Wolfgang hatte ich nur fragen brauchen, ob er auch läuft. Seine Bedenkzeit war wohl eher ein Alibi, jedenfalls hatte er schnell zugesagt und sich als Pacemaker angeboten. Schließlich wollte ich meine PB unterbieten. Da ich allerdings erst einen HM ernsthaft gelaufen bin und es damals auf dem Rennsteig mein erster längerer Wettkampf war, stand die PB bei 2:03. Ziemlich ahnungslos, wie schnell ich laufen kann, nahm ich mir eine 1:50 vor. Nach den 4:12 beim Berlin-Marathon und einer 2:27 bei den 27 km über die Jenaer Kernberge, erschien mir das Ziel realistisch. Mit Wolfgang vereinbarte ich 5 min / km zu laufen, so weit ich das Tempo halte.
So kamen wir nach kaum
spürbaren 49 min wieder ins Stadion – die ersten 10 km waren geschafft.
Auf der Hauptallee zurück war der Wind stärker geworden und bließ uns
mächtig ins Gesicht.
Zum Glück gab es nach ca. 3 km beim Riesenrad die
Wendestelle. Ich merkte, dass ich schneller wurde.Wolfgang blieb einen
halben Schritt hinter mir, um mich zu bremsen. Da hörte ich seltsame
Worte: „Wir lassen uns jetzt vom Rückenwind treiben und sterben dann auf
den letzten 2 km im Gegenwind“. Hatte ich das gesagt? Ich ließ es
locker laufen und wartete auf den Einbruch. Doch auch als das Feld nach
km 18 wieder gegen die Wind lief, stand kein Mann mit einem Hammer im
Prater sondern nur freundliche Zuschauer. Im Ziel blieb die Uhr für mich
bei 1:42:46 stehen. Die Zeit war 2 Stunden vorher für mich noch
unvorstellbar. Nun werde ich wohl vor allen Wettkämpfen zur
Knoblauchcremesuppe greifen, bevor sie auf den Index verbotener
Substanzen kommt. Dank an Gudrun für den Tipp und Wolfgang für die
unterhaltsamen Schrittmacherdienste.