Inselsberg, so hatte der rührige Laufladen in Erfurt den Halbmarathon angekündigt – schließlich kamen zu den 21,3 km (Umleitung wegen Forstamt) nur 820 kumulierte Höhenmeter dazu. Der Genuss sollte sich durch den Verzicht auf Zeitmessung und Wertung einstellen.Wenn man die A 4 entlang fährt, kann man zwischen Erfurt und Eisenach das Ziel des Genusses bewundern. Der Inselsberg ist mit 916 m zwar nicht der höchste, aber wohl der markanteste Berg des Thüringer Waldes. Der Start des Genusslaufes war in Fröttstädt 289 m ü.d.M.- nahe der Autobahnabfahrt Waltershausen. Nach dem Start ging es die ersten 10 km im leichten auf und ab durch das Vorland des Thüringer Waldes über Feld- und Wiesenwege. Als die Hügel steiler wurden, zog sich das Feld der ca. 80 Starter auseinander und die Gespräche brachen allmählich ab. Der erste Verpflegungspunkt nach 6,5 km war eigentlich zu früh für mich, ich nahm trotzdem Wasser, schließlich hatte man bisher kaum Höhenmeter geschafft. Auch bei der zweiten Verpflegungsstelle nach 13,6 km hatte man kaum 500 m ü.d.M. erreicht. Dafür war mein Shirt durch die Luftfeuchtigkeit nach einer Regennacht nass, wie ich es noch nie beim Laufen erlebt hatte. Doch dann ging es bergan, steil verschwand der Weg zwischen den Baumkronen. Alle Überlegungen, möglichst nicht zu gehen, gab ich schnell auf, zumal kein anderer Läufer vor oder hinter mir mehr lief. Die steilen Stücke waren nur einige hundert Meter lang, dann ging es immer im moderaten Anstieg weiter. Obwohl ich mir immer gern einen Läufer suche, mit dem ich zumindest eine Weile zusammen laufe, war dies nicht mehr möglich. Zu unterschiedlich waren die Geschwindigkeiten an den steilen und flacheren Stücken und eine Abstand von 100 m aufzuholen, erwies sich fast unmöglich. Als dann bei 17 km ein Läufer locker an mir vorbeilief, war mir klar, dass dies ein echter Genussläufer war, der sich bisher geschont hatte - aber leicht demotivierend war es schon. Nach der letzten Verpflegungsstelle zeigten die Wanderwegweiser 1,5 km bis zum Gipfel - laut Laufplan waren es aber noch 4 km. Der Weg ging also nicht steil nach oben, sondern schlängelte sich in einer sanften Spirale um den Berg. Der Hang am Wegesrand nach oben ließ Schlimmes erwarten. Die Kilometer zogen dahin, doch der finale Anstieg erwies sich als erträglich. Der letzte Kilometer folgte dem Rennsteig aus Richtung Eisenach (einige dürfte die Strecke kennen). Noch ein Stück gehen und dann tauchte der Sendeturm auf dem Gipfel im Nebel auf – geschafft. Meine PB für den Halbmarathon habe ich mit 2:09 h um nur fünf Minuten verpasst, aber bei dem damaligen HM waren es auch deutlich weniger Höhenmeter.
Großes Lob und Dank für den Erfurter Laufladen , die für nur 8 € Startgeld eine tolle Veranstaltung auf die Beine stellten.

18.8.05

Laufen anderswo Nr. 2: Die Saarschleife

Auf ihrem Weg von Süd nach Nord stößt die Saar kurz hinter Merzig auf die Ausläufer des Hunsrück. Dessen Gestein ist zu hart, so dass die Saar einen Bogen von fast 180° machen muss und in einer engen Schleife zurückfließt. Folgt man mit dem Fahrrad der Saar so hat man nur das halbe Vergnügen, den der Blick von oben bleibt einem verwehrt – jedenfalls, wenn man als Genussradler - wie wir im Urlaub - dem Lauf der Saar und Mosel folgt, um Berge zu vermeiden.
Allerdings kam in mir schon in Saarbrücken angesichts der vielen Läufer am Saarufer die kaum stillbare Sehnsucht auf, Pedale mit Laufschuhen zu wechseln. Etappenziel des Saarschleifentages war Mettlach und da wir nicht allzu viele Kilometer geradelt waren, reift schnell der Plan, die Saarschleife von oben zu sehen.
In der Touristinfo gab es einen Wanderplan und ein ungläubiges Gesicht darüber, dass ich die knapp 15 km laufen wolle. Schließlich liegt der Aussichtspunkt „Cloef“ auch noch 180 Höhenmeter über der Saar.
Der Ortsteil Mettlachs, in dem man in die Saarhänge einsteigt, heißt bezeichnender Weise Keuchingen. Dem Namen machte ich alle Ehre und folgte einem schönen Weg mit tollen Blicken auf die Saar. Konnte man die Saar nicht sehen, entschädigten die schrägen Sonnenstrahlen durch den Buchenwald und ließen den Anstieg leichter erscheinen. Frustrierend war eine steiler Abstieg in das Tal eines kleinen Baches – ich will hoch und nicht wieder runter! Wieder steil aufwärts hörte ich bald eine Straße und hatte damit die Hoffnung, es bald geschafft zu haben. Es kann doch nicht sein, dass wichtige Aussichtspunkte in Deutschland nur zu Fuß zu erreichen sind.


Auf der (!) Cloef angekommen genoss ich den Postkartenblick und versuchte mit eigenem Foto alle Postkartenmotive zu übertreffen. Jedenfalls gibt es keine Karte mit mir in Laufsachen im Vordergrund – nochmals Dank an den älteren Herrn, der es hier sicher nie lesen wird.
Der Versuch einen anderen Weg als Abstieg zu nehmen, gab ich schnell auf als es ein enger Trampelpfad wurde, auf dem ich mit meinen Schuhen rutschte. Aber auch der normale Rückweg wirkte viel kürzer. Was bleibt ist wieder ein schönes Lauferlebnis –anderswo.
Im September gibt es einen Saarschleife-Marathon. Der geht aber unten entlang - eigentlich schade.

1.8.05

Laufen anderswo: Der Wiener Prater

In Berlin hatte es mich gepackt. Eine Laufrunde durch den Tierpark war eine Stadtbesichtigung anderer Art mit Brandenburger Tor, Reichstag, Bundeskanzleramt, Haus der Kulturen der Welt... Da lag der Gedanke nahe, auch anderswo zu versuchen, mir die Orte laufend zu erschließen.
Nun hat es mich nach Wien getrieben. Im Internet surfend, stief ich auf www.runningcheckpoint.at , die Laufstrecken empfehlen und sogar kostenlos (!) Karten versenden. Allerdings sollte man die nicht daheim vergessen.

Die Donauinsel wurde von irgendjemand im Internet als zu langweilig bezeichnet - also der Prater. Außer dem Riesenrad und anderen Freß- und Verlustierungsobjekten ist er auch ein riesiger Park. Nach einigem Stadtplanstudium bot sich das Ernst Happel Stadion als optimales Ausgangspunkt mit großem Parkplatz und Schwimmbad für das danach an. Die Achse der Praters ist die "Hauptallee", 4,5 km lang Asphalt mit beidseitigem normalen Wege. Da Wien eine doch recht große Stadt ist, waren auf der Hauptallee auch am Vormittag eines Wochentages Sporttreibende aller Art unterwegs - darunter auch Jogger in allen Formen: dahinschleichende Hochrotgesichter in Baumwollschlaber, Möchtegernprofis in den Markenklamotten der Saison, smarte Boys mit Sonnenbrillen und MP3 Playern, Frauen mit Handgewichten, Kinderwagenschieber und und und.

Aha - Erlebnis für den Gastläufer aus der ostdeutschen Provinz - man grüßt nicht. Manche schauen angestrengt vom entgegenkommenden Läufer weg, andere sind fast erschrocken über das leichte Handheben meinerseits.Die Laufstrecken sind schön unter schattigen Bäumen. Ich lief die Hauptallee bis zum Lusthaus und dann im Bogen an der Südseite des Parkes entlang zum Praterstern und dann wieder die Hauptallee zurück zum Stadion. Auf den Wegen abseits der Hauptallee trifft man weniger Menschen, wenn man auch nie allein ist. Die Ausblicke gehen vor allem in die verschiedenen Parklandschaften mit Gewässern und Liegewiesen sowie auf die verschiedenen Sportanlagen. Um das berühmte Riesenrad zu sehen, muß man am Anfang der Hauptalle fast einen langen Hals machen, falls man nicht durch die Würstelbuden durchlaufen will.

Überall im Prater sind Laufstrecken ausgeschildert, allerdings habe ich das Gefühl, das man sich nicht ohne Plan darauf verlassen soll. Auch Trinkwasserstellen soll es geben. Bei meiner Runde, von 1:10 h habe ich sie nur auf dem Plan gesehen, aber auch trotz der 26 ° nicht recht gesucht. Nach dem Lauf erwies sich das riesige Schwimmbad mit 7 Becken als guter Gedanke.Wenn ich mal wieder in Wien bin, werde ich sicher die Donauinsel versuchen - sie verspricht wohl mehr Ausblicke, aber auch weniger Schatten.