Es ist schon interessant, was vom Schulstoff im Gedächtnis bleibt. Bei mir gehört dazu, dass in den Eiszeiten das Inlandlandeis riesige Mengen von Erde und Geröll, die man Geschiebemergel nennt, vor sich herschob und als Grund- und Endmoränen liegenließ. Als das Eis taute, floß das Wasser in Urstromtälern ab. Ich weiß nicht mehr, ob ich gelernt habe, dass das abfließende Wasser auch Rinnentäler bildete. Jedenfalls ist eines dieser Rinnentäler das Schlaubetal westlich von Eisenhüttenstadt. Da es im Schlaubetal einen dichten Laubwald gibt, der im Herbst in allen Farben strahlt, ist die Gegend nicht nur erdgeschichtlich interessant sondern auch einfach schön.
Außerdem fand in diesem Jahr dort der 4. Schlaubetalmarathon statt, wo sich viele Freunde trafen. Da für mich Eisenhüttenstadt logistisch einfacher war als das ursprünglich geplante Schwäbisch Gmünd genoss ich in Ostbrandenburg ein schönes Lauftreffen im Indian Summer. Gelaufen bin ich ohne jegliche zeitliche Ambitionen mit meinem Photoapparat und über weite Strecken zusammen mit Tati und Steffi .
Die Strecke ist wunderschön, aber etwas zermürbend, da sie gerade am Ende recht hügelig ist. Die Eingeborenen sagen sogar bergig, denn es geht sogar am Skilift von Eisenhüttenstadt vorbei. Nach 4:24 h war ich im Ziel und etwas erstaunt, dass auch ein eher locker gelaufener Marathon irgendwie anstrengend ist.
Noch viele schöne Bilder gibt es hier.
24.10.10
11.10.10
In München durch die persönliche Schallmauer
Eigentlich wollte ich in diesem Jahr gar keinen schnellen Marthon laufen. Läufe durch schöne Landschaften gefallen mir einfach besser als Hetzereien nach Bestzeiten. So sollte der 50 km lange Schwäbisch-Alb-Marathon der Höhepunkt im Herbst werden und mich in die Wertung für den Europacup bringen. Einmal in der Woche lief ich mit meinem Ex-Nachbarn Heiko. Seine Avancen mit ihm zum München-Marathon zu fahren, verschmähte ich lange. Als der Halbmarathon in Halle mir eine persönliche Traumzeit bescherte, meldete ich mich doch für Müchen an. Die langen Läufe für den Halbmarathon waren über mehr als 25 km gegangen, so dass in den Wochen danach nur noch einige Dreißiger mit Tempoteilen fehlten. Die Vorbereitung gestalte sich problemfrei und ich empfand sie in diesem Jahr nicht so öde, wie die Vorbereitung auf den schnellen Marathon im vergangenen Jahr. Dazu hat sicher beigetragen, dass ich die Intervalle fast völlig durch Fahrtenspiel ersetzte, welches ich nach Gefühl und teils sehr moderat in alle Läufe einbezog.
Der Sonnabend in München ließ Vorfreude aufkommen. Ich bestaunte den zeitlos schönen Olympiapark, wo es die Startnummern gab. Beim gemeinsamen Abendessen trafen wir viele Läufer aus dem Forum. Dabei war auch Stephen, den ich seit einigen Jahren aus den Augen verloren hatte.
Der Sonntag begann mit blauem Himmel und niedrigen Temperaturen, die auf laufoptimale 16° steigen sollten. Sonne und ausreichend Toiletten sorgten für optimale Vorwettkampfbedingungen. Ich trennte mich am Start von Heiko und sortierte mich in den Block sub 3:45 ein. Am grünen Shirt erkannte ich einen anderen Läufer vom Rennsteiglaufverein. Hans-Jürgen, so heißt er laut Ergebnisliste, visierte auch die 3:30 an. Also liefen wir zusammen los. Die Pendelstrecke in der prachtvollen Ludwigstraße war schön und ich freute mich auf den Englischen Garten. Doch der Schnitt von knapp unter 5 min/km fiel mir erstaunlicherweise gar nicht so leicht und der Wortwechsel mit meinem Partner war eher kurzatmig. Ich überlegte, ob das Kratzen im Hals der Vortage doch Auswirkungen hat. Nachdem ich einen der ersten Bäume im Englischen Garten aus der Nähe betrachten musste, erwies sich das Aufholen als kompliziert. Auf den engen Wegen war das Überholen schwierig. Wenn der Marathon in München weiter Teilnehmer gewinnt, wird man wohl eine andere Strecke suchen müssen. Leider sah ich Lizzy nicht, die mir irgendwo bei km 10 zujubeln wollte. Ich bedauerte, dass die Strecke dann bald den schönen Englischen Garten verließ, wurde aber sofort vom Beifall der vielen Zuschauer am Parkausgang entschädigt. Mir ging es immer besser und ab km 15 erhöhte sich mein Tempo auf unter 4:50. Dabei verlor ich Hans-Jürgen. Ich musste aufpassen, dass ich nicht zu schnell wurde und begann von negativen Splits zu phantasieren.
Die Halbmarathonmarke passierte ich bei 1:44. Die Strecke führte nun mit erstaunlich vielen leichten An- und Abstiegen durch uninteressante Stadtstraßen. Bei km 28 erkenne ich erfahrungsgemäß, ob der Lauf eine Quälerei wird. Doch nichts passierte und ich freute mich bei km 32 meine persönlichen Fans zu treffen. Davor überquerten wir aber noch zwei mal den stimmungsvollen Marienplatz und kurz dahinter fotografiert mich BassTina.
| Foto von BassTina |
Noch hatte ich ca. 3 min Vorsprüng auf die 3:30 und war ziemlich sicher, dass ich mein Ziel erreichen kann. Ich versuchte locker zu laufen, der Garmin zeigte eine Pace von knapp über 5 min, doch meine Wadenmuskeln gaben Krampfsignale. Da war schon der Start, von hier waren es noch 2 km. Stephen tauchte plötzlich hinter mir auf. Ich hatte ein Déjà vu. Vor einigen Jahren war mir dies auf dem Rennsteig wenige Kilometer vor dem Ziel passiert und ich hatte keine Kraft mehr gehabt, ihm zu folgen. Auch in München war ich langsamer und mußte weiter Tempo raus nehmen, weil die Krampfsignale deutlicher wurden. Doch Stephen blieb bei mir. Der Einlauf ins Olympiastadion war dann ganz großes Kino. Kurz vor dem Ziel reicht er mir seine Hand – ich nehme sie, reiße sie hoch. Bei 3:29:14 bin ich im Ziel.
Heiko kam später. Er hatte zwar seine Bestzeit gegenüber dem ersten Marathon um 15 min verbessert, war aber enttäuscht, weil er auf den letzten 12 km völlig eingebrochen ist. Hans-Jürgen sah ich nicht mehr, er war die zweite Hälfte deutlich langsamer gelaufen und kam bei 3:47 ins Ziel.
Meine Zielzeit ist am Tag danach für mich eigentlich immer noch unvorstellbar, vor allem weil ich das Gefühl habe, es geht auch noch etwas mehr. Allerdings weiß ich nicht, ob es meine Berufung ist, meine Bestzeit jährlich etwas weiter drehen zu wollen.
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